
Kathrin ist ein Chamäleon des alternativen Musikgeschmacks, mit einem Faible für alles, was außergewöhnlich ist. Nichts bleibt vor ihr sicher – und erst recht kein Nischengenre. Da überrascht es wohl nicht, dass sie als Allrounder das MoreCore-Team tatkräftig unterstützt. Wenn sie nicht gerade voller Inbrunst an neuen Alben- und Live-Reviews schreibt, sitzt sie entweder in einem spannenden Bandinterview, um uns auf dem neusten Stand zu halten, oder verfasst informative MoreCore-Beiträge für die Website. Möchte man das Herz unserer Münsteranerin (jetzt Kölnerin) im Sturm erobern, dann am besten mit Sci-Fi-Lektüre aus den 60ern, Star Wars - kein Star Trek! - oder Lebkuchen.
In den Jahren seit ihrer Gründung im Jahr 2013 bescherten uns Black Foxxes bereits zwei Alben. Mit neuer Besetzung an Schlagzeug und Bass steht nun Album Nummer 3 vor der Tür. „Black Foxxes“ betitelt das Trio ihr Werk und setzten damit ein beeindruckendes Statement.
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Mit dem zweiten Album haben Black Foxxes bereits entschieden, lieber auf einem Trampelpfad zu wandern, als die Hauptstraße des Mainstream zu beschreiten. Mit dem Ziel der Selbstverwirklichung verlassen sie nun auch diesen und schlagen sich ihren Weg in den immer tiefer werdenden Dschungel aus experimentellem Alternative Rock. Allen gängigen Konventionen trotzend, ziehen sie ihr Ding durch, nehmen sich dafür die Zeit, die sie brauchen und füllen darüber hinaus ihre (nur) neun Songs mit beachtlichen 50 Minuten.
Black Foxxes perfektionieren ihren Sound
Was das Zeitmanagement betrifft, fallen besonders Opener „I Am“, mit seinen kurzen 2:41 Minuten und Rausschmeißer „The Diving Bell“, der nur knapp die 10-Minuten-Marke verfehlt, aus der Reihe. Wenn man bedenkt, dass die erste Single „Badlands“ mit 8:26 Minuten auch schon ganz gut reinhaut und eigentlich das ganz Album von Ungewöhnlichkeiten geprägt ist, macht das letztendlich aber keinen besonderen Unterschied. Der außergewöhnliche Flow, der in diesem Album mitschwingt, beweist vielmehr, dass nicht die Länge, sondern Lyrik und musikalische Umsetzung ihrer Songs eine tragende Rolle spielen.
Beeindruckte Frontmann Mark Holley bereits auf den ersten zwei Alben mit gefühlvollen Gesang und tiefgängigen Texten, stellt er genau diese nun mit „Black Foxxes“ in den Schatten. Leidenschaftlich legt er noch eine Schippe oben drauf, denn der neuerdings gebotene Seelenstriptease entlarvt die emotionalen Entladungen im Vorläufer rückblickend nur noch als Kratzer an der Oberfläche.
Bekanntermaßen offen und wenig zurückhaltend gräbt Holley also diesmal richtig Tief in seiner Seele und lässt sich danach tröstend in seinen Songs fallen. Während er sich fragt „Why is this so hard?“ („Bandlands“) scheint er, anders als noch auf „I‘m Not Well“ und „Reiði“, seinen Gefühlen diesmal endgültig die Oberhand zu überlassen und bedient sich allerhand einfacher aber effektiver Stilmittel. Ob leise flüsternd („Drug Holiday“), brachial schreiend („I Am“), ruhig stöhnend („Swim“), wütend brüllend („My Skin Is“) oder eigentlich einfach alles irgendwie miteinander vermischt – was die drei bieten, wirkt einfach nur echt.
Gefühle musikalisch zu verpacken, scheinen die britische Band also schon mal perfektioniert zu haben. Getoppt wird das Ganze nur noch von den erstklassig aufeinander abgestimmten Instrumenten. Ob Kloß im Hals oder angestauter Gefühlsausbruch, alles ist dabei und spiegelt sich im Sound wieder. Vereinzelte Drums, tiefe Bässe, klare Gitarren – angefangen bei minimalistischer Ruhe bis hin zur chaotischen Eskalation finden sie immer den richtigen Ton.
Black Foxxes überschreiten eindrucksvoll Genregrenzen
Das ihnen das so gut gelingt liegt möglicherweise an der bemerkenswerten Soundlandschaft, die das Trio kreiert. Psychedelische Einschübe gepaart mit ausgewählten elektronischen Elementen und alternativem Rocksound gesellen sich zu Synthis und Leftfield-Einflüssen und spicken alles mit einem auffällig häufigem Gebrauch von Verzerrern. Für diejenigen, denen das noch nicht reicht, gibt es in „Pacific“ auch noch harmonische Trompeten und ein jazziges Saxophon-Solo in „The Diving Bell“ auf die Ohren.
Obgleich das Album insgesamt ruhig wirkt, mangelt es nicht an mitreißender Lautstärke und außergewöhnlicher Härte. Die einzigartige Stimmung, die Black Foxxes dadurch erschaffen, wäre wohl am ehesten mit Placebo oder den Pixies zu vergleichen, die Musik an sich hingegen nur bedingt. Holleys Stimme klingt weniger gequält als bspw. Brian Molko und auch ohne die häufig eingesetzten Delay-Effekte wie Reverbs oder Echos sehr abwechslungsreich.
Bleibt nur noch zu erwähnen, dass „Black Foxxes“ von einer einzigartigen Dramaturgie begleitet wird, deren Spannung den Songs im einzelnen und als Gesamtwerk eine einzigartige Stärke verleiht, von der man einfach nicht genug kriegen kann.
Foto: Black Foxxes / Offizielles Pressebild
Fazit
Black Foxxes haben das Verpacken ihrer Gefühlsachterbahn in einer einmaligen und abwechslungsreichen musikalischen Soundlandschaft perfektioniert. Lyrik, Stimme und Instrumente ergänzen sich auf eine beispiellose Weise, die Gänsehaut erzeugt. Abseits von Regeln und Konventionen durchbrechen sie Genregrenzen und kombinieren außergewöhnliche Sounds mit alternativer Rockmusik. Wem die Band zuvor noch kein Begriff war, sollte spätestens jetzt mal rein hören, die Jungs haben sich die großen Bühnen definitiv verdient.

▶Tracklist 9 Songs
- 1I Am
- 2Badlands
- 3Drug Holiday
- 4My Skin Is
- 5Panic
- 6Swim
- 7Jungle Skies
- 8Pacific
- 9The Diving Bell