
Saskia Schollenberg
Die finnische Modern-Metal-Band Atlas veröffentlicht ihr drittes Album: Am 20.02.2026 erscheint „Sunder“. Bekannt wurde die Band vor allem durch ihre Mischung aus kinoartiger Größe und nordisch-mystischer Atmosphäre: Ein Markenzeichen, das sie auf ihrem letzten Album „UKKO“ meisterhaft bewiesen haben.
Mit „Sunder“ schlagen Atlas nun ein neues Kapitel auf. Die mystische Handschrift rückt etwas in den Hintergrund, vieles wirkt härter, direkter und kompromissloser. Die Band kommt mit mehr Druck, und genau das macht bereits der Einstieg unmissverständlich klar.
Atlas macht einen Auftakt mit Statement
Der Introtrack „Sermon to the Dying Light“ knüpft nahtlos an den Stil des Vorgängers an. Mystisch, erdrückend und gleichzeitig eindringlich schön baut sich eine Atmosphäre auf, die sofort Erwartungen schürt. Nicht nur ein Intro, sondern ein bewusster Auftakt. Der Wechsel zu „Tower“ trifft dann fast wie ein Schlag. Die Mystik tritt in den Hintergrund, während satte Gitarrenriffs über einen hinwegrollen und der Song eine rohe, ungeschönte Brutalität entfaltet. Unterstützt wird das Ganze von kräftigen unclean Vocals, die sich perfekt in den treibenden Rhythmus einfügen und dem Track eine markante Kante verleihen. Hier wird sofort klar: Atlas meinen es ernst.
Und das Statement verfehlt sein Ziel nicht. Auch „Salt and Sulfur“ folgt dieser Marschrichtung. Unnachgiebig und unversöhnlich treibt die harte Melodie nach vorne, wird jedoch immer wieder von wunderschönen Clean Vocals kontrastiert, die dem Song eine fast schmerzhafte Eleganz verleihen. Atlas experimentieren hier zudem mit Rhythmuswechseln, die nicht an jeder Stelle perfekt sitzen und gelegentlich etwas holprig wirken. Als Teil des Albumauftakts funktioniert der Song definitiv und reiht sich stimmig in die düstere Dynamik ein.
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Große Gesten und kleine Schwächen
Mit „I Whisper Your Name Like a Curse“ greifen Atlas erneut nach der großen Bühne: Vocal-Layering, epische Melodieführung und dieser typische „Cinematic“-Vibes lassen den Track zunächst gewaltig wirken. Allerdings verliert der Song im Verlauf etwas an Spannung, vor allem durch sehr zirkuläre Drum-Patterns und einen Textaufbau, der sich ein wenig zu repetitiv anfühlt. Die Grundidee ist stark, aber der Song hätte von etwas mehr Mut profitiert. Ähnlich groß setzt auch „Coven of Two“ an. Besonders stark ist der nahezu ätherische Refrain: sanfte, harmonische Vocals, bevor der darauffolgende heavy Kontrast wieder alles in Schutt und Asche legt. Das Outro spiegelt das Talent von Atlas perfekt wider und bildet einen wunderschönen Abschluss dieses Tracks: atmosphärisch, intensiv und genau so, wie man Atlas hören will.
Ende gut, alles gut
Mit „Altar of Your Love“ setzen Atlas nochmal einen drauf. Der Song beinhaltet nicht nur Streicher, sondern hebt durch seine Gesamtkomposition den Gesang auf eine völlig neue Ebene. Alles wirkt runder, größer und gleichzeitig emotionaler. Ein epischer Track, der wie aus einem Guss klingt und zweifellos zu den Highlights des Albums gehört! „Anodyne“ glänzt vor allem dadurch, dass er anders klingt als vieles zuvor. Hier wird nicht nur instrumental „ausgebrochen“, sondern auch der spielerische Wechsel zwischen Clean und Unclean Vocals sorgt dafür, dass der Song im besten Sinne auffällt. Eine erfrischende Abwechslung. Der Titeltrack „Sunder“ bildet schließlich das Ende des Albums und liefert nochmal einen absoluten Brecher. Auch hier wird liebevoll mit dem Gesang gearbeitet, während sich ein Piano durch den Song zieht und eine Atmosphäre erzeugt, die echte Gänsehaut verursacht. Brutalität trifft auf Schönheit, Chaos auf Kontrolle. Einen besseren Abschluss hätten Atlas kaum liefern können.
Foto: Aslak Junttu / Offizielles Pressebild
Fazit
Atlas liefern mit „Sunder“ ein starkes Album: Atmosphärisch, wunderschön produziert und mit mehreren echten Highlights. Allerdings fehlt im Vergleich zu UKKO ein Stück weit das "Folkige", das die Band zuvor so besonders gemacht hat. Schade, denn genau diese mystisch-nordische Note hat der Band eine unverwechselbare Identität verliehen. Trotzdem bleibt Sunder ein beeindruckender Schritt nach vorne: härter, direkter und kompromissloser. Atlas dürfen in Zukunft ruhig wieder ein bisschen „verrückter“ werden, aber was sie hier abliefern, ist ohne Frage ein sehr starkes Release.

▶Tracklist 8 Songs
- 1Sermon of the Dying Light
- 2Tower
- 3Salt and Sulfur
- 4I Whisper Your Name Like a Curse
- 5Coven of Two
- 6Altar of Your Love
- 7Anodyne
- 8Sunder