
Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
Hinter dem neuen Blues Pills-Album steckt eine wichtige und unmissverständliche Botschaft. So entstand “Birthday” mitten in der Schwangerschaft von Sängerin Elin Larsson, die das parallele Aufblühen von neuem Leben und neuer Musik zum Thema von LP Nummer 4 machte. Die dieser Zeit entsprungenen elf Songs eröffnen damit nicht nur ein neues Kapitel der Bandgeschichte, sondern setzen auch ein Zeichen für die Vereinbarkeit von Familie und Karriere im Leben von FLINTA*-Personen. Ein feministisches Zeichen, das gerade in einer patriarchalisch geprägten Welt definitiv gesetzt werden muss. Wie aber schneidet das Quartett dabei musikalisch ab?
Gleich in den ersten Sekunden des Albums muss man sich zwangsmäßig fragen, ob man überhaupt eine Blues Pills-Platte aufgelegt hat. So erstrahlt “Birthday” im glatt polierten und poppigen Produktionsgewand und distanziert sich klar vom Vintagesound ihrer ersten drei Alben. Eine Entscheidung, die man definitiv so treffen kann und die mit Sicherheit auch gut mit der moderneren Ausrichtung der Songs Hand in Hand geht. Wirklich einen Gefallen tut man den Schwed:innen damit allerdings nicht. So hat man über die gesamte Lauflänge das Gefühl, dass der Grammy-nominierte Produzent des Albums – Freddy Alexander (Rihanna, The Chainsmokers) – der Band und ihren Fähigkeiten nicht ausreichend vertrauen würde.
Blues Pills verlieren ihren Charakter
Ein gutes Beispiel dafür bildet die Vorabsingle “Piggyback Ride”, die trotz wirklich vielversprechender Zutaten wie catchigen Riffs, einer groovigen Bassline und einer starken Hook von der Produktion in die Knie gezwungen wird. Nervige Filter- und Stimmeffekte sowie eine schriller Synth wollen nicht so recht ihren Platz finden und überschatten die restlichen Instrumente. Zudem wird das Gitarrensolo im Mix regelrecht begraben – ein Problem, das sich generell durch die ganze Platte zieht. Ähnliche Schwierigkeiten offenbaren sich im Southern Rock-Stampfer “Shadows”, der trotz einer starken Vocalperformance unangenehm pompös rüberkommt.
Instagram Post
So sehr man Blues Pills ihren Mut zur Veränderung anrechnen möchte, so schwierig wird es leider auch, wenn sich die Songs nicht so wirklich im Kopf festsetzen möchten. Mal plätschern sie einfach vor sich hin, mal hören sie zu unerwarteten Momenten abrupt auf und immer wieder bekommt man das Gefühl, dass die Band nicht ihr volles Potenzial ausspielt. Jenes Gefühl bestätigt sich spätestens dann, wenn Hits der Popgeschichte übermäßig stark zitiert werden (“Holding Me Back”). Nicht, dass ich hier die altbekannte Diskussion aufgreifen möchte, wo die Grenze zwischen Inspirieren lassen und Kopieren liegt. Vielmehr geht es darum, wie sich mehr auf altbekannte Formeln als auf die Stärken des Quartetts verlassen wird.
Trotz allem hörenswert?
Vergleicht man “Birthday” mit ihren bisherigen Alben, so lassen sich in jedem Fall die ungebändigte Spielfreude der Band und die Roughness der Produktion schmerzlich vermissen. So will sich einfach nicht so recht das Feeling einstellen, mit diesen vier talentierten Menschen in einem Raum zu sein, die ihre Verstärker aufdrehen und bereits ohne viel Studiomagie fantastisch klingen. Nichtsdestotrotz erkunden Blues Pills eine Menge neues Terrain und schaffen es zumindest sporadisch zu alter Form aufzuspielen. So kann der Titeltrack als catchige Indie/Alternative-Nummer überzeugen, während vor allem das bluesige “Somebody Better” mit interessanten Harmonien und einem gelungenen Spannungsaufbau in der Mitte der Platte ein Highlight setzen kann.
Foto: Dana Trippe / Offizielles Pressebild
Fazit
Blues Pills läuten mit ihrem vierten Album eine neue Ära ihrer Bandgeschichte ein und setzen dabei ein wichtiges, feministisches Zeichen. Auf musikalischer Ebene straucheln die Schwed:innen allerdings gewaltig dabei, ihre Vintage-Wurzeln abzustreifen und ihrem Sound ein moderneres Gewand zu geben. So bedingen sich Probleme in Produktion und Songwriting gegenseitig und resultieren in einem durchweg unstimmigen Gesamtbild. Vereinzelte Highlights und die Vielseitigkeit der Tracklist machen “Birthday” aber trotz allem zu einer Platte, der man eine Chance geben sollte.

▶Tracklist 11 Songs
- 1Birthday
- 2Don't You Love it
- 3Bad Choices
- 4Top Of The Sky
- 5Like A Drug
- 6Piggyback Ride
- 7Holding Me Back
- 8Somebody Better
- 9Shadows
- 10I Don't Wanna Get Back On That Horse Again
- 11What Has This Life Done To You