
Mauritz Hagemann
Erst im Sommer des vergangenen Jahres veröffentlichte das Alternative-Duo Shape of Water ihr von allen Seiten zumindest wohlwollend zur Kenntnis genommenes Debütalbum „Great Illusions“. Rox Capriotti und Luca De Falco, die bereits in ihrer italienischen Heimat gemeinsam Musik machten und inzwischen in Manchester ansässig geworden sind, gelang es darauf, ihre eher düsteren und dystopischen Lyrics in ein atmosphärisches Gewand zu packen.
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Doch auch Shape of Water werden sich die Promotion für ihr Debüt anders vorgestellt haben und wenn Live-Dates bis auf Weiteres nicht denkbar sind, muss man sich eben etwas anderes einfallen lassen. Direkt mit Album Nr. 2 nachzulegen, wäre sicher etwas übertrieben gewesen, also wurden einige Songs von „Great Illusions“ einfach neu arrangiert.
Shape Of Water arrangieren ihre Songs neu
Herausgekommen ist „Lockdown On Mars“. Die EP beinhaltet neu aufgenommene Versionen von „Mars-X“ sowie „The World Is Calling Me“, eine akustische Version von „Perfect Love“, das zu „The Great Still Karma” umgedichtete „Still Karma“ sowie ein Cover des Nine Inch Nails-Songs „Hurt“.
Man mag es mitunter etwas seltsam finden, Songs, die gerade einmal wenige Monate alt sind, neu zu arrangieren, doch warum sollte eine Band immer erst bis zum zehn- oder zwanzigjährigen Jubiläum warten, bis sie mit ihren Songs experimentiert und ihnen einen neuen Anstrich verpasst. Und der Begriff des Experimentierens passt dann auch gleich perfekt zum Opener „Mars-X“ der EP. Zumindest die ersten 30 Sekunden fühlt man sich in die Zeit des 80er-Synthiepops zurückversetzt. Ob das etwas Gutes ist, sollte jede*r für sich entscheiden, aber Shape of Water gelingt es, dem Songs so eine ganz neue Note zu geben. Ungewöhnlich, aber einfallsreich.
„The World is Calling Me“, das in der Originalversion schon fast Grunge-Züge besitzt, wurde ebenfalls ganz neu arrangiert. Dabei wurden die das Original prägenden Gitarren ebenfalls durch elektronische Elemente ersetzt. Wenn die Band die neue Version als “Cinematic Version” ankündigt, dann trifft das schon zu.
Besonders gespannt durfte man auf die neue Version von „Perfect“ Love sein, denn hier ist schon das Original eine Synthiepop-Nummer, die auch so auf „Lockdown On Mars“ gepasst hätte. Die neue Version wirkt dann auch im Vergleich zu den anderen Songs etwas langweilig, denn die Stimmung des Tracks überträgt sich nur schwer auf die Hörer*innen. Auch das Update des Originals in „The Great Still Karma“ fällt dann gar nicht so groß aus, wie man erwarten könnte. Im Wesentlichen sind es die Keys und Streicher am Ende des Songs, die den Unterschied ausmachen. Nett anzuhören, aber auch nicht der ganz große Wurf.
Für den Schlusspunkt der Platte haben sich Shape of Water mit „Hurt“ dann etwas ganz besonderes ausgedacht. Schon das Covern eines solchen Übersongs ist regelmäßig eine echte Herausforderung und wenn man dann noch bedenkt, dass das Cover von Jonny Cash mittlerweile bei weitem populärer ist als das Original, dann ist ein solches Unterfangen fast schon zum Scheitern verurteilt.
Doch Shape of Water schlagen sich wacker. Das Cover orientiert sich einerseits stark am Original, fügt aber andererseits Elemente hinzu, die man schon als typisch für Shape of Water bezeichnen kann. Gerade der Einsatz der Gitarre ist zum Abschluss der doch sehr synthie-lastigen Platte äußerst erfrischend und die letze Minute des Songs so stürmisch, dass es ohne Weiteres als gelungenes Finale durchgeht.
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Aller Anfang ist schwer – zumal sich Shape of Water für ihr Debüt-Album im letzten Jahr sicher nicht den bestmöglichen Zeitpunkt ausgesucht haben. Und so kam es auch nicht überraschend, dass „Great Illusions“ ein wenig unter dem Radar flog. Insofern erscheint der Schritt, jetzt mit „Lockdown On Mars“ nachzulegen, sinnvoll. Und er wirkt – denn wer sich die Songs auf Lockdown on Mars anhört, wird auch neugierig auf die Originalsongs. Insofern kann man Shape of Water nur zu dieser gelungenen Marketing-Strategie gratulieren.
Foto: Shape Of Water / Offizielles Pressebild
Fazit
Shape of Water werden schon stilistisch sicher nicht die neue Lieblingsband der MoreCore-Leserinnen und Leser. Doch auch wenn man elektronischen Alternative-Klängen sonst nicht unbedingt zugeneigt ist, darf man ruhig einmal reinhören. Das tut zum einen nicht weh und zum anderen sind die epischen Töne auf "Lockdown On Mars" durchaus geeignet, von einer Zeit ohne Lockdown zu träumen.

▶Tracklist 5 Songs
- 1MARS-X (Cinematic Version)
- 2The World is Calling Me (Cinematic Version)
- 3Perfect Love (Electro-Acoustic Version)
- 4The Great Still Karma
- 5Hurt
