
Melanie Bonk
Set It Off sind in der Alternative-Szene definitiv keine Unbekannten mehr. Mit ihrem am Freitag erscheinenden Album zeigen sie nicht nur die Veränderung, welche sie in den letzten zwei Jahren durchlebt haben, sondern auch ihre Einstellung gegenüber der Gesellschaft.
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Mit „Elsewhere“ schickt uns das aus Florida stammende Trio auf eine energiegeladene und bewegende Reise. Seit ihrer Gründung 2008 haben Set It Off ihren ganz eigenen unverkennbaren Stil und diesen bis heute auch beibehalten. Aber wir wollen euch nicht länger hinhalten und legen gleich mit einer ausführlichen Rezension los.
So klingt das neue Album „Elsewhere“ von Set It Off
Bereits Ende Oktober 2021 wurde uns mit „Skeleton“ Lust auf mehr gemacht. Was schon zu diesem Zeitpunkt sehr auffiel: Im Vergleich zu den Covern der vorherigen Alben ist dieses sehr bunt mit Neonfarben. Schon bei den Teasern zum Track hat man also gemerkt, dass hier eine Revolution ansteht. Auch das Video zeigt wortwörtlich den Einstieg in etwas Neues. Wer den Song verpasst hat, kann ihn sich hier direkt anhören.
Auch „Projector“ wurde bereits vorab veröffentlicht. Die Zeile „…Listen more, talk less…“ zeigt im Grunde ganz gut auf, was vor allem Sänger Cody Carson derzeit am meisten beschäftigt. Beim Gespräch mit dem Label über die Inspiration zum Track äußert er sich wie folgt:
„Die Anzahl der Menschen, die in mein Leben treten und nicht in der Lage sind, zu sagen: „Ich habe mich geirrt“, „Ich habe Mist gebaut“ oder „Es tut mir leid“, ist mir ein Rätsel. Stattdessen wird man mit Schuldzuweisungen, Ausreden und Wut konfrontiert. Sie projizieren ihre Probleme auf andere Menschen oder sogar auf dich, nur damit sie sich nicht selbst damit auseinandersetzen müssen… Ich möchte einfach, dass die Leute „Projector“ so laut wie möglich aufdrehen und sich über all die nervigen Menschen in ihrem Leben auslassen können.“
Weiter geht’s mit „Cut Off“. Für Frontmann Cody ging hier ein kleiner Traum in Erfüllung, denn er konnte den Song gemeinsam mit Neon Trees-Sänger Tyler Glenn schreiben. Mit dem anfänglichen Pfeifen erzeugt der Track eine gelassene Atmosphäre und ist doch sehr aussagekräftig. Ruhig sitzen bleiben, während man den Song hört, ist übrigens relativ schwierig, da er einen sofort mitreißt.
„Loose Cannon“ startet im ganz typischen Set It Off-Stil und auch hier möchte man direkt mitsingen. Und trotz des gewohnten Sounds hat der Track keinen negativen Unterton. Allgemein ist das Album sehr ehrlich und überzeugt mit seiner „In Your Face“-Einstellung. Hier gibt’s sogar ein kurzes Gitarrensolo von Gitarrist Zach DeWall.
Vieles in Frage stellen
Der nächste Song „Why Do I“ ist ebenfalls sehr fröhlich gehalten und stellt sehr viele Dinge in Frage. Die Frage „Warum tu ich das?“ stellen wir uns alle des Öfteren unter komplett verschiedenen Umständen und dies ist auch richtig so. Um sich selbst weiter entwickeln zu können, sollte man unbedingt die ein oder andere Entscheidung hinterfragen und das zeigt der Song auch unbeschreiblich gut auf.
Als nächstes folgt „As Good As It Gets“. Der Song ist ein sehr nachvollziehbarer Track. Er behandelt die Vorstellung, sich einfach nur besiegt zu fühlen. Es geht auch um die Frage, ob es jemals Licht am Ende des Tunnels geben wird, vor allem, wenn man auf die letzten zwei Jahre und insbesondere auf die Pandemie zurück blickt.
Auch „Who’s In Control“ beschäftigt sich mit einer (vor allem in der heutigen Zeit) sehr schwer wiegenden Frage: Wer hat denn überhaupt die Kontrolle? Wem gebe ich sie? Drummer Maxx Danziger sagt hierzu folgendes:
„Beim Schreiben eines Albums erschaffst du etwas was dir so viel bedeutet, was ein Teil von dir ist. Und dann gibst du es an die Welt weiter. Ab diesem Zeitpunkt ist weder das Album noch unsere Band „Unseres“. Ab jetzt gehört das plötzlich allen. Wir sind nicht mehr nur drei Leute die nur zum Spaß Musik machen, es ist nun ein Job der mit Erwartungen verbunden ist. All diese Stimmen beeinflussen letztendlich die Kunst und das kann manchmal Überhand nehmen.“
„Taste Of The Good Life“ ist wieder ein wunderbar eingängiger Song. Neben dem ein oder anderen leicht dramatischen Twist behandelt auch dieser Track ernstzunehmendere Themen und Ängste. Beim Anhören des Albums fällt stark auf, dass Set It Off musikalisch nicht mehr wirklich auf die düstere Seite eingehen, sondern dem Ganzen einen positiven oder auch motivierenden Ton mitgeben wollen.
