Damals noch für den eigenen Musikblog geschrieben, entschied sich Maik 2015 bei MoreCore anzuheuern und nahm unseren Jonas gleich mit. Mittlerweile kümmert er sich als Redakteur um den Bereich "Features und Interviews", legt auf unseren MoreCore Partys auf, betreibt mit Linn unseren Podcast "Kerngeschäft" und ist auch immer mal wieder vor der Kamera bei MCTV zu sehen. Im Team gilt er insgeheim als das sympathische Multitalent. In seiner Freizeit sammelt er Schallplatten, schaut so ziemlich jedes Fußballspiel und isst für sein Leben gerne Pizza.
Faster, Harder, KMPFSPRT! Auf Platte Nummer fünf lassen es die Kölner alles andere als ruhig angehen und setzen ihrer Heimat ein neues Denkmal. Entgegen dem allgemein aktuellen Trend scheinen sie dabei vom Zeitdruck getrieben.
Zehn Songs in unter zehn Minuten über ihre Heimatstadt Köln? Das klingt ambitioniert und für manchen gar verrückt. Doch nicht nur in dieser Hinsicht scheinen KMPFSPRT zu ihren Hardcore-Punk-Wurzeln zu finden. In bester Kid Dynamite- und Gorilla Biscuits-Manier prügeln sich die vier Kölner in kurzen bis sehr kurzen, dafür meist angenehm melodischen Tracks und thematisieren dabei stets die Domstadt am Rhein.
KMPFSPRT liefert mit ihrer neuen Selftitled-Platte ein sehr schnelllebiges Erlebnis
Klar, Köln findet in der Musik, allem voran oder vielleicht sogar primär in der des Karnevals, regelmäßig einen Platz. Zieht man jedoch einen Vergleich, zum Beispiel mit Genre-Kollegen aus dem Norden, so scheint das Rheinland viel weniger für seine alternative Szene gefeiert zu werden.
KMPFSPRT ändern diesen Zustand mit ihrer Selftitled-Platte und verfallen hierbei nicht dem Pathos, denn zu kritisieren hat auch die Band so einiges. So geht das Quartett in „I Hate Ehrenfeld“ mit der Gentrifizierung des Veedels ins Gericht: „Die Nächte waren lange und es wurde ausgeschenkt. Doch heute wird mir bange, wenn ich an dich denk.“
Ein Sinnbild für den kontinuierlichen Zerfall der alternativen Subkultur in Köln ist natürlich die Schließung des so geliebten Undergrounds, das 2017 zugunsten einer Schule weichen musste. Ein Problem, das es sicherlich auch anderorts gibt und was die Platte auch für Leute zugänglich macht, die eigentlich nichts mit Köln am Hut haben.
Klare Kante zeigt „Nazis raus aus Köln“, während „Claudia“ und „Kneipenpazifisten“ echte Liebeserklärungen an die Stadt und deren Einwohner sind. Gerade letzteres klingt so euphorisch, dass es definitiv als neue Club-Hymne der Stadt durchgehen kann.
Ähnliches gilt für „Kein Wort“, das sich charmant bei den Kölsch-Rockern von Cat Ballou bedient und in acht Sekunden deutlich macht, dass Köln und dort zu leben einfach ein Lebensgefühl beinhaltet, das kaum zu beschreiben ist. Etwas, was ich persönlich absolut bestätigen kann, auch wenn ich das Vergnügen selbst nur wenige Jahre hatte.
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Tatsächlich, und das ist vor allem dem Grundkonzept des 7-Inch-Albums geschuldet, ist „KMPFSPRT“ schneller vorbei als einem lieb ist. Das wäre eigentlich ein Kritikpunkt, der an dieser Stelle aber nicht zum Tragen kommen kann, denn in sich funktioniert das Konzept wunderbar.
Allerdings hätte der Abschluss eleganter sein können. Beim Hören der Platte habe ich mich mehrfach dabei erwischt, dass ich einen nächsten Song erwartet hätte, wobei nach „Ebertplatz“, dem letzten Track, bereits Schluss ist.
Foto: KMPFSPRT / Offizielles Pressebild
Fazit
Alles in allem ist „KMPFSPRT“ eine richtig gute Hardcore-Punk-Platte geworden, die vor allem, aber nicht nur, „Kölnern“ Spaß machen wird. Man ist beinahe gewillt „schade“ zu sagen, dass das Konzept „10 Songs in 10 Minuten“ lautet, denn das abgelieferte Material macht definitiv Bock auf mehr!

▶Tracklist 10 Songs
- 1Ich fahr Schwarz
- 2Black Jeans. Black Shirt. Bläck Fööss.
- 3I hate Ehrenfeld
- 4Claudia
- 5Nazis raus aus Köln
- 6Straßen meiner Stadt
- 7Alle Wege führen zum Dom
- 8Kneipenpazifisten
- 9Kein Wort
- 10Ebertplatz


