
Rodney ist unser wandelndes Musiklexikon. Als Drummer in seinen eigenen Bands sowie aushilfsweise dort, wo gerade Not am Manne ist, hat er zudem ein ausgeprägtes rhythmisches Verständnis. Apropos Rhythmus: Es ist uns schier unbegreiflich, wie er seine Tätigkeiten als Musiker, Booker, Redakteur und Photograph für drei Magazine, freier Journalist, Masterstudent, Food-Blogger, Wein-Connaisseur, Bowle-Barista, Freund und Liebhaber in seinem Tagesablauf untergebracht bekommt. Apropos Wein: Ein Best-of Rodneys wochenendlicher Sprachnachrichten ist zwar nicht geplant, aber auch nicht unwahrscheinlich.
Spätestens seit dem Release von „Inmazes“ und einer Support-Tour für Katatonia sind VOLA aus der europäischen Prog Metal-Szene nicht mehr wegzudenken. 2018 legten die Kopenhagener mit „Applause From A Distant Crowd“ ihr zweites Album nach, das nun von „Witness“ als aktuelles Album abgelöst wird.
Klare Sprache
„Straight Lines“ eröffnet das Album ohne große Vorbereitungszeit mit jeder Menge Groove und einem Drive, den man von VOLA bereits kennt. Zusammen mit den Synthesizern, die im Sound der Dänen oftmals die melodiösen und atmosphärischen Elemente einer zweiten Gitarre ersetzen, baut sich „Straight Lines“ über rhythmische Ketten Stück für Stück auf, um in einem Refrain zu münden, der die zweite Seite der Band offenbart: dass sie unfassbar eingängig und poppig sein kann, was aber auch durch die dezente Platzierung der Synthies einen enorm großen Pop-Appeal und ein symbiotisches Klangbild abgibt.
Tatsächlich gelingt es „Straight Lines“, sowohl die enorm harten als auch die norm pop-betonten Passagen perfekt aufeinander abzustimmen und der Track vermittelt einen guten Überblick über den Sound, der auf „Witness“ geboten wird.
Mit „Head Mounted Sideways“ haben VOLA den Albumcycle zu “Witness“ eröffnet. Die erste Single des dritten Albums ist mitunter der härteste Track, den die Band je geschrieben hat. Meshuggah-eske Grooves treffen auf den von Massive Attack beeinflussten Electro Sound und machen diesen Track unwiderstehlich stark.
Kein Wunder, dass man beim Hören von „Head Mounted Sideways“ nicht genug von den Breaks der Band bekommen kann und froh ist ob derer Repetitionen.
VOLA liefern charmantes Prog Rock-Feeling mit gefühlvollen Momenten
Songs, die auf „Witness“ ganz besonderen Charm versprühen, sind „Freak“ und „Stone Leader Falling Down“. Das balladeske „Freak“ hat fast schon Kuschelrockatmosphäre, was an den cleanen Gitarren, der wohligen Stimme und den sanften Synthesizerklängen liegen mag.
Tatsächlich erinnert der Sound an ruhige Balladen von Bands wie King Crimson und Pink Floyd, nur eben in einem moderneren Sound, wie man ihn von Bands wie Mew gewohnt ist. Insbesondere die emotionale Komponente und das ätherische, verträumte Klangbild hebt diesen Song auf ganz besondere Weise heraus.
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„Stone Leader Falling Down“ hingegen spielt diese Einflüsse auf einen härteren Klang auf und packt die rhythmisch vertrackten Elemente in einen Sound, der ähnlich zu „Straight Lines“ besonders catchy klingt, aber auch die harten Elemente von „Head Mounted Sideways“ erneut unter Beweis stellt.
Auch „Napalm“ und „24 Light-Years“ wissen mit ihren Trademarks zu überzeugen und bauen oft auf eingängige Groove Sections, welche die rhythmische Raffinesse der Band wieder und wieder unter Beweis stellen. Insbesondere „Napalm“ ist ein Track, der sich auch als Single geeignet hätte. Doch diese Spekulationen lassen sich bei fast jedem Track auf „Witness“ feststellen, was am enorm hohen Level der neun Songs liegt.
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Wie viele Tracks auf „Witness“ ist „Future Bird“ ein typischer VOLA-Track, der eine gute Symbiose aus „Inmazes“ und „Applause From A Distant Crowd“ wiedergibt. Auch „Inside The Fur“ wird diesem Anspruch gerecht und schließt das Album stimmig ab, das keine unerfüllten Erwartungen hinterlässt, mit einem atypischen Song aber ein wenig schwächelt.
Ein Haar in der fast perfekten Suppe
Es gibt wenige Aspekte, die auf dem neuen VOLA-Album nicht schmecken. Mit „These Black Claws“ aber haben sich die Dänen das perfekte Album etwas verbaut. Ob es die etwas träge, zu repetitive Songstruktur ist, oder das Feature von Shahmen, das einfach nicht in den Sound passen will, ist schwierig zu sagen.
Der Hip-Hop-Approach, den „These Black Claws“ bedient, macht sich im Nu-Metal beeinflussten Sound von „Witness“ durchaus gut. Auch der Refrain taugt und ist eingängig, doch über eine Spielzeit von fast sechs Minuten fehlt das Spektakel, das spätestens mit Shahmens Einsatz verpufft.
Nicht etwa, weil seine Performance schlecht ist, sondern einfach, weil sie lieblos auf dem trägen Beat liegt und das Gefühl nicht loswerden lässt, dass hier etwas zu zwanghaft versucht wurde, eine Kooperation auf die Beine zu stellen.
Generell ist „These Black Claws” etwas zu simpel gestrickt und mit knapp sechs Minuten Spielzeit viel zu lang geraten, um wirklich prägnant zu sein. Demzufolge kann der Song auch durch den durchaus guten Chorus und fett produzierte Breaks nicht so sehr überzeugen wie die anderen Tracks auf „Witness“.
Foto: Nikolai Linares / Offizielles Pressebild
Fazit
Zwischen Alternative Metal, Nu Metal Ansätzen und Progressive Metal avancieren VOLA zu einer der wenigen Bands, die modernen Metal noch spannend machen können. Ob Einflüsse aus, Hip Hop, Trap, Progressive Rock oder Industrial – all das steht den Dänen und ihrem tief gestimmten Sound. Das zentrale Element der Band bleibt ein unwiderstehlicher Groove, atmosphärisches Songwriting und perfekt ausgeklügelte Synthesizer, die mit Chart-tauglichen Refrains ein breites Lächeln auf die Lippen ihrer Fans zaubern. „Witness“ ist das wohl stärkste Album, das VOLA bisher veröffentlicht haben. Einzig nostalgische Gründe könnten „Inmazes“ hier vorne anstellen. Denn auch klanglich liefert die Band aus Kopenhagen ihr bestes Werk ab, das eine nachhaltige Wirkung auf die Karriere der Band haben wird.

▶Tracklist 9 Songs
- 1Straight Lines
- 2Head Mounted Sideways
- 324 Light-Years
- 4These Black Claws (feat. SHAHMEN)
- 5Freak
- 6Napalm
- 7Future Bird
- 8Stone Leader Falling Down
- 9Inside Your Fur
