Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
“Hab’ Sonne im Herzen und Pizza im Bauch, dann bist du glücklich und satt bist du auch.” Wortwörtlich ist es gar nicht mal so einfach umsetzbar, was uns die großen Dichter:innen unserer Zeit auf Sprüche.net so predigen. Das mit der Pizza kriegt man wahrscheinlich noch relativ schnell gebacken (hier Tusch einfügen); je nach Lebenslage ist es aber durchaus schwierig, sich mal eben so locker flockig die Sonne im Herzen zu bewahren. Cadet Carter aus München schaffen dafür aber mit ihrem vierten Album “Self-Maintenance” Abhilfe. Wenn dann ein Stück des beliebtesten Soßenbrots der Welt das Cover besagter Platte ziert, schließt sich sogar der Kreis zu soeben zitierten Sprüche.net-Weisheiten.
Zum Glück schlagen sich Cadet Carter auf lyrischer Ebene sehr gut gegen die Hobby-Web-Poet:innen und besingen auf “Self-Maintenance” Themen wie Achtsamkeit, Neuanfänge und das Bewahren von Hoffnung in schweren Zeiten. Inwiefern die Band dabei ihre eigenen Erlebnisse aus den letzten zwei Jahren mit einbezieht, kann an der Stelle nur gemutmaßt werden. So brach das Quartett Mitte 2022 entzwei und hatte zudem einen Corona-bedingten Tourabbruch zu verdauen. Mit Korbi Lauxen (Gitarre) und Matze Frommelt (Bass) fanden sich allerdings glücklicherweise zwei neue Mitstreiter, die nach der Standalone-Single “Crazy Maze” (2023) nun erstmals an einem Langspieler mitgewirkt haben.
Der Soundtrack zur Selbst-Wartung
Den klanglichen Unterschied zu “Anthems For The Weak” (2022) merkt man schon bei “Eternal Circles” und “Lift Me Up”, die gleich zu Beginn den leichtfüßigen und tanzbaren Grundton der Platte setzen. Insgesamt kommt “Self-Maintenance” ein ganzes Stück pop-punkiger daher, was durch die kurzen Songlängen, die flotten Wechsel zwischen Parts und die Eingängigkeit der Refrains unterstützt wird. “Strangers” und “Footsteps” wirken im Kontrast dazu ein wenig bedächtiger und erinnern an ruhigere Songs aus dem Hause Jimmy Eat World. Einen absoluten Ausnahmetrack bildet der Closer “Talking To Myself”, der mit interessanten Harmonien und einer unerwartet harten Bridge aufwartet.
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Cadet Carter machen auch auf ihrem vierten Album wieder alle Dinge gut, für die sie schon seit ihrem Debüt (2018) bekannt sind. So bringen sie ihr Gespür für eindringliche Melodien und catchige Instrumentals mit und verpacken dies in zehn optimistischen Songs, die schnell ins Ohr gehen und sich dort ohne große Mühe festsetzen. Wie schon auf “Anthems For The Weak” (2022) könnte man sich aber definitiv immer noch ein wenig mehr Funkyness wünschen. Unerwartete Momente wie leichte 80er-Anleihen in “Dinner For A Friend” oder die groovigen Strophen von “My Favourite Place” kommen außerordentlich gut, sind aber sehr spärlich eingesetzt – obwohl sie das Soundbild nochmal auffrischen.
Cadet Carter liefern ein perfektes Sommeralbum ab
Die Münchner stehen die Landung am Ende trotzdem und holen die Pluspunkte wiederum an anderen Ecken rein. Seien es die durchweg starken Lead-Gitarren und Soli, die geschmackvollen Fills von Drummer Benny Paska oder auch die gut platzierten Features von Brian Swindle (Have Mercy) und Kayleigh Goldsworthy. Gerade Letztere fügt sich mit ihrer Stimme perfekt in den Sound der Platte ein und hätte gerne auch noch länger hinter dem Mikrofon verweilen können. Abgerundet wird das Ganze durch eine schöne Produktion, die nochmal ein wenig klarer und aufgeräumter als beim Vorgänger daherkommt. So vergeht die halbe Stunde an bestem Pop-Punk fast schon wie im Flug.
Foto: Nikki Lindner / Offizielles Pressebild
Fazit
Was unterscheidet Cadet Carter von Artists der neuen Pop-Punk-Welle der letzten Jahre? Ihre Musik geht einfach eine Ebene tiefer, ohne dabei die Zugänglichkeit und Poppigkeit des Genres einbüßen zu müssen. “Self-Maintenance” ist eine berührende Platte über das Finden von Stärke in harten Zeiten, bietet aber genauso den perfekten Soundtrack für heiße Festivaltage im kommenden Sommer. Auch wenn sich die Band ohne Probleme noch tanzbarer und funkier zeigen könnte, bleibt am Ende ein starkes viertes Album, mit dem die Münchner ihr hohes Niveau mühelos halten.

▶Tracklist 10 Songs
- 1Eternal Circles
- 2Lift Me Up
- 3Strangers
- 4Let It Go
- 5Dinner With A Friend
- 6Tightrope
- 7Footsteps
- 8My Favourite Place
- 9Break Through The Noise
- 10Talking To Myself


