
Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
“If I cracked a smile my life wouldn’t be so colourless.” Alleine diese Zeile und die Info, dass darauf wildes Gitarren-Getappe folgt, reichen aus, um einen ersten Eindruck davon zu bekommen mit was für einer Platte wir es hier zu tun haben. Entgegen der Annahme, dass man dahinter vielleicht eine Band aus Wisconsin oder Iowa vermuten könnte, stammen Stay Focused tatsächlich aus dem beschaulichen Städtchen Limburg an der Lahn in Hessen. Mit dem Begriff des Midwest Emo will sich das Trio selbst allerdings nicht identifizieren und das ist auch gut so: Denn auf ihrem zweiten Album “Values” decken sie definitiv mehr Fläche ab als den Bereich von Minnesota bis Ohio.
Mit beinahe neun Jahren auf dem Buckel können Stay Focused schon auf Einiges an Erfahrung zurückblicken, das von ihrer ersten EP (2015) bis hin zu ihrem Debütalbum “Constants” (2018) reicht. In den letzten fünf Jahren ist nun einiges passiert und die Entwicklung in Produktion und Songwriting ist auf “Values” deutlich zu spüren. Dabei haben die Limburger jedoch nichts von ihrem instrumentalen Geschick eingebüßt, das sie schon seit ihren Anfängen an den Tag legen. Musikalisch bewegen sie sich im Kern sicherlich irgendwo zwischen Emo und Punk mit einem deutlichen Midwest-Einschlag, sparen aber nicht an härteren Melodic- und Post-Hardcore-Einlagen und betten das Ganze in gewagten wie progressiven Songstrukturen ein.
Stay Focused zwischen Verspieltheit und Härte
Während “New Picture Frame” und “Colourless” als absolute Vorzeigesingles durch ihre Eingängigkeit und einen pop-punkigen Vibe punkten, herrscht in der Mitte der Platte ein gänzlich anderer Ton. Düstere Tracks wie “Cope” oder “Nothing Anymore” bilden einen schönen Gegenpol zu den leichtfüßigen Momenten und entfalten durch gut eingesetzte Halftime-Parts und die intensiven Shouts von Bassist Julian Karst eine ganz eigene Durchschlagskraft. “Blame Me Now” hingegen sticht sowohl durch außergewöhnliche Harmonien und die starke Vocal Performance von Sänger Fabio D’Antonio, als auch durch die lyrische Thematik heraus. So wagen sich Stay Focused hier auch in politische Gefilde, während sie auf dem Rest der Platte Themen wie Zweifel, Verlust und mentale Probleme besingen.
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Die Limburger schaffen es auf “Values” wirklich alle wichtigen Aspekte eines gelungenen Albumkonzepts im Blick zu haben. Seien es die gut gewählten Singles, die Einrahmung durch Opener und Closer, sowie ein bedachtes Pacing, das sich durch die umfangreiche Dynamik und den großen Tempobereich ergibt. Wirklich vorwerfen kann man Stay Focused am Ende höchstens, dass sie ab und an ein wenig zu sehr auf Nummer sicher gehen und sich sicherlich noch mehr verkopftere Songs wie “Blame Me Now” erlauben könnten. Spätestens wenn man sich aber dann (schon) wieder alleine in den zahlreichen markanten Details verliert, die Drummer Marcus Mansky in sein Spiel einbaut, merkt man aber, dass das alles gar nicht so dramatisch ist.
Foto: Joshua Väth / Offizielles Pressebild
Fazit
Stay Focused brauchen nur 10 Songs und 36 Minuten Zeit, um ein Emo-Herz zu verzaubern und eins der ersten Highlights des Jahres rauszuhauen. Ihr zweites Album “Values” ist Punk wie Prog, Hoffnung wie Verzweiflung, der erste frisch gepresste Orangensaft am Morgen sowie der zehnte Whiskey in der Nacht. Manchmal wollen die Limburger ein wenig zu sehr gefallen, stehen die Landung aber trotzdem aus so vielen verschiedenen Gründen: Klar sind da ihre technische Exzellenz und ihr Gespür für eingängige Hooks. Aber vor allem haben sie das Gesamtbild zu jeder Zeit im Auge.

▶Tracklist 10 Songs
- 1Old Wounds
- 2Colourless
- 3Barren Grounds
- 4Potential
- 5Ending Things
- 6Cope
- 7Nothing Anymore
- 8Blame Me Now
- 9New Picture Frame
- 10Values