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Jimmy Eat World - Surviving
ReviewAlternativeRock

Jimmy Eat World

Surviving

Album

VÖ 18. Oktober 2019Exotic Location Recordingscd · vinyl
Kevin Postir/15. Oktober 2019
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K

Kevin als das MoreCore-Nordlicht zu bezeichnen, würde wahrlich zu kurz greifen. Zwar ist der leidenschaftliche St.Pauli-Fan in Hamburg zuhause, hat aber unverkennbar sowohl rheinländische als auch italienische Wurzeln. Genau so vielfältig wie sein Stammbaum sind auch seine Aufgaben bei MoreCore. Teil des Headquarters, Feel Good Manager und Redakteur auf allen Ebenen. Wie man daneben noch Zeit für Langstreckenläufe und den Viersaiter in einer Pop Punk-Band findet, weiß wohl nur Kevin selbst. Aber egal, was er macht: Er macht es gut und mit ganz viel Herzblut.


Nachdem ihr letztes Album „Integrity Blues“ vor drei Jahren veröffentlicht wurde, bescheren uns Jimmy Eat World in wenigen Tagen mit „Surviving“ ein neues Werk. Die Band um Frontmann und Songwriter Jim Adkins liefert damit, nach eigenen Angaben, ihr persönlichstes und anspruchsvollstes Album, in dem es um die Dinge geht, die Menschen im Leben wichtig sind und darum, was auch Adkins ganz persönlich im Leben wichtig ist.

Auf „Surviving“ werden aus musikalischer Sicht ganz unterschiedliche Strukturen und Strömungen verarbeitet. So beginnt das Album mit dem Titeltrack, baut sich langsam auf und wirkt durch die Klangfarben und die eher crunchigen Gitarren nicht so melancholisch, wie es der ein oder andere von der Band gewohnt sein könnte. Zusätzlich wirkt der generelle Sound schlüssig und bietet sofort einen gelungenen Einstieg in das Album.

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In „Criminal Energy“ verändert sich der Sound ein Stück weit in eine Richtung, die mehr an Stoner-Rock erinnert. Auch hier fällt die Schlüssigkeit der einzelnen Parts auf, die dafür sorgt, dass das Stück einen gelungen Fluss besitzt. Hinzu kommt ein sehr gradliniger Klang, wenig verspielt und auf das Wesentliche reduziert. Diese Gradlinigkeit wird auch in „Delivery“ deutlich. Besonders das Schlagzeug überzeugt durch ein eher zurückhaltendes Spiel, das allerdings in den richtigen Augenblicken die nötigen Akzente setzt. Generell lässt der Song Erinnerungen an vergangene Alben zu, ist träumerischer als die vorherigen Stücke und wird live definitiv dazu einladen, die Feuerzeuge auszupacken.

Den Hinweis, dass Jimmy Eat World ihre vergangenen Ansätze nicht vergessen haben, bekommen wir auch in „One Mil“ zu spüren. Der Song beginnt mit einer akustischen Gitarre, die zu einem Break führt, der den Song dann in einem etwas breiteren Rocksound im Mid-Tempo aufgehen lässt. Man kann diesen Song durch seine Unbeschwertheit und den Gesamtklang in die Richtung des College-Punk einordnen, so auch „Diamond“, der in eine ähnliche Kerbe schlägt, allerdings das erste Mal auf diesem Album mit unterschiedlichen Tonlagen spielt und somit ein weiteres Element auf der Platte etabliert.

Wenn man sich die Songtitel auf „Surviving“ so durchliest, könnte der ein oder andere eingefleischte Fan an achter Stelle vielleicht etwas verwundert sein. Dort ist nämlich „Love Never“ aufgelistet. Ein Song, der bereits im vergangenen Jahr als eine limitierte Vinyl-Only-Version veröffentlicht wurde. Dieser Song wurde noch einmal neu aufgenommen und behandelt die unterschiedlichen Erwartungen an Liebe im Vergleich zu den tatsächlichen Ergebnissen. Mit der ersten Zeile „Love ain’t never been your friend“ schlägt die Band dabei sowohl textlich als auch musikalisch einen etwas düstereren Ton an.

„Love Never“ bietet in etwas mehr als drei Minuten einen wirklich gelungenen Rocksong, der nach mehrmaligem Hören des Albums am meisten im Ohr geblieben ist und definitiv Nachhaltigkeit besitzt. Und dann gibt es sie doch, die Experimentierfreude, das Neue, was man bisher auf „Surviving“ vermisst hatte.

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„Congratulations“ ist der mit Abstand längste Track auf dem Album und kann ganze 6 Minuten verbuchen. Er beginnt ruhig, baut sich langsam auf und stellt einen anderen Sound im Vergleich zum Bisherigen dar. Die dröhnenden Schlagezugklänge wirken ein Stück weit bedrohlich und treiben den Song voran. Der reine Verlauf des Liedes würde es auch möglich machen, ihn an den Beginn des Albums zu stellen, da er einen einleitenden Charakter besitzt. Das Intro hat etwas endgültiges und ist aufregend. Die Struktur von „Congratulations“ wirkt vielseitig und bietet die gewünschte Experimentierfreude, bei der man ein Stück weit an Bands, wie Biffy Clyro oder die Deftones denken muss. Das macht deutlich, dass sich Jimmy Eat World auch stilistisch weiterentwickelt haben und dies auch durch Diversität in ihren Songs manifestieren, ihre eigene Note dabei allerdings keineswegs verloren haben.

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Foto: Oliver Halfin / Offizielles Pressebild

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Fazit

7/10
· Gut

Allgemein ist zu sagen, dass „Surviving“ besonders durch seine Gradlinigkeit überzeugt. Die Songs wirken klar strukturiert und nicht überladen. Stilistisch erwartet den Hörer einen Mix aus Songs, die an vergangene Jimmy Eat World-Zeiten erinnern, modernen Rock-Nummern und einer Prise Experiment und Abweichung von der Norm. Die Bandbreite der Texte unterstützt dieses Bild zusätzlich. Im Vergleich zum Vorgängeralbum wirkt die Platte raffinierter, da sie mehr Facetten aufweist und somit die unterschiedlichen Gemüter ansprechen dürfte. Nach mehrmaligem Hören fällt allerdings auf, dass recht wenige Songs den Weg in den Kopf schaffen und daher auch eine gewisse Kurzlebigkeit besitzen. Das größte Potential hat da die vor einem Jahr veröffentlichte Single „Love Never“.

Jimmy Eat World - Surviving

Jimmy Eat World

Surviving

Album

VÖ 18. Oktober 2019

cd · vinyl

Exotic Location Recordings

▶Tracklist 10 Songs
  1. 1Surviving
  2. 2Criminal Energy
  3. 3Delivery
  4. 4555
  5. 5One Mil
  6. 6All The Way (Stay)
  7. 7Diamond
  8. 8Love Never
  9. 9Recommit
  10. 10Congratulations
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Foto: Oliver Halfin / Offizielles Pressebild

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