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Napoleon - Epiphany
Review

Napoleon

Epiphany

Album

VÖ 02. November 2018
Rodney Fuchs/3. November 2018
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R

Rodney ist unser wandelndes Musiklexikon. Als Drummer in seinen eigenen Bands sowie aushilfsweise dort, wo gerade Not am Manne ist, hat er zudem ein ausgeprägtes rhythmisches Verständnis. Apropos Rhythmus: Es ist uns schier unbegreiflich, wie er seine Tätigkeiten als Musiker, Booker, Redakteur und Photograph für drei Magazine, freier Journalist, Masterstudent, Food-Blogger, Wein-Connaisseur, Bowle-Barista, Freund und Liebhaber in seinem Tagesablauf untergebracht bekommt. Apropos Wein: Ein Best-of Rodneys wochenendlicher Sprachnachrichten ist zwar nicht geplant, aber auch nicht unwahrscheinlich.


Napoleon sind wahre Senkrechtstarter und haben in den letzten Jahren mächtig Lärm in ganz Europa gemacht. Mit gerade einmal einer EP und einem Album haben sich die Briten in der Szene etabliert und sich eine große Fanbase aufgebaut. Nach „Newborn Mind“ veröffentlichen Napoleon nun ihr sophomores Album „Epiphany“. Übersetzt handelt es sich bei einer „Epiphanie“ um das Erscheinen einer Gottheit unter den Menschen. Wenn dies die Wirkung ist, die „Epiphany“ beim Rezipienten aber erwirken soll, muss ich euch jetzt schon bitter enttäuschen!

Napoleon kommen von Anfang an ins Straucheln…

Fangen wir direkt damit an was an „Epiphany“ problematisch ist. Als „Fan der ersten Stunde“ bin ich mit der Musik Napoleon schon lange vertraut. Insbesondere die erste EP überzeugte mit innovativem Metalcore, progressiven Windungen und verdammt viel Power im Songwriting der Briten. „Brought Here To Suffer“ gehört wohl zu den besten Metalcoresongs der letzten zehn Jahre und das ändert auch „Epiphany“ nicht. Jedoch muss ich sagen, dass die erste Version des Songs (nicht die Albumversion auf „Newborn Mind“) viel besser und authentischer produziert ist. Möglicherweise liegt das aber auch einfach am ehemaligen Sänger der Band, der es verstand sein Herz in die Shouts zu legen. Wo wir zum ersten Problem kommen, das auch schon auf „Newborn Mind“ vorherrschte. Die Produktion.

Insbesondere die Vocals sind in einem monotonen Dynamikbereich zu finden. Es gibt eigentlich nur lautes Geschrei und eben den Gesang. Dabei ist das Geschrei leider einfach nur laut und wirkt gezwungen, während jegliche Form von Emotionalität, Gefühl oder Passion irgendwie in der Produktion flöten geht.

Napoleon haben den musikalischen Drive einer Melodic Hardcore Band, die Gitarrenvirtuosität einer Progressive Metal Band, aber leider auch den Sound einer glattgebügelten Post Hardcore Formation und lassen somit den größten Aspekt des Hardcore für mich missen: die Authentizität.

Klar, irgendwie steckt hinter der Musik ja immer Herz, im Optimalfall zumindest. Aber die Produktion von „Epiphany“ ist leider so lupenrein gebügelt, dass der angesprochene Hardcore Drive bei weitem nicht so überzeugend ist, wie er sein könnte. Stattdessen klingt hier jede Note sauber nach ihrer Tonlänge aus. Produktionsschwächen? Gibt es nicht. Alles scheint perfekt und ist dabei, zugegebenerweise, absolut on point.

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Als Beispiel eignet sich die Single „Ignite“, die so glattgebügelt ist, dass es schwer fällt diesen Song überhaupt zu genießen. Nachhall gibt es nicht, stattdessen sind alle Gitarren hard gepanned und werden gekappt, sobald eine Pause einsetzt. Zugegeben, der Chorus hat eine eingängige Melodie und auch das repetitiv eingesetzte Opening Riff ist catchy und groovy. Der clean Part klingt leider dermaßen gelangweilt und ist mit den monotonen Shouts hinterlegt, sodass ich beim Hören schon jetzt keinen Bock mehr habe weitere Lieder abzuchecken. Über jeden Vocaleffekt, der nicht geshoutet ist, sind etliche Layer gelegt, die den Gesang leider absolut trocken, nervig und unauthentisch erscheinen lassen. Schade, so wird dieser Song seiner Eingängigkeit und Funktion gänzlich beraubt.

