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Misery Signals - Ultraviolet
ReviewMetalcore

Misery Signals

Ultraviolet

Album

VÖ 07. August 2020Basick Recordscd
Rodney Fuchs/6. August 2020
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R

Rodney ist unser wandelndes Musiklexikon. Als Drummer in seinen eigenen Bands sowie aushilfsweise dort, wo gerade Not am Manne ist, hat er zudem ein ausgeprägtes rhythmisches Verständnis. Apropos Rhythmus: Es ist uns schier unbegreiflich, wie er seine Tätigkeiten als Musiker, Booker, Redakteur und Photograph für drei Magazine, freier Journalist, Masterstudent, Food-Blogger, Wein-Connaisseur, Bowle-Barista, Freund und Liebhaber in seinem Tagesablauf untergebracht bekommt. Apropos Wein: Ein Best-of Rodneys wochenendlicher Sprachnachrichten ist zwar nicht geplant, aber auch nicht unwahrscheinlich.


Eine Band wie Misery Signals ist aus der Metalcore-Szene nicht wegzudenken. 2008 hatte die Band bereits drei starke Alben veröffentlicht, ließ sich dann aber sechs Jahre mit dem vierten Album Zeit. Weitere sieben Jahre später erst folgt nun das fünfte Album der Band, die durch die mangelnde Konstanz ihrer Veröffentlichungen etwas den Sprung verpasst hat, im Metalcore-Olymp genannt zu werden.

Nun sind Misery Signals zurück in ihrer Originalbesetzung und veröffentlichen in dieser exakten Konstellation das erste Album seit 16 Jahren! Kein Wunder, dass „Ultraviolet“ viel nostalgischer klingt, als die Alben, auf denen noch Karl Schuhbach als Sänger tätig war.

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Typisch Misery Signals

„The Tempest“ ist der perfekte erste Song für ein Album wie „Ultraviolet“. Misery Signals benötigen nicht viel Zeit und kickstarten ihr neues Album mit jeder Menge Energie und einem spürbaren Hardcore-Unterton und ihrem gewohnten Metalcore-Sound. Man könnte versuchen, Parallelen zu August Burns Red oder Counterparts zu ziehen, doch wäre es realistischer, dies in umgekehrter Richtung zu tun. Denn Misery Signals haben bereits Anfang 2000 die Metalcore-Szene aufgemischt und mit ihrem progressiven Ansatz revolutioniert. Kein Wunder, dass August Burns Red die Band (neben vielen anderen) als wichtigen Einfluss bezeichnet.

Auch 2020 beherrschen die Kanadier ihr Songwriting mit einem gewissen Frischekick. Bereits nach kurzer Zeit ist unüberhörbar, dass es sich bei dieser Band ganz klar um Misery Signals handeln muss. So gefestigt hat die Band ihren Sound über die letzten 20 Jahre, in denen sie die größte Zeit pausierten. Genau das ist auch ein Problem das mit „Ultraviolet“ einhergeht. Es scheint ein wenig, als hätten Misery Signals die Chance verspielt, zu einer wirklichen Szenegröße zu werden.

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Für Fans und Nostalgiker sind sie das zweifelslos, doch der Erfolg einer Band wie August Burns Red steht weit über der Popularität von Misery Signals, was nicht zuletzt an konstanterem Output und Touren liegen mag. So haben Misery Signals ganze sieben Jahre vor „Ultraviolet“ ihr letztes Album „Absent Light“ veröffentlicht.

In der Zwischenzeit haben Bands wie Erra und Volumes die Sparte des Progressive Metalcore mehr und mehr etabliert, weshalb auch Misery Signals nicht mehr so progressiv erscheinen, wie sie es vor zehn Jahren gewesen wären.

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Komplexität

„Ultraviolet“ ist dennoch um die Ecke gedacht, strukturell stark geschrieben und bietet eine ganze Bandbreite an interessanten Wendungen. „Sunlifter“ beispielsweise umspielt mit treibenden Hardcore-Up-Beats die melodischen Passagen, die durch den Cleangesang an Wiedererkennbarkeit gewinnen. Einen harten Breakdown gibt es bei „Sunlifter“ ebenfalls auf die Ohren gedrückt.

