
Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
Beim Twin Mill handelt es sich um ein Spielzeugauto von Hot Wheels, das erstmals 1969 vorgestellt wurde und zu einem regelrechten Klassiker der Marke geworden ist. Nicht nur wurde 1998 eine lebensgroße Version des kleinen Flitzers gebaut, auch in einigen PlayStation-Spielen rund um die Jahrtausendwende fand sich der Wagen wieder. Bei der gleichnamigen Band aus Heilbronn lässt sich allein vom Sound her definitiv vermuten, dass sie eine ganze Menge Rennspiele in den 2000ern gezockt haben. Aber keine Sorge: Das Quartett schafft es auf ihrer Debüt EP “Different Skies” Zutaten aus gleich mehreren Jahrzehnten zu kombinieren und mit einem frischen Touch zu servieren.
Teenage Wrist, Softcult, Liotta Seoul – das Revival vom Alternative Rock und Grunge der 90er ist seit einigen Jahren in vollem Gange und bahnt sich seit Kurzem mehr und mehr den Weg an die Oberfläche. Twin Mill schließen sich diesem Trend mit ihrer vier Songs umfassenden EP gekonnt an und dürften dabei nicht nur die Nirvana– und Soundgarden-Fans unter euch mitnehmen. Auch Anhänger:innen vom Post-Grunge der 2000er (Breaking Benjamin, Chevelle) sollten mit “Different Skies” voll auf ihre Kosten kommen. Die Heilbronner schaffen es gekonnt ein Nostalgiegefühl an entspannte Nachmittage vor der PS2 zu erwecken ohne dabei zu sehr ins Kitschige abzudriften.
Twin Mill liefern ein rundum gelungenes Debüt ab
Besonders interessant wird es aber vor allem dann, wenn Hardcore-Elemente ins Spiel kommen und dem warmen und kraftvollen Soundbild noch ein wenig Kante hinzufügen. Songs wie “Drown” oder “Phantom” gedenken im Geiste Bands wie Title Fight, Balance And Composure oder Citizen, die in den frühen 2010ern den Grunge mit in den Emo brachten. Den Rest holen Twin Mill über eine voluminöse Produktion und starkes Songwriting herein. Besonders glänzen sie dann, wenn sie die Hörenden harmonisch ein wenig an der Nase herumführen oder den einzelnen Instrumentalisten immer wieder den Ball zuspielen und ein wenig Raum für sich geben.
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Auf “Different Skies” geben Twin Mill bereits einen guten Eindruck von ihren Fähigkeiten und schaffen es in jedem Fall, neugierig auf Nachschub zu machen. Für kommende Releases könnte man sich vielleicht noch wünschen, dass sich die Band ein wenig mehr aus ihrer Komfortzone herausbewegt und dabei ihre Alleinstellungsmerkmale klar in den Vordergrund stellt. Auch in Sachen Spannungsbögen und Dynamik könnten die Heilbronner noch mehr wagen und Songs präsentieren, die mit ausgeprägteren Hoch- und Tiefpunkten arbeiten. Für einen ersten Release ist ihre EP jedoch ein mehr als rundes Gesamtstatement, das sich soundmäßig gut an aktuelle Trends anschließt und eine große Bandbreite an Hörer:innen begeistern könnte.
Foto: Twin Mill / Offizielles Pressebild
Fazit
Twin Mill aus Heilbronn bringen mit ihrer EP “Different Skies” ein starkes Debüt an den Start, das sich stilistisch zwischen Alternative und Grunge mit Einschlägen aus Hardcore und Emo einpendelt. Dabei vereint das Quartett sehr gekonnt Elemente aus drei Jahrzehnten Musik und klingt dabei trotz gelegentlicher Nostalgieschübe immer noch frisch und modern. Während in Produktion und Soundbild alle Handgriffe sitzen, könnte man sich höchstens im Songwriting noch ein wenig mehr Mut und Abwechslung wünschen - was die Band aber mit ziemlich großer Sicherheit auf kommenden Releases bieten wird.

▶Tracklist 4 Songs
- 1Blanket
- 2Drown
- 3Spell
- 4Phantom