Damals noch für den eigenen Musikblog geschrieben, entschied sich Maik 2015 bei MoreCore anzuheuern und nahm unseren Jonas gleich mit. Mittlerweile kümmert er sich als Redakteur um den Bereich "Features und Interviews", legt auf unseren MoreCore Partys auf, betreibt mit Linn unseren Podcast "Kerngeschäft" und ist auch immer mal wieder vor der Kamera bei MCTV zu sehen. Im Team gilt er insgeheim als das sympathische Multitalent. In seiner Freizeit sammelt er Schallplatten, schaut so ziemlich jedes Fußballspiel und isst für sein Leben gerne Pizza.
Es ist schon irgendwie bezeichnend, wenn selbst die optimistischsten Leute so langsam aber sicher die Hoffnung verlieren. Seit jeher ist Pop-Punk ein Genre, das vor allem für eine gewisse Positivität steht, aber natürlich auch einen Hang zum Kitsch und Herzschmerz hat. Auch Knuckle Puck gehörten bislang zu den Vertretern, die eher für euphorische, hoffnungsvolle Texte standen und sich durch nichts unterkriegen lassen konnten. Auf „Losing What We Love“ findet dies nun seinen Kipppunkt und zeigt eine Band, die nicht nur ehrlicher denn je, sondern auch unfassbar catchy und vielseitig daherkommt.
Knuckle Puck: Einer der Songs des Jahres?
Obwohl grundlegend im Pop-Punk angesiedelt, wird es Knuckle Puck gar nicht so gerecht, wenn man sie nur auf dieses beschränken würde. Auch auf Album Nummer 4 unterstreicht das Quintett aus Chicago, Illinois sein Gespür für ein abwechslungsreiches Songwriting, das sowohl Easycore- als auch Emo-Fans ins Schwärmen bringt. „A New Beginning“ ist zwar ein solider Opener, doch schon mit „The Tower“ werfen Knuckle Puck einen heißen Anwärter für einen der besten Pop-Punk-Songs des Jahres in den Ring. Spätestens wenn Sänger Joe Taylor im Chorus voller Inbrunst „Face the unknown, a future with no throne. Gonna take my time, have a change of mind. Learn to let go just to regrow!“ gröhlt, kann man nur erahnen, wie es hier während einer Club-Show zugehen muss.
Ohnehin hat man das Gefühl, das viele Songs mit dem Live-Publikum im Hinterkopf geschrieben wurden und so noch eine Prise mehr Power versprühen. Dass sehr viel mehr Zeit mit Songwriting im Studio verbracht wurde, spielt hier sicherlich mit hinein.
Abwechslungsreich zwischen Pop-Punk, Easycore und Emo
Was man dem Genre gerne mal ankreidet, nämlich eine gewisse Beliebigkeit und Austauschbarkeit – vor allem auf Albumlänge – dem wirken Knuckle Puck auf „Losing What We Love“ spielerisch entgegen. Mal nehmen sie das Tempo etwas raus, wie in „October“, oder lassen auch sehr viel mehr Raum für melancholische Momente, wie im Titeltrack, bevor „Groundhog Day“ mit seinen ersten Zeilen „We’re just getting started and the end is nowhere in sight“ nicht nur als erste Single ein Statement setzt, sondern auch im Zentrum der Platte einen gut gesetzten Moment erhält und sowieso auch einer der stärksten Songs der Platte ist.
Mit „Act Accordingly“ legen die US-Amerikaner dann aber nochmal eine ganze Ecke an Härte zu. Gerade Drummer John Siorek, der ohnehin einen sehr guten Job macht, glänzt hier aber besonders und gibt dem Song durch sein abwechslungsreiches Schlagzeugspiel das gewisse Etwas, während „Out Of Touch“ und „Worlds Apart“ wieder etwas Power rausnehmen, sich dafür aber nicht weniger als Hymnen anbieten.
Mit „Better Late“ legt man sich dann eigentlich einen perfekten Abschluss zurecht, der mit einem melancholischen Sing-A-Long endet. Allerdings wirft man mit „Fool“ noch eine Ballade hinterher, die zwar eine weitere spannende Seite der Band zeigt und absolut zur Herbststimmung passt, allerdings an dieser Stelle des Albums nicht so recht wirkt.
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Sei es drum: „Losing What We Love“ ist eine echte Ansage an alle, die – aus welchen Gründen auch immer – Knuckle Puck noch nicht ihr Ohr geschenkt haben. Eine vielseitige, sehr ehrliche Platte, die die Band in Bestform zeigt und dabei zwar vergleichsweise düster klingt, aber eingefleischte Fans definitiv nicht abschrecken sollte. Dass Blink-182 ihr neues Album nun am selben Tag veröffentlichen, könnte ein gewisses Ärgernis sein, doch Knuckle Puck brauchen sich hier sicherlich nicht verstecken und verdienen auf jeden Fall eure Aufmerksamkeit.
Foto: Andy Eclov / Offizielles Pressebild
Fazit
Wer hätte das gedacht? Auf Album Nummer 4 setzen Knuckle Puck ein starkes Ausrufezeichen und begeistern in den allermeisten Momenten durch catchy Refrains, liefern aber auch viel mehr als das. Eine sehr gute Platte für alle, die den Beweis brauchen, dass Pop-Punk gar nicht so eindimensional sein muss, wie viele denken!

▶Tracklist 11 Songs
- 1A New Beginning
- 2The Tower
- 3October
- 4You & I
- 5Losing What We Love
- 6Groundhog Day
- 7Act Accordingly
- 8Out Of Touch
- 9Worlds Apart
- 10Better Late
- 11Fool