Im Gegensatz steht mit „River King“ direkt ein viel ruhigerer Song an nächster Stelle. Mit einem Vibe, den August Burns Red mit „Carpe Diem“ ähnlich gut aufgegriffen haben, strukturiert sich der Track auf einem 7/8 Takt mit wunderschöner Bassline, cleanen Gitarren und dezentem Schlagzeug bevor der erste Break in all seiner Brachialität und einschlagenden Melancholie einschlägt.

Die vertrackten Übergänge, die Misery Signals zwischen ihren Parts mit gekonntem Riffing ausmalen, sorgen für einen begeisternden Flow. Dieser Flow sorgt dafür, dass die Songs, trotz ihrer ungeraden Taktungen, unfassbar authentisch und lebendig wirken, ohne dabei zu kantig zu erscheinen.

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Ein weiteres Highlight und ein wahrer Vorzeigetrack für modernen Metalcore ist „Old Ghosts“. Mit jeder Menge Groove und bouncy Riffings gelingt es Misery Signals einen Track zu liefern, der noch ein Ticken eingängiger ist als die meisten anderen auf „Ultraviolet“. Der harmonische Background und die damit einhergehenden Melodien sorgen für eine unfassbar Runde Struktur, die hin und wieder an Apostate erinnert. Dieser Vibe bleibt auch im bedrückenden „The Fall“ erhalten.

Jede Menge Abwechslung

Ein Album zu schreiben, das nicht langweilig klingt, schaffen nur wenige Metalcore-Bands. Misery Signals sind eine dieser Kombos. Anstatt sich durchweg zu wiederholen, meistern sie es, ein durchweg abwechslungsreiches Album zu liefern, das dennoch wie aus einem Guss klingt.

„Redemption Key“ fungiert als atmosphärisches Interlude für „Cascade Locks“, welches aufgrund seiner harmonischen Ausführung ebenfalls ein wahres Highlight ist. Langsam baut sich die Stimmung des Tracks auf, der dann mit den typisch, melodischen Gitarren zu einer weiteren Metalcore-Granate wird, die durch den Melodic Hardcore Vibe und den technischen Aspekt unfassbar viel Hörfreude mit sich bringt. Zusammen mit den Gitarren bringen Misery Signals und insbesondere Sänger Jesse jede Menge Emotion in den Track.

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Foto: Misery Signals / Offizielles Pressebild

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Fazit

9/10
· Hervorragend

Misery Signals beweisen mit „Ultraviolet“ erneut, dass sie eine der aufregendsten Metalcore-Bands sind. Wer Genre-Fan ist und der Band bisher noch nie über den Weg gestolpert ist, hat nun fünf ganze Alben, die es nachzuholen gilt. Melodisches Gitarrenriffing, fette Breaks, eingängige Refrains und vertrackte Übergänge dominieren das Klangbild dieses Albums. Die Tatsache, dass Misery Signals dieses Album in ihrer Gründungsformation mit Sänger Jesse Zaraska geschrieben haben, lässt die Nostalgie enorm hochleben. Auch wenn Metalcore 2020 scheinbar outdated scheint, wirkt „Ultraviolet“ überraschend frisch und resümiert die Inventionen, die das Genre in den letzten 18 Jahren durchlebt hat. Und das alles, ohne auf Klischees herumzureiten, oder wieder und wieder dasselbe Schema vorzuleben. Tracks wie „Cascade Locks“, „River King“ und „Old Ghosts“ sind wie gemacht für die kommende Festivalsaison und machen jede Menge Spaß. Kurz und knapp liefern Misery Signals mit „Ultraviolet“ das meiner Meinung nach vielleicht beste Metalcore-Album, dass wir 2020 zu hören bekommen. Respekt!

Misery Signals - Ultraviolet

Misery Signals

Ultraviolet

Album

VÖ 07. August 2020

cd

Basick Records

▶Tracklist 9 Songs
  1. 1The Tempest
  2. 2Sunlifter
  3. 3River King
  4. 4Through Vales Of Blue Fire
  5. 5Old Ghosts
  6. 6The Fall
  7. 7Redemption Key
  8. 8Cascade Locks
  9. 9Some Dreams
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Misery Signals·Metalcore

Älteres ReviewCory Marks - Who I Am
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Misery Signals
Foto: Quinten Quist

Misery Signals

USASeit 2002

Beitragsfoto im Auftrag von MoreCore: Quinten Quist

15 Artikel auf MoreCore

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