
Celina Schlömer
Nach großem Lob von Hayley Williams souverän abliefern? Leichter gesagt als getan. So dürften sich die Floridianer Pool Kids bei ihrem neuesten Release „Easier Said Than Done“ gefühlt haben. Mit ihrem bereits dritten Longplayer liefert die Band eine spannende Mischung aus melancholischer Zerbrechlichkeit und mathrockiger Komplexität, ohne ihre DIY-Wurzeln zu verlieren.
Die Indie-Pop-Emo-Fusion reiht sie sich damit irgendwo zwischen Kolleginnen wie The Aces und Sweet Pill ein und bietet mit elf Tracks gleich eine ganze Bandbreite an Stilen.
Pool Kids zwischen bescheidenen Mitteln und üppigem Sound
Pool Kids sind gewachsen – an Erfahrungen, miteinander und auch musikalisch. So wurde Sängerin und Gitarristin Christine Goodwyne während der Entstehung des Albums mit OCD diagnostiziert. Begleiterscheinungen wie Selbstzweifel und düstere Gedankenspiralen verpackt sie lyrisch in Tracks wie „Dani“ oder „Last Words“. Musikalisch wird dies durch sich aufbauende Soundwellen aus Gitarren und Bass, prägnanten Math-Rock-Riffs und emotionalen Vocals unterstützt. Ein großes Lob soll an dieser Stelle vor allem Schlagzeuger Caden Clinton gelten, der nicht nur spezifisch in diesen beiden Tracks rhythmische Akrobatik betreibt.
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Auch der Entstehungsprozess war alles andere als ideal. Finanziert wurde die Platte ausschließlich über Toureinnahmen. Dementsprechend musste für die Aufnahme in Seattle an einigen Enden gespart werden. Geschlafen wurde auf fremden Couches, in billigen Motels oder auch dem Studioboden und zum Duschen musste das nächstgelegene Fitnessstudio dienen. Doch wo an Luxus gespart wurde, wurde an Kreativität und Produktion nichts eingebüßt. Und das komplett independent.
Abgemischt wurde das Ganze erneut von Mike Vernon Davis. Die Produktion findet dabei einen guten Mittelweg zwischen rauem Indie-Klang und modernem Studio-Finish. Davis schafft es dabei, die vielen Gitarrenriffs, Synthie-Melodien und etliche Gesangsspuren genau so zu platzieren, dass alle Elemente immer noch genug Raum zum Strahlen haben.
Cleveres, abwechslungsreiches Songwriting
Auch wenn die Gitarren und Drums immer wieder auf die Emo-Wurzeln des Quartetts hinweisen, wird direkt klar, dass sich Pool Kids vorgenommen haben, zugänglich zu sein. Die Platte startet poppig mit Goodwynes isolierten Vocals. Mit vielen Effekten, über- und durcheinander liegenden Backings und prägnanten Gitarren-Melodien macht das Intro zum Album einen großen Bogen um Vorhersehbarkeit und bietet einen guten Vorschmack auf die weitere Tracklist.
Mit „Tinted Windows“ schütteln Pool Kids all ihre Songwriting-Skill aus dem Ärmel. Zunächst reduziert gestartet, übertrifft sich der Song immer wieder selbst mit neuen Passagen, ausgeklügelten Grooves und catchy Melodien. Gerade der fast schon dramaturgische Einsatz von Pausen spielt mit den Erwartungen der Hörer:innen, ohne dabei drüber zu sein.
Weitere Highlights sind Tracks wie „Which Is Worse?”, der mit einem modernen Sound, agogischen Elementen, Ear-Candy und berührenden Texten mitreißt. Dass Pool Kids auch Liebeslieder können, zeigen sie mit dem bittersüßen „Perfect View“. Hier strebt ein akustisches Gitarrenriff gegen kreisende, in Hall getränkte E-Gitarren. Gemeinsam mit Goodwynes sanfter Stimme und den Worten „And the toilеt won’t flush and the bed frame is bent/ And our window is facing a wall of cement/ But it’s a perfect view/ ‚Cause I’m here with you” wird der rohe, intime Sound auf den Punkt gebracht.
„Exit Plan“, das Finale der Platte, zieht mit emo-esker Gitarre und punkigen Drums den Bogen zurück zu den Wurzeln der Band. Hier hätte gerne ein bisschen mehr Punch, gerade in den Vocals, den Track auf ein anderes Level tragen können.
Pool Kids machen mit „Easier Said Than Done“ Emo salonfähig und sprechen somit alle an, die sich eine softere Version des rohen Midwest-Emo-Sounds wünschen. Die Platte überzeugt durch ihre Ehrlichkeit und Experimentierfreude und macht Lust auf alles, was noch kommt. Ein rundes Ding, bei dem Hayley in ihrer Empfehlung nur bestärkt werden kann.
Foto: Alexa Viscius / Offizielles Pressebild
Fazit
Mit „Easier Said Than Done” melden sich Pool Kids mit einem Album zurück, das so vielschichtig wie seine Tracklist lang ist. Die Band findet dabei Balance zwischen ihren Emo-Wurzeln und . Dabei treffen DIY-Vibesauf moderne Produktion und Pop-Appeal auf progressive Songstrukturen. Und das funktioniert richtig gut. Fans von Emo-Riffs und soften Vocals dürfen sich freuen!

▶Tracklist 11 Songs
- 1Easier Said Than Done
- 2Tinted Windows
- 3Bad Bruise
- 4Leona Street
- 5Last Word
- 6Sorry Not Sorry
- 7Not Too Late
- 8Which Is Worse?
- 9Dani
- 10Perfect View
- 11Exit Plan