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Smile And Burn - Seid ihr stolz auf mich?
ReviewAlternativeIndiePunkrock

Smile And Burn

Seid ihr stolz auf mich?

Album

VÖ 26. Juli 2024Solitary Man Recordscd · vinyl
Mauritz Hagemann/29. Juli 2024
Streamen
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M

Mauritz Hagemann


Mit „Seid ihr stolz auf mich?“ steht seit wenigen Tagen Studioalbum Nummer Sieben von Smile and Burn in den Regalen. Die Berliner sind seit inzwischen 16 Jahren unterwegs und haben sich mit ihrem deutschsprachigen Punkrock längst in der ganzen Republik einen Namen gemacht. Doch während man bisher ziemlich sicher wusste, was ein neues Album der Band mit sich bringen würden, ist auf „Seid ihr stolz auf mich?“ vieles anders. Grund genug, sich das Album einmal genauer anzuschauen.

Die Familiengeschichte als Album

Der Titel ist übrigens genau so gemeint wie man ihn auf den ersten Blick verstehen kann. Die klassische Fragen der Kinder an ihre Eltern: Seid ihr stolz auf mich? Habe ich eure Erwartungen erfüllt? Oder habe ich euch enttäuscht? Es gibt wohl nur wenige Kinder, die sich diese Fragen – wenn auch nur innerlich – im Laufe ihres Lebens nie stellen. So geht es auch Smile and Burn-Sänger Philipp Müller. Seine Familiengeschichte ist alles andere als frei von Schmerz und Trauer, wie er berichtet: „Meine Schwester ist damals, als wir alle noch kleine Kinder waren, sehr früh gestorben. Unsere Eltern haben für mich und meinen Bruder trotzdem versucht – gegen ihren eigenen Schmerz – eine funktionierende, fröhliche Familie zu sein. Ich habe dafür versucht, ihnen jedes unnötige Leid zu ersparen und wollte immer gefallen und selbst niemals auffallen. Ich habe mich sehr klein gemacht und hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich es einmal nicht tat. So haben wir eben versucht, mit unserer Trauer umzugehen. Und so sind wir bis heute um diese Wunde herum gewachsen.“

Smile and Burn wagen die kleine musikalische Revolution

Keine leichte Kost, die Müller mit seiner Band auf „Seid ihr stolz auf mich?“ verarbeiten will. Aber eben auch genügend Material für ein persönliches, für ein dunkles Album. Und der lyrische Kontext ist nicht alles. Auch musikalisch wagen Smile and Burn zwar keine Wendung um 180 Grad. Aber 90 Grad sind es schon. Denn die Variation des Punkrock, den die Band in den letzten Jahren zu ihrem Markenzeichen gemacht hat, weicht einer deutlich reduzierten und weniger druckvollen Version. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Gerade der Start des Albums verläuft eher schleppend. Wer Smile and Burn gewöhnt ist, muss erst einmal auf die Zähne beißen. Dass „Flackert und geht aus“ als Intro bewusst zäh gehalten ist, leuchtet ein. Aber auch „Stolz“ kommt nur schwer aus den Startlöchern – trotz der ebenfalls neuen elektronischen Komponente.

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Nichts verlernt

Doch natürlich haben Smile and Burn ihr Handwerkszeug nicht verlernt. Sie verstecken es nur mitunter sehr geschickt. Auch ein Song wie „Asche von gestern“ braucht ein wenig Zeit, bis man einen Zugang zu ihm findet. Wenn man das dann schafft, wird man für die Geduld belohnt. Denn ohne Frage ist der neue Smile and Burn-Sound besser geeignet, die Lyrics auf sich wirken zu lassen. Das hellt angesichts der durchweg eher dunklen Thematik zwar nicht die Laune auf, macht aber nachdenklich geht nahe. Und auch das gehört bekanntlich zum Punkrock dazu.

Smile and Burn drehen in der zweiten Hälfte auf

Gerade zum Beginn des Album scheint es tatsächlich so, als hätten Smile and Burn im Tonstudio die Handbremse ein wenig zu feste angezogen. Doch es bleibt nicht so. „Sowieso zu spät“ – ohne Frage eines der Highlights des Albums – beginnt zwar noch relativ verhalten, entwickelt sich dann über die Länge von drei Minuten zu einem Song, wie man ihn von Smile and Burn kennt. Eingängig, zum Mitnicken oder Mithüpfen und mit jeder Menge Ohrwurmpotential. Generell macht vor allem die zweite Albumhälfte schon auf den ersten Blick bzw. beim ersten Hören ein deutlich eingängigeren Eindruck. „Fallen“ ist nicht nur wunderschön romantisch, sondern auch ein Song, der sich schon nach einmaligem Hören hartnäckig im Gehörgang festsetzt. Und schlechte Laune ist ganz im Sinne von Bertolt Brecht ein Lehrstück aus dem epischen Theater. Ob sich im Songtext wohl auch der ein oder andere Smile and Burn-Fan wiederfindet?

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Erst die Pflicht, dann die Kür

Auf 35 Minuten und in 12 Songs zeigen Smile and Burn eine Weiterentwicklung, die neugierig macht. Es lohnt sich definitiv, hier einmal genauer hinzuhören. Man darf sich nicht vom Beginn der Platte abschrecken lassen – denn hier überspannen die Berliner den Bogen möglicherweise ein wenig. Doch die Band wäre nicht seit 16 Jahren erfolgreich, wenn sie nicht wüsste, wie man ausgewogene Alben schreibt. Dass dieses Mal die zweite Hälfte deutlich stärker daherkommt, ist zum einen Geschmackssache und zum anderen vielleicht sogar genauso gewollt. Erst die Pflicht, dann die Kür.

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Foto: Max Threlfall / Offizielles Pressebild

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Fazit

7/10
· Gut

Mehr Indie, weniger Punkrock. So könnte man „Seid ihr stolz auf mich?“ in aller Kürze zusammenfassen. Doch wie jede Zusammenfassung wird man der Platte von Smile and Burn so nur unzureichend gerecht. Da hilft es nur, sich selber ein Bild zu machen. Manchmal muss auf die Zähne zusammenbeißen, aber am Ende hagelt es nur so vor Belohnungen. Versprochen!

Smile And Burn - Seid ihr stolz auf mich?

Smile And Burn

Seid ihr stolz auf mich?

Album

VÖ 26. Juli 2024

cd · vinyl

Solitary Man Records

▶Tracklist 12 Songs
  1. 1Flackert und geht aus
  2. 2Stolz
  3. 3Bomben fallen
  4. 4Asche von gestern
  5. 5Oberflächenspannung
  6. 6Die Jahre Zweifel
  7. 7Sowieso zu spät
  8. 8Fallen
  9. 9Schlechte Laune, alles gut
  10. 10Hier hält gar nichts
  11. 11So falsch
  12. 12Alle verlieren
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Smile And Burn·Alternative·Indie·Punkrock

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Smile And Burn
Foto: Max Threlfall / Offizielles Pressebild

Smile And Burn

DeutschlandSeit 2008

Smile And Burn ist eine Berliner Punkband, die sich im Jahr 2008 gegründet hat. Ihr erstes Album „Flight Attempt of the Kiwi“ erschien 2010 via Fond of Life Records.Foto: Max Threlfall / Offizielles P…

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