Doch haben Napoleon ein weiteres Problem, sie haben nur einen Gitarristen. Und das wird insbesondere dann kritisch, wenn zwei Gitarrenparts gleichzeitig spielen. Klar, live kann man das mit Backingtracks machen und auf der Platte ist das erstmal gar kein Problem. Aber dadurch wird die gewünschte Authentizität erneut eingeschnürt und deutet darauf, dass es der Band gar nicht darum geht authentisch zu sein.

An vielen Stellen klingen Napoleon noch immer wie eine etwas Hardcore lastigere Version von Intervals. Eine ähnliche musikalische Ästhetik, ein ähnlicher Sound und eine ähnliche Virtuosität. Musik die zwar technisch anspruchsvoll, aber dennoch mit Spielfreude geziert ist. Denn tatsächlich klingen die vielen Gitarrenläufe in der Musik von Napoleon, zusammen mit den treibenden Drums, nach Spaß. Wenn auch sich dahinter offensichtlich beinahe Finger-brechende Läufe verstecken, macht es Spaß den Melodien von „Epiphany“ zu lauschen. Einer der Gründe dafür ist mit Sicherheit die omnipräsent vorherrschende Dur-Harmonik, die den Songs einen sehr upliftenden Vibe verschreibt. Aber auch die Grooves, die auf „Epiphany“ en masse zu finden sind, erzielen diesen Effekt.

Es gibt sie, die Momente in denen Napoleon wirklich noch frischen Wind verstreuen und einfach Spaß machen. Jedoch ist es die Produktion, die mir neben den Vocals einen Strich durch die Rechnung macht. Ferner wirken die Songs auf „Epiphany“ alle aus einem Guss geschmiedet, was für die inhaltliche Kohärenz dienlich ist, aber etwas Abwechslung vermissen lässt. Denn jeder Song besteht im Grunde genommen aus Hardcore Beats, virtuos angehauchten Gitarrenläufen, einem wieder auftauchenden Refrain und kleinen Cleanpart Spielereien. Insbesondere diese Spielereien, die hin und wieder in Details auftauchen, sind es, die die Musik von Napoleon spannend hält, bevor sie in formularhafter Manier versinkt. So ist beispielsweise der kurze Cleanpart vor Ende von „Decay to Create“ einer der Momente, der überraschend kommt. Wieder jedoch klingt die Gitarrenmelodie im Refrain des Liedes dermaßen nach MIDI, dass es schwer fällt zu sagen, ob die Band diesen Part wirklich eingespielt hat. Falls dem so ist, wurde er jedenfalls zu Tode editiert und gemixt.

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Eine Überraschung hat „Epiphany“ jedoch tatsächlich zu bieten, auch wenn sich die Band dafür bis zum Schluss Zeit gelassen hat. „Dream Sequence“ nämlich kitzelt ein kleines bisschen organischen Sound heraus. So sind es tatsächlich echte Streicher die das Ende des Songs zu einem wahren Highlight streichen. Wirklich passen tun die Streicher nicht, runden das Album aber auf eine sehr ironische Art und Weise ab, sodass ich nun wirklich nicht mehr verstehe, warum man sich hier nicht einfach für VSTs entschieden hat, die wahrscheinlich stimmiger in den Mix gepasst hätten. So sind Napoleon mit diesem Move eine Persiflage ihrer selbst und lassen grübeln, lachen oder bitterlich verzweifeln.

„Epiphany“ ist ein solides Album, das einige Schwächen aufweist und irgendwie all das worauf man hätte hoffen können verwirft und eine eher pessimistische Erwartung unterstreicht. Apropos Dynamik. Das Schlagzeug arbeitet leider auch nicht sonderlich damit, klingt definitiv programmiert und unterstützt den digitalen Sound, der mit Sicherheit so gewollt ist, kräftig. Mir ist unklar, warum Napoleon sich für einen solchen Sound entschieden haben, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass einige die klare und transparente Produktion mögen könnten. Doch auch das Songwriting von „Epiphany“ ist längst nicht mehr so spannend, oder gar innovativ wie zu Zeiten von „Brought Here To Suffer“. Ich hasse es das sagen zu müssen, aber früher war eben doch alles besser, zumindest aus meinem Blickpunkt auf die Band Napoleon.

Wertung: 5/10

Band: Napoleon

Album: Epiphany

Veröffentlichung: 02.11.2018

Napoleon - Epiphany

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Epiphany

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VÖ 02. November 2018

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