
Mauritz Hagemann
An Siamese kommt man derzeit kaum vorbei, wenn es um harte und gleichzeitig moderne Gitarrenmusik. Das hört sich vermutlich negativer an als es gemeint ist. Denn all diejenigen, die sich einmal mit der Band aus Kopenhagen beschäftigt haben, wollen vermutlich gar nichts mehr verpassen. Zu spannend ist das, was Siamese uns musikalisch anbieten. Einerseits harte Gitarrenmusik, die sowohl durch ihre Riffs als auch durch den einprägsamen Gesang schnell im Ohr bleibt. Andererseits aber auch viel Experimentierfreude, die Siamese zu einer vielseitigen und kreativen Band werden lässt. Mit „Elements“ steht nun das nächste Studioalbum in den Startlöchern.
Siamese starten mit viel Wucht
Selbstverständlich wissen auch Siamese, welche Anforderungen der moderne Musikmarkt an eine Band im Jahr 2024 stellt. Und so wurde die Release-Phase auch bei den Dänen so lang gestreckt wie es nur irgendwie geht. Der Opener „Shape Of Water“, der gleich mit einem Ten56.-Feature daherkommt, erschien schon im Frühjahr 2023. Dementsprechend wird man mit „Shape Of Water“ niemanden mehr überraschen – ein starker Opener, der ein gutes Gleichgewicht zwischen wuchtigen Gitarrenriffs und den elektronischen Elementen, die so stilprägend für Siamese sind, ist der Song natürlich trotzdem. Und es geht stark weiter.
Auch „Vertigo“ wurde schon vor einer ganzen Weile veröffentlicht – doch auch wenn man den Song zum ersten Mal hören würde, würde er sich wohl sehr schnell im Gehörgang einnisten und nie wieder herauskommen. Siamese gelingt es auf „Elements“ noch besser als auf früheren Alben, einen guten Mix aus progressiven Elementen und klaren Songstrukturen zu entwickeln.
Die Features überzeugen
„Predator“ und „Chemistry“ sind Songs, bei denen die Gitarren etwas weniger drücken als bei den ersten Songs des Albums. Gerade in den Refrains haben die Songs daher durchaus einen Alternative Rock-Charakter. Gleichwohl fügen sich die Songs weiterhin gut in den Sound des gesamten Albums ein. Es wird schon früh klar, dass Siamese auf „Elements“ einen roten Faden verfolgen, der aber glücklicherweise genug Spielraum lässt, um sich kreativ auszutoben. Neben „Shape Of Water“ gibt es auf „Elements“ einen weiteren Song, bei dem sich Siamese von einer anderen Band unterstützen lassen. Und das ist eine sehr gute Entscheidung. Denn wäre nicht der starke Feature-Part von Resolve-Sänger Anthony Diliberto, so würde dem Song schon ein wenig Power fehlen.
Das gilt wohl auch für „On Fire“, der zwar sehr eingängig daherkommt. Vielleicht übertreiben es Siamese hier aber ein Stück weit mit den elektronischen Elementen. Am Ende ist sicher vieles Geschmackssache, aber der Song kann das Niveau vieler anderer Tracks auf „Elements“ nicht erreichen.
Auch in der Breite überzeugend
Von den zehn Songs auf „Elements“ waren ganze sieben bereits vorab veröffentlicht. Das ist bekanntlich nichts Neues und der Entwicklung der Musikbranche geschuldet. Das mag man bedauerlich finden, aber es birgt auch eine Chance für die bisher nicht veröffentlichten Tracks. Denn sie stehen beim Album-Release zwangsläufig mehr im Mittelpunkt. Und so kann man sich über „God Is A Woman“ freuen, der vieles mitbringt, um ein sehr guter Siamese-Song zu werden. Vielleicht fehlt ein wenig das Besondere oder das Eingängige. Überraschend ist das nicht – die Band wird sich Gedanken gemacht haben, welche Songs das größte Single-Potential haben. Auch bei „Utopia“ hat die Band dieses Potential wohl nicht gesehen. Die Einschätzung kann geteilt werden – wobei der Song sehr angenehm ist. Nicht überfordernd, viel Tempo und auch gesanglich gelungen. Am Ende ist er aber doch vor allem Füllmaterial für das Album. Das gilt nicht für den brutalen Rausschmeißer „This Is Not A Song“. Kreativ und wuchtig – Siamese beenden das Album mit einem Knall.
.
Instagram Post
Siamese legen ein beeindruckendes Gesamtwerk vor
Wenn es eingangs hieß, dass man an Siamese kaum vorbei käme, so wird sich dieser Eindruck mit dem Release von „Elements“ weiter verstärken. Die Band aus Kopenhagen legt ein sehr stimmiges Album vor, das eine klare Linie verfolgt, aber genug Platz zum Atmen lässt. Und auch wenn viele Songs schon bekannt waren, so lohnt es sich definitiv, „Elements“ einmal als Gesamtkunstwerk zu hören. Das haben Siamese einfach verdient.
Foto: Siamese / Offizielles Pressebild
Fazit
Siamese haben ihren einzigartigen Sound gefunden und perfektionieren ihn auf „Elements“. Die Band findet eine exzellente Balance zwischen Härte, eingängigen Gesangslinien und elektronischen Elementen. So steht am Ende ein Album, das nicht nur viele Hits enthält, sondern auch als Gesamtwerk auf ganzer Linie überzeugen kann.

▶Tracklist 10 Songs
- 1The Shape of Water (feat. Ten56)
- 2Vertigo
- 3Predator
- 4Chemistry
- 5Through My Head (feat. Resolve)
- 6On Fire
- 7God Is A Woman
- 8Utopia
- 9Hurricane
- 10This Is Not A Song
