
Rodney ist unser wandelndes Musiklexikon. Als Drummer in seinen eigenen Bands sowie aushilfsweise dort, wo gerade Not am Manne ist, hat er zudem ein ausgeprägtes rhythmisches Verständnis. Apropos Rhythmus: Es ist uns schier unbegreiflich, wie er seine Tätigkeiten als Musiker, Booker, Redakteur und Photograph für drei Magazine, freier Journalist, Masterstudent, Food-Blogger, Wein-Connaisseur, Bowle-Barista, Freund und Liebhaber in seinem Tagesablauf untergebracht bekommt. Apropos Wein: Ein Best-of Rodneys wochenendlicher Sprachnachrichten ist zwar nicht geplant, aber auch nicht unwahrscheinlich.
Junge Menschen leben schnell. Getreu dem Motto „Live Fast, Die Young“ entspringen die norwegischen Punker LÜT einer unfassbar ungestümen Energie, die sich auch im Sound der Band widerspiegelt. „Mersmak“, das zweite Album der Band, fängt diese Energie auf und verpackt sie in energiegeladene Tracks, die nicht nur musikalisch eine spannende Sprache sprechen und somit in mehrere Kategorien einzuordnen sind.
Punk-Rock?
Der titelgebende Track „Mersmak“ versetzt uns in Post-Punk-Vibes, die durch dröhnende Gitarren und den rhythmisch ausgelegten Groove durchschimmern. Dazu gibt es einen Chorus, der nicht sonderlich auffällig, dafür aber effektiv ist. Natürlich hat der Post-Punk von LÜT nur wenig mit dem von Joy Division zu tun, fügt sich aber gekonnt in den eingängigen Rock-Sound der Norweger ein.
Ähnlich verhält es sich mit „LÜTetro“, einem Track der schon verlauten lässt, dass man sich dem Einfluss vergangener Zeiten bediente. Mit einem unverkennbaren Achtziger-Jahre-Vibe, ähnlich fuzzigen Gitarren und einem treibenden Rhythmus ist auch „LÜTetro“ ein unfassbar starker Song, der vor allem der Aspekt der Hörfreude unterstreicht.
„Homme Fatale“ im Gegenzug ist eine ruhige, etwas einschläfernde Nummer, die das Album für kurze Zeit gekonnt entschleunigt.
Entgegen der eher im Mid-Tempo anzusiedelnden Songs agiert „We Will Save Scandirock“. Eine Anspielung darauf, dass dem skandinavischen Rock kein Untergang droht, denn LÜT nehmen das einfach selbst in die Hand. Das Ergebnis ist ein schneller, treibender Song, der mit bestechender Gitarrenmelodie nach vorne treibt und wohl den härtesten Song des Albums darstellt.
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Doch wenn wir von Härte sprechen, heißt das nicht, dass wir es mit Metal-Elementen zu tun haben. Vielmehr ist es die Kälte der Melodiegitarren, die schrillen Shouts des Sängers und das Tempo, die „We Will Save Scandirock“ zu einer wirklich coolen Rocknummer machen.
LÜT liefern einen energetischen Soundtrack für sonnige Tage
„Ingenting Å Angre På“ ist ein wahrer Feel-Good-Song, der so treibend und eingängig ist, dass man beim Hören gar nicht genug vom Chorus des Tracks bekommen kann. Die Gitarrenmelodie bleibt so sehr im Kopf stecken, dass man diesen Song getrost in Schleife hören kann. Mit Songs wie diesem und „Viepå“ sorgen LÜT für ein Gefühl der Freiheit. Die Art des Punk-Rocks, den LÜT spielen, ist so frisch, jugendlich und energetisch, dass sie sich für jeden sonnigen Tag bestens eignet.
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Ähnlich energetisch agiert „Strictly Business“ mit seinem schnellen Pacing, das uns hoffen lässt, diesen Song live auf einer großen Festivalbühne im Sommer erleben zu können. Mit dem Sound, den LÜT auf Tracks wie diesen spielen, gehören sie fast ins Radio. Dafür mögen aber die Schreie des Sängers vielleicht einen Ticken zu schrill sein. Auf „India“ begehen LÜT einen Weg, der stark an Foals erinnert und das Album auf geschickte Weise abschließt und den experimentellen Rockansatz der Norweger offenbart.
LÜT liefern ein unfassbar spannendes Album ab, das einen Sound offenbart, wie man ihn nicht oft zu hören bekommt. Man nehme die Eingängikeit von Paramore, die Vocals von Kvelertak und mische sie mit der Kreativität von Foals und bekommt ein Ergebnis, das LÜT entsprechen könnte.
So vielseitig der Sound auf „Mersmak“ aber auch ist, so gut fügen sich all diese Elemente in den Gesamtsound der Band ein.
Foto: Hans Marius Mikkelsen & Ørjan Nyborg Myrland / Offizielles Pressebild
Fazit
Auch wenn LÜT auf ihrer Muttersprache norwegisch singen, ist diese Tatsache nichts, das sich in den Weg steckt. Tatsächlich wirkt das Timbre des Sängers durch die Phonetik dieser Sprache noch viel spannender und erinnert so in positivem Sinne stark an Kvelertak. „Mersmak“ lässt sich als „Lust auf mehr“ übersetzen. Einer Bezeichnung, der LÜT gerecht werden. Dieses Album macht tatsächlich Lust auf mehr und zeigt, dass LÜT es absolut ernst meinen mit ihrer Musik. Viel zu selten gibt es solche Bands wie LÜT, die sich mit voller Widmung der Musik hingeben und so detailverliebt arbeiten. Wenn es 2021 ein Punk Album geben wird, an dem ihr nicht vorbeikommt, dann ist es definitiv „Mersmak“.

▶Tracklist 10 Songs
- 1Mersmak
- 2Strictly Business
- 3LÜTetro
- 4Ingenting Å Angre På
- 5Bangkok Nonstop
- 6We Will Save Scandirock
- 7Homme Fatale
- 8VIEPÅ
- 9Krei.
- 10INDIÄ
