Happy Release Day
16/01/2026
Review
Black Metal Deathcore
Kritik: Ov Sulfur - "Endless"
Mehr Schatten als Licht: Ov Sulfur's nächster Streich.
VON
Markus Seibel
AM 14/01/2026
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Mit ihrer zweiten LP „Endless“ tauchen Ov Sulfur noch tiefer in jene düsteren Klangwelten ein, die bereits ihr Debütalbum „The Burden of Faith“ nachhaltig geprägt haben. Das Quintett aus Las Vegas knüpft dabei nicht einfach an alte Erfolge an, sondern entwickelt seinen Sound konsequent weiter. Die Atmosphäre des Albums ist von Beginn an bedrückend, kalt und intensiv, wirkt jedoch stellenweise so dicht, dass Details erst nach mehrmaligem Hören richtig zur Geltung kommen.
Gleichzeitig ist die Produktion deutlich ausgereifter und transparenter als beim Vorgänger, wenngleich manche Übergänge zwischen den extremen Passagen etwas holprig wirken. Die Songs bauen sich oft schleichend auf und entfalten ihre Wucht mit spürbarer Geduld, was in manchen Momenten jedoch die Dynamik etwas ausbremst. Schnell konsumierbar ist diese Platte bewusst nicht angelegt, was für Gelegenheits-Hörer durchaus herausfordernd sein kann. Vielmehr fordert sie den Hörer aktiv, doch nicht jeder Song erschließt sich sofort. Genau darin liegt sowohl ihre Stärke als auch eine kleine Schwäche: Das Album belohnt Geduld, wirkt aber nicht immer zugänglich.
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grenzenlos, aber fordernd: „endless“ als kompromissloser Entwicklungsschritt
Angetrieben wird „Endless“ vor allem von den harschen Vocals ihres Frontmanns Ricky Hoover. Seine Stimme bewegt sich sicher zwischen aggressiven Growls, schneidenden Screams und bedrohlichen Zwischentönen. Dabei wirkt der Gesang nie eindimensional oder monoton, kann aber stellenweise in den besonders chaotischen Passagen etwas dominant über den Instrumenten liegen. Hoover versteht es, Emotion und Brutalität gezielt einzusetzen, doch hin und wieder wirkt der Gesang in seiner Intensität etwas einseitig.
Die Texte spiegeln innere Zerrissenheit, Abgründe und existenzielle Themen wider. Diese Inhalte werden durch den intensiven Vortrag zusätzlich verstärkt. Auch in chaotischen Passagen bleibt die Stimme kontrolliert und präzise, was das Album trägt. Dennoch könnte eine noch differenziertere Stimmauswahl die Dynamik weiter erhöhen. Die Vocals fungieren als verbindendes Element zwischen Black- und Deathcore, auch wenn sie in manchen Momenten die Instrumente leicht übertönen.
Musikalisch sprengen Ov Sulfur auf „Endless“ zunehmend die Grenzen ihres Deathcore-Ursprungs. Zwar bilden harte Breakdowns und technische Riffs weiterhin das Fundament vieler Songs, doch manche Passagen wirken etwas überfrachtet. Immer häufiger treten deutliche Black-Metal-Einflüsse in den Vordergrund. Kalte Tremolo-Riffs, dichte Blastbeats und eine frostige Grundstimmung prägen große Teile des Albums. Diese Elemente werden nicht plakativ eingesetzt, sondern organisch in den Sound integriert.
Besonders auffällig sind die immer wieder auftauchenden melodischen Passagen, die das Album auflockern, aber stellenweise etwas abrupt wirken. Trotz dieser Offenheit bleibt die Musik kompromisslos und roh, auch wenn nicht jeder stilistische Ausflug vollständig überzeugt. Ov Sulfur verlieren sich nicht in Beliebigkeit, doch kleine Ungleichgewichte zeigen, dass noch Luft nach oben ist. Der genrezerstörende Ansatz bleibt dabei stets spürbar, selbst wenn manche Momente weniger flüssig erscheinen.
viel mut, nicht alles sitzt
Insgesamt zeigt „Endless“ eine Band, die sich weiterentwickeln will und dabei Risiken eingeht. Nicht jeder experimentelle Ansatz geht vollständig auf, und manche Stellen wirken überladen oder etwas chaotisch. Dennoch überwiegen die gelungenen Momente klar, und Ov Sulfur beweisen Mut, Eigenständigkeit und eine klare Vision. Das Album lebt von seiner Intensität und seiner kompromisslosen Ausrichtung, auch wenn nicht alles gleich stark funktioniert. Es ist kein leichtes, aber ein ehrliches Werk. Fans extremer Musik finden hier zahlreiche spannende Ansätze, während noch Raum für Feinschliff und gezieltere Struktur bleibt. „Endless“ ist damit ein wichtiger Schritt in der Diskografie der Band, der ihr Potenzial unterstreicht, ohne alles perfekt zu machen.
Foto: DFlux Photography / Offizielles Pressebild
Endless
Künstler: Ov Sulfur
Erscheinungsdatum: 16.01.2026
Genre: Deathcore
Label: Century Media Records
Medium: Streaming, CD, Vinyl
- Endless//Godless
- Seed
- Forlorn
- Vast Eternal
- Wither
- Evermore
- Dread (feat. Josh Davies of Ingested)
- Bleak (feat. Johnny Ciardullo of Carcosa)
- A World Away (feat. Alan Grnja of Distant)
- Endless//Loveless
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