
Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
“Hier gibt es keine Hoffnung, nur noch Ernst und Heroin. Selbst die Träume in der Nacht, entsättigt und leer.” Von den windigen Deichen des Nordfrieslands verschlägt es Turbostaat in die hintersten Gassen der Großstädte. Hin zu Orten, an denen man sich zu später Tageszeit einfach nicht mehr gerne aufhalten möchte. Selbst ein auf dem Artwork der Platte fröhlich in die Kamera grinsender Moses Schneider – Stammproduzent der Band seit knapp 17 Jahren – kann die düstere Stimmung nicht wirklich brechen. Ob es schlichtweg die geografische Umorientierung ist, die “Alter Zorn” von den Vorgängern “Abalonia” (2016) und “Uthlande” (2020) abhebt, lässt sich nur vermuten.
Dennoch ist es auffällig, wie stark sich Turbostaat auf ihrem achten Album dem Post-Punk hingeben und mithilfe von kratzigen Gitarren, knurrigen Bassläufen und interessanten Harmonien ein umgreifendes Gefühl der Beklemmung zu erzeugen. Gute Beispiele dafür bilden “Subraum”, “Otto muss fallen!” und der bissige Titeltrack. Letzterer bietet eins der großen Highlights der Platte. Die kurze und knappe Hook “Alte Liebe, altes Leben, alter Zorn” kann ihr Ziel gar nicht verfehlen, während die mit Samples angedickten Drums gnadenlos durch den Mix peitschen. Generell schaffen es die Husumer immer wieder mithilfe von Effekten und Foleys, Sänger Jan Windmeiers Storytelling passend zu untermalen.
Turbostaat wandern auf dunklen Pfaden
Den gröbsten Schlag in die Magengrube bildet allerdings der fünfminütige Slow Burner “Isolationen”, der sich in seiner nahezu trostlosen Stimmung suhlt und im hinteren Drittel auf den emotionalen Höhepunkt getrieben wird. Auch der Closer “Jedermannsend” besticht durch einen guten Spannungsaufbau und schafft es mit gut eingesetzten Sprachsamples einen Sog zu erzeugen, dem man sich kaum noch entziehen kann. Abgerundet wird “Alter Zorn” durch die ruppige und polternde Produktion, die mit all ihren Unperfektheiten und dem bewusst betonten unteren Frequenzbereich die schweren Themen der Platte passend unterstreicht.
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Beitragsbild: Andreas Hornoff / Offizielles Pressefoto
Fazit
Auf ihrem achten Album erzählen Turbostaat von Abgründen zwischen Lärm und Beton und geben sich darauf mehr denn je dem Post-Punk hin. Trotz aller Düsternis liegt vielen Momenten eine gewisse Ambivalenz inne, die “Alter Zorn” zu einem herausfordernden, aber auch unglaublich spannenden Hörerlebnis macht. Besonders glänzen die Husumer dabei allerdings in den außergewöhnlichen Momenten, in denen sie mit ihrem Grundsound brechen. Mit ein bis zwei Songs weniger hätte die Band definitiv ein klareres Statement gesetzt und einen Langspieler geschaffen, der sich noch entschlossener von ihrer restlichen Diskografie abhebt.

▶Tracklist 12 Songs
- 1Affenstraße
- 2Subraum
- 3Scheißauge
- 4Alter Zorn
- 5Nachtschimmel
- 6Isolationen
- 7Winograd
- 833 Tage
- 9Otto muss fallen!
- 10 Den Annern sin Uhl
- 11Mutlu
- 12Jedermannsend