
Daniel vom Bruch
Wandering, withering, wasting, wanting – Hinter diesen Schlagworten stecken kurze Einspieler von 27 Sekunden bis zwei Minuten, die „Wasteland“, das sechste Studioalbum von Wolves At The Gate, wie ein Gerüst zusammenhalten. Die neue Platte der Band aus Ohio ist ein Konzeptalbum. Main Vocalist und Co-Producer Steve Cobucci verarbeitet darin seine Angst vor dem „Wasteland“, einer Metapher für eine Geisteshaltung, mit der er nicht leben wolle, in die er aber zunehmend hineingeraten würde. Für ihn stehe dieser Gemütszustand für ein leeres Versprechen. Das ist dieses Album jedoch absolut nicht.
Wolves at the Gate mit einem kompromisslosen Beginn
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Nach einem sphärisch beginnenden und immer mehr in düsteren Metalcore abdriftenden Intro, das perfekt das ankündigt, was den Hörer von nun an erwartet, gibt es bei „(The Wasteland) PAIN“ mit dem ersten Ton sofort den Schlag in den Nacken. Treibende Double Bass Drums, Gitarrenriffs und ein ins Mark gehender Scream geben die Marschroute vor, zumindest für die erste Hälfte des Albums. Das klingt wütend, angsteinflößend, aber auch atmosphärisch, episch und sofort wird klar, dass Producer Josh Gilbert (Spiritbox) ganze Arbeit geleistet hat.
Auch elektronische Klänge sind zu hören, die zusammen mit denen mit viel Hall produzierten Gitarren wie bei Songs wie „SYNTHETIC SUN“ Atmosphäre sowie musikalische Tiefe schaffen. Die Drums sind dabei sehr clean gehalten, wie es aber in diesem Genre und auch für Wolves At The Gate üblich ist. Manchmal gehen sie in den harten Gitarrenriffs allerdings etwas unter, was aber nichts daran ändert, dass Schlagwerk und Saiteninstrument bei allen Songs die perfekte Symbiose bilden. Zusätzlich zeigt das Songwriting, dass Wolves At The Gate seit 2008 unterwegs sind und eine Menge Erfahrung haben. Die Band weiß genau, worauf es ankommt und dass es nicht immer der ellenlang hinausgezögerte Breakdown sein muss, sondern auch mal ein ruhiger Part, bevor das Inferno ziemlich schnell wieder über uns hereinbricht.
Vorsicht, Hitgefahr!
Mit „SMOKE (False Devils)“, einem absoluten Banger, beginnt der zweite Teil des Albums, denn nach und nach tritt immer mehr der cleane Gesang in den Vordergrund. Hater würden behaupten, den Musikern ginge die Luft aus, aber viel mehr beweisen sie damit, dass sie alle Fans der Genres Metalcore und Post-Hardcore abholen können und durchaus in der Lage sind, Songs zu schreiben, die wir demnächst sicher gerne im Club hören würden.
Der größte Favorit auf den Clubhit ist definitiv „DEATH CLOCK“, die zweite Single des Longplayers, der leider gar nicht so long ist. Auf dem Papier sind es 13 Tracks, aber im Grunde sind es nur acht vollwertige Songs. Das wirkt etwas dünn. Hinzu kommt eine manchmal überambitionierte Produktion, die streckenweise so klingt, als wollten sich die Musiker in Lautstärke und Härte gegenseitig übertreffen. Das ist jedoch der einzige Kritikpunkt. Ansonsten gibt es wirklich nicht viel zu meckern.
Inspiration ja, aber Kopie nein
Zwar wird hier nicht der Metal neu erfunden, denn manche cleanen Refrain-Parts erinnern an Bands wie I Prevail und es sind musikalische Parallelen zu Motionless in White, Architects oder We Came As Romans zu hören. Aber dies ist stets willkommene Inspiration, niemals platte Kopie, denn Wolves At The Gate bringen bei jedem Track auf „Wasteland“ ihre eigene Note, ihren eigenen Stil ein. Und vor allem wird „Wasteland“ nach mehrmaligem Hören immer besser. Ihr werdet das auch so empfinden. Versprochen.
Foto: Aaron Marsh / Offizielles Pressebild
Fazit
Mit "Wasteland" haben Wolves At The Gate ein überzeugendes Album hingelegt. Die Songs sind kraftvoll und vor allem der Wechsel zwischen cleanem Gesang und Shouting vermittelt eine wohlig beängstigende Stimmung. Hörer:innen werden gefordert, aber nicht überfordert, denn die Produktion hat eine klare Struktur und jedes einzelne Lied ist eingängig, ohne dass man das Gefühl hat, dass auf die Charts geschielt wurde. Fans von Metalcore und Post-Hardcore werden mit "Wasteland" absolut abgeholt und für Wolves At The Gate könnte das Album die Eintrittskarte in die Welt der ganz großen Bands dieser Genres sein.

▶Tracklist 13 Songs
- 1INT(r)O
- 2(The Wasteland) PAIN
- 3PARASITE
- 4SYNTHETIC SUN
- 5wandering
- 6LAW OF THE (Waste) LAND
- 7SMOKE (False Devils)
- 8withering
- 9DEATH CLOCK
- 10wasting
- 11MEMENTO MORI
- 12wanting
- 13UNREST