
Rodney ist unser wandelndes Musiklexikon. Als Drummer in seinen eigenen Bands sowie aushilfsweise dort, wo gerade Not am Manne ist, hat er zudem ein ausgeprägtes rhythmisches Verständnis. Apropos Rhythmus: Es ist uns schier unbegreiflich, wie er seine Tätigkeiten als Musiker, Booker, Redakteur und Photograph für drei Magazine, freier Journalist, Masterstudent, Food-Blogger, Wein-Connaisseur, Bowle-Barista, Freund und Liebhaber in seinem Tagesablauf untergebracht bekommt. Apropos Wein: Ein Best-of Rodneys wochenendlicher Sprachnachrichten ist zwar nicht geplant, aber auch nicht unwahrscheinlich.
Es ist beeindruckend, wie es Dance Gavin Dance gelingt, in einer solch hohen Frequenz neue Platten auf den Markt zu bringen. Der Band um Gitarrist Will Swan scheint es nie an Ideen und Kreativität zu mangeln, wie auch „Afterburner“ relativ schnell unter Beweis stellt. Dance Gavin Dance sind eine Band, die sich seit Jahren mit überwältigender Konstanz in der Szene bewegt und bisher noch nicht ins Schwanken kam. Das wird spätestens nach dem ersten Eindruck der vorab veröffentlichten Singles klar.
Achtung: Groove
„Prisoner“ beginnt mit verspielten und ätherischen Klangsphären, die insbesondere den mit Hall bombadierten Gesang von Tilian Pearson mit immenser Fülle ausstatten, bevor funky Gitarren zusammen mit den Drums für eine absolute Groovebomb sorgen. Dance Gavin Dance animieren wortwörtlich zum Tanzen, finden allerdings auch ihren Weg zurück in die verschwommenen Sphären. „Prisoner“ lebt von seiner inneren Dynamik und Dramaturgie, die zu einer Klimax führt und dann durch ein stimmiges Outro abgerundet wird. Auch „Lyrics Lie“ folgt dem Prinzip einer gängigen Popstruktur, die insbesondere durch den Refrain an leichtem Zugang gewinnt. Im direkten Vergleich ist dieser Song aber wesentlich härter und beweist etwas weniger tanzbares Material, auch wenn dieses durchaus vorhanden ist.
Wenn man sich „Calentamiento Global“ anhört, könnte man meinen, dass DGD versuchen, Fans im Mittel- und Süd-Amerika zu gewinnen. Zwischen Dancehall und Reggaeton Beats beginnt der Track in einer Samba-würdigen Stimmung, die auch mit Pfiffen zum Tanzen annimiert. Irgendwie gelingt es der Band, diese Elemente so gut in ihren eigenen Sound einzubinden, dass „Calentamiento Global“ überraschend natürlich und kaum aufgezwungen wirkt.
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Zusammen mit dem spanischen Gesang ist es fast schon ein wenig perfide, einen so sommerlich-anmutenden Song nach der Klimaerwärmung zu benennen. Aber vielleicht ist es genau das, was diesen Song so aussagekräftig macht. Dieser sommerliche Vibe ist auf dem ganzen Album zu finden und gehört irgendwie auch in den Sound von Dance Gavin Dance. Treibend, motivierend und gut gelaunt präsentieren sich Tracks wie „Parody Catharsis“, der ebenfalls mit kurzem Rap-Part die Genregrenzen der Band ausweitet.
Breakdowns, wohoooo!
„Parallels“ hingegen ist ein Dance Gavin Dance-Track, der mit bluesigem Unterton überzeugt. Außerdem beweist er, dass es auch auf „Afterburner“ noch Breakdowns zu finden gibt. So endet der Song in einem hiesigen, der mit Synthies untermalt ist und auch live für den ein oder anderen Moshpit sorgen wird. Dass die Musik auf „Afterburner“ auch hektisch ist, beweisen „Born To Fail“ und „Night Sway“ mit wildem Gitarrenspiel und dem sehr treibenden Pacing. Es wirkt fast etwas überspitzt, wie die Band ihre musikalische Rafinesse zusammenstaut und in Songs komprimiert.
Getreu dem Motto “Expect the unexpected” zeichnet sich aber dennoch ein Bild ab, dass Dance Gavin Dance einfach steht. Quietschhohe Vokalakrobatik, gut platzierte Shouts und eingängige Strukturen koexistieren mit außer Kontrolle geratenem Gitarrenspiel, dezenten Mathcore-Elementen und der gewohnten Brise Experimentierfreude, die vor keinen Genregrenzen scheut. Das kann für den ein oder anderen zu viel sein, muss es aber nicht. Gute Laune? Vorprogrammiert!
Foto: Lindsey Byrnes / Offizielles Pressebild
Fazit
Wie die Artworks ihrer Alben, sind diese bei Dance Gavin Dance immer ein buntes Potpourri, das ganz klar nach Dance Gavin Dance schmeckt, sich aber auch gerne exotischer Früchte bedient und nicht davor scheut, ungewöhnliche Kombinationen einzubauen. Dabei sind Dance Gavin Dance einmal mehr ein Wechselspiel aus guter Laune, tricky Gitarrenparts, hektischen Shouts und verdammt eingängigen Refrains. Dazu kommen jede Menge musikalischer Experimente, die aus „Afterburner“ ein rundum gutes Album machen, das wohl keinen einzigen Fan enttäuschen wird. „Afterburner“ bleibt nicht unter den Erwartungen, hebt sie aber auch nicht an. Alles in allem eine rundum solide Sache, die Spaß macht.

▶Tracklist 13 Songs
- 1Prisoner
- 2Lyrics Lie
- 3Calentamiento Global
- 4Three Wishes
- 5One In A Million
- 6Parody Catharsis
- 7Strawberry's Wake
- 8Born To Fail
- 9Parallels
- 10Night Sway
- 11Say Hi
- 12Nothing Shameful
- 13Into The Sunset
