
Markus Seibel
Hoffnungsvoller und positiver Hardcore, das belegt ihr letztes Album „Paper Skin“ von 2011 – auch nach über 14 Jahren Pause wirken Ritual immer noch taufrisch. Daran möchte „Songs For The Haunted“ nichts ändern – warum auch?
Schon das eröffnende „Head To Your Fist“ pendelt zwischen The Hope Conspiracy-Trainingsmontage und Modern Life Is War. Einige Schwerpunkte lassen sich im Folgenden dennoch ausmachen. Erstens: Ritual rücken Julian Laur de Manos‘s markante, durchdringende Stimme noch prominenter ins Rampenlicht.
Die Senkrechtstarter?
Gut für den Massenmarkt, ebnen die gefälligen Kompositionen sowie die perfekte Produktion doch den Weg zu hohen Chart-Positionen und großen Bühnen. Stahlherzen schlagen hingegen selten ernsthaft bis zum Hals – in der Regel nur, wenn die Band ihre metallischen (Hardcore-)Wurzeln ein wenig gefährlicher auf dem „Silver Lining“ positioniert oder sich für „In The Rain“ (viel zu kurz) aus dem Midtempo-Korsett freistrampelt.
Hier scheint eine tiefe kreative Verbundenheit dahinter zu stecken, wenn man bedenkt, wie viel hochwertiges Material Ritual in den letzten paar Jahren in verhältnismäßig langer Zeit angesammelt haben. Keine Frage – hier baut sich vielleicht eine der beliebtesten Bands für Genre-Festivals der nächsten Jahre auf.
Das Potential wächst in jeder Sekunde
Die Herren lassen hörbar alles hinter sich und sorgen mit groovigem Hardcore für deutlich mehr Dampf. Waren The Butcher Sisters die kleine Hardcore-Schwester, verkörpern Ritual den wütenden, lauten Hardcore-Bruder. Die Band tobt sich über dreizehn Tracks ordentlich aus. Julian’ Vocals haben den zu erwartenden Wiedererkennungswert. Aggressive, raue Growls heben – wie schon angesprochen – die stimmlichen Facetten des Sängers deutlich hervor.
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Vor allem „Perfect Pictures“ ist das Aushängeschild für den frischen Sound von Ritual. Die vordergründigen, beatlastigen Gitarrenriffs und der darüber fließende, melodische Crowlgesang halten die Spannung hoch, bevor sich alles mit voller Energie in einem satten Breakdown entlädt.
Die Ruhrpottler lassen mit „Songs For The Haunted“ nicht den geringsten Zweifel aufkommen, dass sie genau wissen, welche Knöpfe sie drücken, oder besser gesagt, welche Saiten sie aufziehen müssen. Blastbeats und Breakdowns schmettern einem angenehm um die Ohren. Dazu Chaos, Wut und enorme Spielfreude: Das macht Laune und schreit nach mehr.
Foto: Moritz Hagedorn / Offizielles Pressebild
Fazit
Ritual spielen sich mit ihrem neuen Longplayer komplett von der Vergangenheit frei. Jeder Song auf "Songs For The Haunted" ist ein kleiner, böser Teufel, der mit Freude die Moshpits herausfordern wird. Sie offenbart auch das Potential, sich von den großen Einflüssen zu emanzipieren, wenn die Jungs die bereits vorhandenen eigenen Ansätze noch weiter ausbauen. Wer Bock auf eine gute Portion Hardcore hat, der darf hier gerne zugreifen.

▶Tracklist 13 Songs
- 1Head To Your Fist
- 2There's Only Us
- 3The Silver Lining
- 4In the Rain
- 5Shadow of Doubt
- 6Perfect Pictures
- 7Sleeping Ghosts
- 8Violent Minds
- 9Trust
- 10For the Haunted
- 11Bones in the Gears
- 12Into the Light
- 13Final Hour