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Die Hauptstadt meldet sich mit voller Kraft zurück. Die selbsternannte Boyband der Berliner Underground-Szene Dead Phoenix veröffentlichen mit „Reflections“ ihr erstes Album.
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Nachdem mit der EP „Out Of Ashes“ im Jahre 2017 bereits sieben Tracks veröffentlicht wurden, mussten sich die Fans für Nachschub bis jetzt gedulden. Wir haben uns die neue Platte der Jungs zur Brust genommen und präsentieren euch unseren Eindruck von „Reflections“.
Dead Phoenix debütieren auf „Reflections“ überzeugend
Bereits vor Release des Longplayers wurden drei Songs veröffentlicht. „Hate“ ist einer davon und überzeugt mit einem kernigen Metalcore-Sound.
Besonders die kehligen Vocals wirken wütend und bringen die notwendige Aggressivität mit, die ein Song mit einem solchen Titel verdient. Insgesamt kommt der Track allerdings nicht über den Status „solide“ hinaus, da er besonders in der zweiten Hälfte eher dahinplätschert und repetitiv wirkt.
Es kommt das Gefühl auf, als würde der letzte Funke, das Highlight des Songs oder der letzte Kniff fehlen.
Die zweite Vorab-Veröffentlichung „Soaked In Black“ wurde zusätzlich mit einem eigenen Musikvideo versehen. Passend zum Titel sieht man darin die Band in einem weißen Raum, der durch die Verwendung von schwarzer Farbe Akzente verliehen bekommt. Generell besitzt das Video allerdings eher weniger Aussagekraft, da man den Ideenreichtum und den Drang nach neuen Wegen ein Stück weit vermisst.
Der Song besitzt eine eingängige Schwere und ist tempotechnisch bestens zum Headbangen geeignet. Zudem gibt er den musikalischen Stand der Band bestens wieder. So wird auf der einen Seite der Metalcore von Dead Phoenix durch starke Screams und den Sound der Kombo bestmöglich dargestellt (hinzu kommt ein „BLEGH!“, das Architects-Frontmann Sam Carter stolz machen würde).
Auf der anderen Seite wird durch diverse Sprech-Parts die Bereitschaft gezeigt, eine gewisse Variation in die Songs zu legen. Das Stück erhält dadurch einen wirklich angenehmen Nu-Metal-Touch. Den cleanen Vocals sowie den gesprochenen Passagen fehlt allerdings ein wenig der Druck, wodurch eine gewisse Monotonie entsteht.
Mit „Visions“ gelingt den Jungs aus der Hauptstadt in der Mitte des Albums eines der Highlights. Der Song beginnt mit einem Männer-Chor, der die Mystik, die in Akzenten auf „Reflections“ durchkommt, erneut aufgreift.
Dieses Thema wird ebenfalls zu Beginn des Albums in „Colourblind (Learn To Live Again)“ verwendet und läutet durch die verträumt klingenden Gitarren in „Ouroboros“ das Ende des Albums ein. So schließt sich also der Bogen.
Gesanglich unterbricht ein eindringlicher Schrei den Chor auf „Visions“. Zudem hat der Hörer sofort ein gewisses Feeling, das zum Circlepit einlädt und auch live den Fans Freude bereiten wird – wenn wieder möglich versteht sich.
Das anfängliche Tempo wird den gesamten Song über gehalten. Zusätzlich unterstützen die Gitarren den Gesang, wodurch die Kraft des Stücks noch einmal erhöht wird.
Besonders hervorzuheben ist die Schlagzeug-Spur, da durch die Variation von Blast-Beat bis hin zum Half-Time alles dabei ist, wodurch der Drive nicht verloren geht und die Vielseitigkeit gewahrt wird. „Visions“ hat daher all das, was das Metalcore-Herz höherschlagen lässt.
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Eine weitere Besonderheit des Albums befindet sich an achter Position. Mit „Supernova 2020“ veröffentlicht die Band einen Song, der bereits unter dem Titel „Supernova“ auf der Vorgängerplatte enthalten war. Das Stück hat eine Generalüberholung erhalten und passt nun in den modernen Stil der Jungs.
Zusätzlich wurde das Tempo angehoben, was dem Song deutlich besser steht und die Stimmung besser einfängt. Insgesamt wird der Song durch die Neu-Produktion einfach eingängiger. Die Bends im Solo des Tracks verleihen diesem darüber hinaus einen rockigen Touch, was eine gewisse Vielseitigkeit mit sich bringt und das Gesamtgerüst des Stücks auflockert.
Mit diesen Stücken sind die Highlights des Albums leider größtenteils abgearbeitet. Songs, wie „Ocean Floor“, „Sleepwalking (Feed These Lies)“ oder auch „We Are One“ besitzen zwar Kraft, lassen allerdings das Innovative, das Neue und Moderne ein Stück weit vermissen.
Letzterer Track lockert das Ganze durch Groupshouts zwar auf, da diese auch gut zum Titel des Songs passen, insgesamt wird beim Hören allerdings der Eindruck vermittelt, dass man all diese Elemente so oder so ähnlich bereits gehört hat. Dadurch schwimmt „Reflections“ zum Teil eher mit dem Strom, als wirklich herauszustechen.
Foto: Kristina Becker / Offizielles Pressebild
Fazit
Mit ihrem ersten Album zeigen die Berliner von Dead Phoenix, wohin die Reise fortan gehen soll. „Reflections“ ist ein eher klassisches Core-Album, das sich innerhalb seiner Genre-Grenzen bewegt und wenige Versuche unternimmt, diese aufzubrechen. Einzelne Merkmale und Strukturen der Songs wirken bereits bekannt und erinnern an den Metalcore der 2000er Jahre, was Fans sicherlich Freude bereiten wird, den Wunsch nach Innovation oder neuen Ansätzen allerdings nicht gänzlich befriedigt. Zusätzlich wirkt der Gesang in cleanen oder gesprochenen Passagen häufig etwas monoton. Mit „Visions“ gelingt der Band allerdings ein wirklicher Knaller, der ins Ohr geht und sowohl live als auch auf Platte puren Spaß bereitet. Zusätzlich ist die Neuauflage von „Supernova“ im modernen und tighteren Gewand hervorzuheben. Dead Phoenix zeigen auf ihrem ersten Album ihr definitiv vorhandenes Potenzial. Man kann also gespannt sein, wie sich die selbsternannte Boyband in Zukunft noch weiterentwickeln wird.

Reflections
Album
VÖ
cd
▶Tracklist 10 Songs
- 1COLOURBLIND (LEARN TO LIVE AGAIN)
- 2HATE
- 3OCEAN FLOOR
- 4SOAKED IN BLACK
- 5DIMENSIONS
- 6VISIONS
- 7SLEEPWALKING (FEED THESE LIES)
- 8SUPERNOVA 2020
- 9WE ARE ONE
- 10OUROBOROS