
Natascha Döhring
Mit düsterer Melancholie und großen Gefühlen betreten HOKKA die Bühne des finnischen Rocks.
Mit „Via Miseria IV“ veröffentlichen HOKKA am 24. April 2026 über Nuclear Blast Records ihr Debütalbum und liefern damit einen ersten, eindrucksvollen Einblick in die gemeinsame Vision von Joel Hokka (ehemals Blind Channel) und Pauli Rantasalmi (ehemals The Rasmus). Unterstützt von Schlagzeuger Jimi Aslak entsteht hier ein Projekt, das tief im finnischen Rock verwurzelt ist und dennoch den Anspruch hat, neue emotionale Räume zu erschließen.
„Via Miseria IV“ – Der Weg durch die Dunkelheit
Schon der Titel deutet an, wohin die Reise geht: in die Abgründe menschlicher Emotionen. Inhaltlich kreist das Album um Melancholie, Schmerz und die Suche nach Schönheit im Leid. Zeilen wie „I found a beauty in the pain” und „Melancholy is my home“ unterstreichen diese Grundstimmung, die sich wie ein roter Faden durch die ersten Songs zieht.
HOKKA gelingt es dabei, eine klare Botschaft zu transportieren: Dunkelheit ist nicht nur etwas, das überwunden werden muss, sondern auch ein Ort, an dem man sich selbst begegnet. Die Band beschreibt das Album selbst als eine Reise „in die dunkelsten Winkel des Herzens“.
Musikalisch dominiert ein klassischer finnischer Rocksound: düstere, ruhige Intros treffen auf kraftvolle Refrains mit markanten Gitarrenriffs. Besonders die Handschrift von Pauli Rantasalmi ist deutlich spürbar: Statt in die Nu-Metal-Richtung von Blind Channel zu gehen, setzen HOKKA auf klare, melodische Strukturen ohne überflüssigen Schnickschnack. Fans von The Rasmus oder HIM werden sich hier sofort zuhause fühlen.
Melancholie als Heimat – HOKKA zwischen Dunkelheit und Hoffnung
Die erste Hälfte von „Via Miseria IV“ – mit Tracks wie „Blackbird“, „In the Darkness“ oder „Via Miseria“ – bleibt thematisch dicht beieinander. Melancholie und Selbstreflexion stehen im Mittelpunkt, getragen von eingängigen Melodien und atmosphärischen Arrangements.
Mit „Bon Appetit“ schlägt das Album dann eine neue Richtung ein: Hier wird das Motiv der „sweet revenge“ aufgegriffen, das sich auch in den folgenden Songs widerspiegelt. Zum Beispiel in „Murder Ballad“: eine verletzliche, gefühlvolle Ballade über Liebe und Abhängigkeit („I don’t wanna live or die without you“).
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Songs wie „Angels Fall“ und „Serpent’s Song“ greifen Themen wie Verlust und Versuchung auf, während „Kiss from a Rose“ das Album mit einer romantischeren Note abschließt. Wer eine deprimierende Platte erwartet, wird überrascht: Trotz der oft düsteren Inhalte gelingt es HOKKA immer wieder, Lichtmomente einzubauen – sei es durch eingängige Hooks oder besonders energetische Refrains.
Erfahrung und Neuanfang
Als Debütalbum zeigt „Via Miseria IV“ vor allem eines: Potenzial. Die Kombination aus Joel Hokkas vielseitiger Stimme und Pauli Rantasalmis Songwriting-Erfahrung funktioniert gut, besonders weil letzterer stilistisch klar den Ton angibt. Eine symbolische „Staffelübergabe“ scheint hier mitzuschwingen – vom erfahrenen Musiker zum neuen Frontmann einer neuen Generation.
Allerdings fehlt dem Album noch ein eigener, unverwechselbarer Charakter. Viele Songs funktionieren beim ersten Hören sofort, bleiben aber nicht nachhaltig im Gedächtnis. HOKKA bewegen sich stark im bekannten Klangkosmos finnischer Rockbands, ohne sich bereits deutlich davon abzuheben.
Fazit
„Via Miseria IV“ ist ein solides, atmosphärisch dichtes Debüt, das vor allem durch seine melancholische Grundstimmung und klare musikalische Linie überzeugt. HOKKA setzen auf Bewährtes, liefern dabei aber genug emotionale Tiefe, um neugierig auf mehr zu machen.

▶Tracklist 10 Songs
- 1Blackbird
- 2In the Darkness
- 3Death by Cupid's Arrow
- 4Via Miseria
- 5Heart Said No
- 6Bon Apetit
- 7Murder Ballad
- 8Angels Fall
- 9Serpent's Song
- 10Kiss from a Rose