Zwischen Neid und Selbstbewusstsein
Mit „Why Not Me“ thematisiert das Trio den typischen Neid, den die sozialen Medien oftmals in einem auslösen. Andere Leute wirken erfolgreich und glücklich und man fragt sich, warum man so etwas nicht auch haben kann. Aber es geht in dem Track auch darum, sich selber Mut zu machen, an sich zu arbeiten, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Denn so kannst auch du glücklich werden.
„Dangerous“ boostet kurzzeitig das Selbstbewusstsein. Mit einem sehr ausdruckstarken Sound und dem recht einfach gehaltenen Refrain kann man sich sehr gut in den Track hinein versetzen. Die Message, die der Song mit sich bringt: „They can’t kill my vibe“ – und so soll’s auch sein.
Set It Off waren schon immer darum bemüht, sich von der Menge abzuheben. Wenn man zurück blickt auf beispielweise „Killer In The Mirror“ sieht man deutlich, dass sie das auch geschafft haben, denn der Song ist einem seit der Veröffentlichung im Kopf geblieben. Als „Elsewhere“ ausgearbeitet wurde, spielte natürlich auch die Vorstellung von Live-Shows mit rein. Die Band versuchte sich vorzustellen, wie es die Fans mitreißen würde, die Songs live zu performen und sie waren begeistert von der Idee und dem neuen Tempo, das sie extra für dieses Album geschaffen hatten.
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Unter anderem bei „Cordial“ merkt man diese Einflüsse sehr. Doch hört man an dieser Stelle noch etwas anderes ganz besonders stark raus: Hier wurden Saiteninstrumente eingebaut. Dadurch bekommt der Track seinen ganz eigenen Flow und macht einfach Spaß beim Hören.
Kennt ihr noch diesen schwarzen Ball, den man schütteln musste, damit er eine Fragen beantwortet und die Zukunft verrät? Genau darum geht’s bei „The Magic 8“. Kaum einer glaubt daran, dass so eine Kugel irgendeinen Einfluss auf einen haben und dennoch fordern wir das Schicksal genau auf diese Art heraus. Im Grunde sagt die Zeile „…shake the magic 8 until it breaks…“ alles aus, was man über den Track vorab wissen muss.
Hinter der Maske hervor treten
Vielleicht ist es nicht dein Tag, nicht deine Woche oder gar dein Jahr? Jeder kennt dieses Gefühl, wenn es den Anschein macht, dass alles schief läuft. Als würde das Karma komplett gegen dich spielen. Auf „Playing With Bad Luck“ sprechen die Jungs über genau das. Und der Track ist treffender als man anfangs denkt.
Mit „Peekabo“ zeigt die Truppe auf, dass es nicht immer sinnvoll ist, sich hinter einer Maske zu verstecken. Man kann meistens trotzdem einen Blick hinter diese Mauer werfen und den echten Menschen sehen. Im tiefsten Inneren bleibt man der selbe Mensch, auch wenn man sich immer wieder verstellt.
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„Catch A Break“ bringt das zum Ausdruck, was man empfindet, wenn im Grunde alles gut läuft, sich dann aber der Alltag breit macht und alles eintönig erscheinen lässt. Nur weil alles gut läuft, ist man nicht unbedingt glücklich. Man fragt sich, wo man falsch abgebogen ist und ob das wirklich das ist, was man braucht.
Was darf auf einem guten Longplayer nicht fehlen? Richtig, die Ballade. Mit „Better Than This“ bringen die Jungs zum Abschluss nochmal etwas Abwechslung ins Spiel. So einen Song hat es bei Set It Off bisher noch nie gegeben und ist ein absolut ehrlicher Track. Vor allem für Sänger Cody war die Produktion sehr schwierig, da dies nicht nur ein sehr emotionaler Song ist, sondern auch ein Eingeständnis, dass auch er sich mal irrt. Solch eine Einsicht fällt schließlich jedem schwer und ist absolut menschlich. Wie bei dem ein oder anderen Track auf dem Album haben wir auch hier wieder Streichinstrumente.
Foto: Danin Jacquay / Offizielles Pressebild
Fazit
Mit ihrer neuen und lockeren Einstellung zu ihrer eigenen Musik, haben sich Set It Off definitiv ein gutes Stück nach oben befördert. Neben verschiedenen Instrumenten und Stilen besticht „Elsewhere“ mit seiner Ehrlichkeit sowie mit den an "Alice im Wunderland" angelehnten Musikvideos. Die Art, wie die Amerikaner verschiedenste Situationen aus dem Leben picken und behandeln, lässt sie menschlicher erscheinen und macht den Fans klar, dass niemand allein ist und jeder mal in diversen Situationen feststeckt.

▶Tracklist 16 Songs
- 1Sekelton
- 2Projector
- 3Cut Off
- 4Loose Cannon
- 5Why Do I
- 6As Good As It Gets
- 7Who's In Control
- 8Taste Of The Good Life
- 9Why Not Me
- 10Dangerous
- 11Cordial
- 12The Magic 8
- 13Playing With Bad Luck
- 14Peeakaboo
- 15Catch A Break
- 16Better Than This