
Die junge Berlinerin ist buchstäblich in die Musikindustrie hineingeboren worden. Wenn sie nicht selbst mit verschiedensten Bands auf der Bühne steht, schreibt und interviewt sie mit Freude für uns als Redakteurin. Sie singt in Bands von Indiepop bis Rockabilly und spielt momentan Bass in einer Berliner Deathcoreband. Neben ihrer Ausbildung bei einem Indielabel geht sie normalerweise wöchentlich auf Konzerte und Festivals und möchte auch ihre Zukunft der Musikbranche verschreiben. So nahm sie vor einiger Zeit selbst das Zepter in die Hand und ist seitdem als Bookerin und Bandmanagerin tätig. Falls sie gerade nicht im Pit steht, findet man sie in der Hauptstadt vor und hinter der Bar oder am Adriatischen Meer als Reiseleiterin. Die kühle Blonde greift am Wochenende zum Gin Tonic und im Plattenregal nach Thornhill, Malevolence, Parkway Drive und Deez Nuts.
Mehr als ein Jahr nach ihrem letzten Album „Trauma“ kommt nun Nummer 3 von I Prevail: „Post Traumatic (Live/Deluxe)“ präsentiert die Freuden seines Vorgängers live.
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Bei Fearless Records erschienen, ist dies das erste Live-Album der 2013 gegründeten Band. Jedoch glänzt es mit weitaus mehr Specials als sein Studiovorgänger: „Einige Songs sind live im Proberaum aufgenommen, akustisch eingespielt oder gleich neu überarbeitet worden. Die namentliche Anspielung liegt dabei natürlich nahe und auch die Tracklist entspricht der von „Trauma“. Nur eben live und auf dem ganzen Globus. Unter anderem in London, Wien und auch bei Rock am Ring nahmen sie einzelne Songs auf und teilen diese jetzt mit uns.
2019 und Anfang 2020 tourten sie weltweit und konnten auch Erfolge wie die hiesigen Albumcharts und gleich zwei Grammy-Nominierungen für sich verzeichnen. All das mit und dank „Trauma“. Angemessen also, diesem Werk noch einmal die Ehre zu erweisen, neu das Licht der Welt erblicken zu dürfen.
I Prevail lassen das Live-Feeling wieder aufleben
Eröffnungssong beider Platten ist der absolute Banger „Bow Down“. Live aus Grand Rapids und sehr „nach vorn“ ist er ein würdiger Start in die Platte und stimmt auf die folgende Stunde ein. Die beiden Stimmen der Sänger harmonieren auch live und lassen mich solche Shows stark vermissen.
Im Gegensatz zu den meisten anderen sind „Let Me Be Sad“ und der Internethit „I Don’t Belong Here“ keine Konzert-Mitschnitte. Sie wurden dieses Jahr bei den Proben der Band aufgenommen und als kleines Extra dem Longplayer hinzugefügt. Als wäre das noch nicht genug, folgen nach Ablauf der „Trauma“ Tracklist weitere Kirschen auf dem Sahnehäubchen.
„Feel Something“, eine Kollaboration mit den EDM-Größen Illenium und Excision, bringt ganz neue Facetten der Band zum Vorschein. Elektronische Rasensprengerbeats mit I Prevail-Gesängen – auf jeden Fall mal was anderes. Der erste Drop, typisch für Illenium, mit chilligen Synthies. Drop Nummer 2 im Excision-Style mit Dubstep-Vibes. Nicht jedermanns Geschmack aber auf jeden Fall ein guter Schachzug, um die Zielgruppe zu erweitern.
Für eine zweite „DOA“-Version haben sie sich Joyner Lucas ins Boot geholt. Der Rapper übernimmt die erste Strophe und gibt so ebenfalls eine neue Genre-Note zum Album.
Die neu interpretierte „Hurricane“-Version lässt den „heavy“ Endpart missen, trotzdem eine schöne Neuinterpretation. „Everytime You Leave“ bekommt noch eine zweite Akustikversion mitgeliefert. Drei Songs sind also insgesamt doppelt auf dem Album mit 17 Tracks. Welche Versionen jeweils besser sind, muss natürlich jeder selbst für sich entscheiden.
Obwohl jede aneinandergereihte Aufnahme von einer anderen Show stammt, klingt der Live-Teil der Platte wie am Stück aufgenommen. Keine harten Cuts und abgeschnittenen Ansagen. Letztere sind generell nicht zu kurz gekommen.
Sie verstärken das Live-Gefühl nochmals und geben teils sehr emotionale Einblicke. Die Doppelfront der cleanen und harschen Vocals ergänzen sich live wie im Studio einfach perfekt und bilden ein starkes Alleinstellungsmerkmal der Band.
Foto im Auftrag von MoreCore.de: Sarah Soria-Galvarro
Fazit
Die erste „Live"-Platte von I Prevail ist eine neue Chance, das Erfolgsalbum der Band genießen zu können. Gerade in Corona-Zeiten ist es natürlich smart, ein Album mit Livesongs herauszubringen, in mir jedoch hat es lediglich den Wunsch geweckt, die Band endlich selbst live zu sehen. Die Platte glänzt mit tightem Spiel, ebenso wie mit Bonustracks und Neu-Interpretationen. Am Ende ist es aber trotzdem einfach das letzte Album, welches mit einigem Zusatzmaterial ergänzt wurde.

▶Tracklist 17 Songs
- 1Bow Down (Live from Grand Rapids 2019)
- 2Paranoid (Live from Rock am Ring 2019)
- 3Every Time You Leave (Live on SiriusXM 2020)
- 4Rise Above It (Live from Montreal 2019)
- 5Breaking Down (Live from Detroit 2019)
- 6DOA (Live from London 2019)
- 7Gasoline (Live from Download Australia 2019)
- 8Hurricane (Live from Vienna 2020)
- 9Let Me Be Sad (Live from Rehearsal 2020)
- 10Low (Live from Boston 2019)
- 11Goodbye (Live from Pittsburgh 2019)
- 12Deadweight (feat. Caleb Shomo) (Live from Fayetteville 2019)
- 13I Don't Belong Here (Live from Rehearsal 2020)
- 14Feel Something (feat. Illenium, Excision)
- 15DOA (feat. Joyner Lucas)
- 16Hurricane (Reimagined)
- 17EveryTime You Leave (feat. Delaney Jane) (Live Acoustic)


