
Daniel vom Bruch
Das Musikbusiness kann manchmal grausam sein. Vor drei Jahren brachten We Came As Romans ihr Album „Darkbloom“ mit dem Banger „Black Hole“ heraus und dennoch haben sie trotz grandioser Kritiken zum ersten Mal in der Bandhistorie den Einstieg in die Billboard Top 200 verpasst. Aber gut, Charts haben noch nie etwas über die Qualität von Musik ausgesagt und das werden sie auch nie. Dass WCAR jedoch bei der Produktion des Nachfolgers nicht die Bürde eines Hitalbums mit sich trugen, wirkte sich spürbar positiv aus. Ihr neues Werk „All Is Beautiful… Because We’re Doomed“ ist durchweg stark, auch wenn der ganz große Hit diesmal ausbleibt.
Instagram Post
Fröhlicher Beginn
„All Is Beautiful“ besagt die erste Hälfte des Albumtitels und der Start ist wirklich fröhlich, auch wenn eine Kinderstimme uns im atmosphärischem Intro direkt warnt: „Because We’re Doomed“. Die erste Single „Bad Luck“ fängt aber mit einem kindlich-verspielten Mitsing-Part an (kein Text, nur Lalalalala) und dann versetzt uns auch noch Sänger und Shouter Dave Stephens in Erstaunen, denn er kann direkt beweisen, was für eine klare, feine Stimme er hat. Im weiteren Verlauf der neuen Platte von We Came As Romans, vor allem im etwas ruhigeren zweiten Teil, wird das noch deutlicher.
Eine sehr tiefgründige Message
Schnell schlägt die Atmosphäre des Albums jedoch von Fröhlichkeit und klaren Gesangspassagen zu Aggressivität und Screaming um. Genau das spiegelt die zentrale Message des Albums wider: Es geht um die Frage, ob die menschliche Natur intrinsisch gut oder schlecht ist, ob der Mensch das Wohl der Allgemeinheit im Blick hat oder egoistisch handelt. Besonders die dritte Single „Cultural Wounds“ thematisiert dies: „In ‚Cultural Wounds‘ geht es darum, in sich selbst hineinzuhorchen und sich zu fragen, welche Seite das eigene Leben kontrollieren soll“, erklären We Came As Romans. Musikalisch beginnt der Song zunächst ruhiger, nimmt dann aber deutlich an Fahrt auf. Das erinnert stark an Bring Me The Horizon und diese Nähe zeigt sich auch an einigen anderen Stellen. Eine solche Assoziation ist sicher nicht die schlechteste.
Den eigenen Stil perfektioniert
Dazwischen hauen We Came As Romans mehrere richtige Metalcore-Hämmer raus, alle in ihrem eigenen, jahrelang gepflegten Stil. Los geht es mit Synthesizer-Klängen, bis die wirklich harten Gitarrenriffs zusammen mit den Drums für einen treibenden Beat sorgen, der bis in die Magengegend pumpt. Mit „Where Did You Go“ beweist die Band aus Michigan dann aber in der Mitte des Albums, dass sie auch Rockballaden schreiben kann. Dabei findet Sänger Dave Stephens nach sanften Strophen im Refrain genau die richtige Mischung aus Härte, ohne ins Screaming zu verfallen.
Überraschend ruhig
Später bei „Circling A Dying Sun“ und „Knowing Pain“ darf er in zwei weiteren Songs zeigen, dass auch seine cleane Stimme voll trägt. Allerdings muss man jeweils zu Beginn einen schrecklichen Autotune-Effekt aushalten. Aber bitte nicht weiterskippen, es lohnt sich, beide Songs in Gänze zu hören. Insgesamt ist das Album aber vor allem für den Frontmann eine starke Weiterentwicklung im Vergleich zu den Vorgängern.
Und alle singen mit
Allerdings lassen We Came As Romans ihre neue Platte nicht etwa langsam ausklingen, sondern auch in den letzten Songs wird geshoutet bis hin zum Growling. Das gipfelt in einem großen Finale mit überraschenden Breakdowns und verwirrenden Tempowechseln. Grandios wird es beim letzten Song „Because We’re Doomed“, mit dem die Klammer zum Intro geschlossen wird und zum Härtesten und Besten gehört, was die Band auf ihrem neuen Album anbietet. Und wenn WCAR dann am Ende gemeinsam immer wieder den Albumtitel singen, dann wird uns klar, dass dieses Album wunderschön, aber bestimmt kein Untergang ist.
Foto: paxton.mov / Offizielles Pressebild
Fazit
Es kann schon sein, dass auf „All Is Beautiful... Because We're Doomed“ nicht der Megahit zu hören ist, aber insgesamt ist das neue Werk von We Came As Romans durchweg ohne Schwächen grandios. Synthie-Klänge gehen auch in den härtesten Parts nicht unter, sondern stehen auf eine Stufe mit den Gitarren. Das Songwriting wirkt zudem stimmiger als beim Vorgänger. Es wird nie langweilig, weil immer wieder Gimmicks wie orientalische Instrumente oder ein erschrockenes „Huh“ inmitten eines Riffs eingebaut werden, wie man es sonst aus Eurodance-Songs der frühen 90er Jahre kennt. Mit ihrer neuen Platte festigen We Came As Romans ihre Position in der Eliteklasse des Metalcore.

▶Tracklist 13 Songs
- 1ALL IS BEAUTIFUL...
- 2bad luck
- 3lake of fire
- 4red smoke
- 5one by one
- 6culture wound
- 7where did you go?
- 8no rest for the dreamer
- 9b2tm
- 10circling a dying sun
- 11knowing pain
- 12so lost (burning flowers)
- 13BECAUSE WE'RE DOOMED


