
Mauritz Hagemann
Eine Band, bei der die Bandmitglieder ihre wahren Identitäten verschleiern? Und dann kommt diese Band auch noch aus dem Vereinigten Königreich? Wenn diese Band dann noch eine Mischung aus harten Riffs und fast schon R ’n‘ B-artigen Passagen spielt, dann kann doch nur Sleep Token gemeint sein oder? Nicht ganz – denn seit dem vergangenen Jahr gibt es mit President eine weitere Band von jenseits des Ärmelkanals, auf die die oben genannten Aspekte (unter anderem) zutreffen. Achso, eine weitere Gemeinsamkeit gibt es noch: Der Hype um die Band ist vor allem in der britischen Heimat riesig. Doch auch auf dem europäischen Festland haben President schon eine nicht unerhebliche Fanbase aufgebaut. Nicht umsonst sind die Shows der Tour im kommenden Jahr allesamt ausverkauft. Jetzt ist mit „King of Terrors“ die erste EP der Band erschienen. Wir haben einmal genauer reingehört.
President: The hype is real
Die ersten vier Songs der EP sind bereits im Laufe der letzten Monate als Singles veröffentlich worden. Neben einer ausgefeilten Medienstrategie sind sie sicher ein Grund für den immer stärker werdenden Hype um President. Schon der Opener „In the Name of the Father“ zeigt sich, was die Band musikalisch ausmacht. Eine starke Produktion, reichlich Dynamik und jede Menge Ohrwurm-Potential. Mit deutlich unter vier Minuten Länge übertreiben es President in Sachen Progressivität sicher nicht; ein gelungenes Songwriting kann man der Band aber ohne Weiteres attestieren. Dies gilt ebenso für den zweiten Song „Fearless“. Im Aufbau sind beide Songs durchaus ähnlich. Wuchtige Refrains, fast schon zerbrechliche Strophen und dazu eine Stimme, die ebenso facettenreich ist. Wir wollen uns an dieser Stelle überhaupt an den Spekulationen um die Identität hinter Frontman The President beteiligen. Klar ist aber, dass es sich um einen überaus vielseitigen Sänger handeln muss.
Viele elektronische Klänge und ein moderner Rocksound
Bei allen Ähnlichkeiten zu Sleep Token zeigt sich im Verlauf der Platte aber auch, dass President musikalisch einen etwas anderen Weg gehen. Eint die Bands doch die Offenheit für das Miteinander verschiedener Musikstile, so geht es bei President insgesamt doch eine ganze Spur elektronischer und rockiger zur Sache. „RAGE“ ist dabei an machen Stellen sogar etwas langatmig, kann aber letztlich vor allem im Refrain und das massive Finale ebenso überzeugen wie die ersten Songs der Platte. In „Destroy Me“ geht es im Finale ebenso heftig zur Sache, wenngleich sich der nicht einmal drei Minuten lange Song gerade zu Beginn doch sehr nach einer angenehm seichten Alternative-Nummer anhört.
Das Debütalbum darf noch facettenreicher werden
President nehmen es auf „King of Terrors“ schon mit einer ganzen Menge verschiedener Musikstile auf. Im Jahr 2025 sicher keine ganz schlechte Entscheidung. Dabei geht es insgesamt – das zeigen auch die beiden neuen Songs „Dionysus“ und „Conclave“ sehr schnell – nur selten wirklich hart zur Sache. Wenn die Metal-Riffs rausgeholt werden, dann auch richtig. Aber sie prägen die Songs nur selten. Dafür stehen neben der abwechslungsreichen Stimme die elektronischen Elemente deutlich mehr im Vordergrund.
Für das Debüt-Album, an dem sicher schon fleißig gearbeitet wird, könnten sich President gerade in Sachen Songstruktur und Songwriting noch etwas facettenreicher zeigen. Doch „King of Terrors“ ist alles in allem schon ein sehr spannender Vorgeschmack. Dabei ist der bei der Band überaus wichtige Aspekt der Live-Shows noch gar nicht berücksichtigt. Denn erst hier entfaltet die Band, die dem Namen entsprechend ihre Shows aufbaut wie eine politische Rally, ihr ganzes Potential. Wer die Chance hat, sollte sie auf jeden Fall nutzen. Auch wenn das Konzept der von PR-Strategen geschickt in Szene gesetzten anonymen Bands sicher nicht noch viel öfter funktionieren wird.
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Foto: Joshua Halling / Offizielles Pressebild
Fazit
Man kann den von einer großen PR-Strategie begleiteten Hype um President sicher kritisch sehen. Man kann sich auch die Frage stellen, wieviel Aufmerksamkeit die Band ohne das Gesamtkonzept bekäme. Ganz sicher deutlich weniger. Aber zum einen gehört das Erscheinungsbild auch zur Kunst. Und zum anderen machen President ihre Sache auf „King of Terrors“ auch musikalisch richtig gut. Ein moderner und abwechslungsreicher Rocksound und jede Menge Ohrwürmer sind jedenfalls ein starkes Ergebnis des Erstlings.

King Of Terrors (EP)
EP
VÖ
digital · cd · vinyl
▶Tracklist 6 Songs
- 1In The Name Of The Father
- 2Fearless
- 3RAGE
- 4Destroy Me
- 5Dionysus
- 6Conclave