Saskia Schollenberg
Nach vier Jahren melden sich Rise Against mit ihrem Album „Ricochet“ zurück und zeigen eindrucksvoll, warum sie zu den prägenden Bands des modernen Punkrocks zählen. Dieses Album ist mehr als nur eine willkommene Rückkehr – es ist eine Ansammlung von Gefühlen, beeinflusst von einer Zeit, in der sich viele verloren fühlen. Die Band schafft es, wie so oft zuvor, diese Schwere in Songs zu verarbeiten und Hoffnung zu transportieren.
Wenn die Menschheit Trost braucht
Den ersten Eindruck macht Gesang, der durch ein Megafon hallen zu scheint. „Nod“ schafft zwar einen rauen Ton, doch die Message inmitten des Chaos ist genau das Gegenteil: In einer düsteren Welt, kann das Gefühl von Gemeinschaft weiterhin Trost schenken. Das Thema Gemeinschaft zieht sich wie ein roter Leitfaden durch das Album – nicht umsonst wählte die Band den Namen „Ricochet“. „Ricochet handelt von unserer kollektiven Verbundenheit.“, ließ Sänger Tim McIlrath wissen. Besonders „Us Against The World“ fängt dieses Gefühl ein weiteres Mal auf. Der Song ist ein musikalisches Versprechen, gemeinsam gegen die Widrigkeiten anzutreten. Musikalisch können beide Tracks mit gutem Nachdruck und sehr eingängigen Sound glänzen.
Energiegeladen und experimentierfreudig und trotzdem noch Rise Against
Mit „I Want It All” bringt die Band einen unerwarteten Stilbruch: Die repetitive, fast hypnotische Gitarre in Kombination mit imposant donnernden Drums und der gesanglichen Wucht des Songs erinnert an Filmmusik. Hier zeigt sich eine Seite von Rise Against, die sich mutig zwischen Mainstream und experimentellen Elementen bewegt ohne sich zu verbiegen.
Auch der Titeltrack „Ricochet“ zeigt eine neue Seite – der Song hebt sich durch akustisches Fingerpicking und leicht unregelmäßigen Sprechgesang deutlich von dem Rest der Songs ab. Hier wird trotz melodischer Leichtigkeit eine intensive Atmosphäre geschaffen die sofort mitreißt und auf eine musikalische Reise einlädt.
„Damage Is Done“ dagegen bringt einen Hauch Härte zurück; gepaart mit emotionalen balladesken Elementen wird hier eine perfekte Gratwanderung geschaffen. Besonders die Screams im Breakdown verschaffen diesem Track eine rohe Energie und heben ihn somit auf ein anderes Level.
Musikalisches Mittelfeld
„Black Crown“ entpuppt sich als ein eher zwiespältiger Track. Die eingängige Melodie wird von einem unharmonischen Gefühl begleitet, doch das Feature gibt dem Song eine gewisse Besonderheit. Die Stimmen arbeiten hier perfekt im Einklang und balancieren gut mit der unharmonischen Melodie. Es folgt „Forty Days“ . Leider ist auch hier keine wirkliche Glanzleistung erreicht. Zwar sind besonders Bass und Drums sehr positiv wahrzunehmen und wirkliche Mängel gibt es auch nicht, dennoch erreicht der Song nicht sein volles Potential und bleibt deshalb vergleichsweise auf der Strecke.
Mit „State of Emergency“ und „Sink Like A Stone“ zeigen Rise Against jedoch wieder von ihrer typischen Seite. Beide Songs glänzen durch ihre melodische Variation. Besonders „Sink Like A Stone“ arbeitet mit viel musikalischer Abwechslung. „State Of Emergency“ macht sich wiederum eine Mitsingpassage von Nutzen. Er geht deshalb schnell ins Ohr, läuft aber auch Gefahr, dass sich hier schnell dran satt gehört werden kann.
Instagram Post
Rise Against setzt ein selbstbewusstes Finale
„Gold Long Gone“ ist das emotionale Herzstück des Albums. Eine klassischere Ballade, die sich langsam aufbaut und schließlich mit Drums zum Höhepunkt kommt – ein absoluter Gänsehautmoment. Textlich wird hier eine Reflexion über Verlust, Wert und Selbsttäuschung thematisiert. Der Gesang ist herausragend, gefühlvoll bis in die letzte Silbe. Hier stimmt wirklich einfach alles.
Auch „Soldier“ reiht sich ein, melancholisch, emotional aufgeladen und fast schon kathartisch. Die kräftige Instrumentierung und der Breakdown, welcher die Frustration nahezu greifbar scheinen lässt sorgen für ein mitreißendes Erlebnis und einen unfassbar runden Track.
Den Schlusspunkt setzt „Prizefighter“ – ein Song der die komplizierte Beziehung zwischen Künstler und Publikum thematisiert. Es ist eine klare Ansage gegen parasoziale Erwartungen und der Wunsch nach künstlerischer Freiheit. Musikalisch kraftvoll und mit einem entschlossenen Text ist der Track ein würdiger Abschluss, der den Kern des Albums zusammenfasst: Selbstbestimmung, Kampfgeist und die Hoffnung auf Freiheit.
Foto: Rise Against / Offizielles Pressebild
Fazit
"Ricochet" zeigt, wie kraftvoll und vielseitig Rise Against sein können. Mit emotionalen Texten und einer guten musikalischen Mischung beweist die Band, dass sie auch nach Jahren nichts von ihrer Relevanz eingebüßt hat. Zwar zündet nicht jeder Song vollends, doch trotzdem zeigt sich das Album als kraftvolles Statement - perfekt für diese herausfordernde Zeit und auf jede Fälle eine gelungene Wiederkehr.

▶Tracklist 11 Songs
- 1Nod
- 2I Want It All
- 3Ricochet
- 4Damage Is Done
- 5Us Against The World
- 6Black Crown
- 7Sink Like A Stone
- 8Forty Days
- 9State Of Emergency
- 10Gold Long Gone
- 11Soldier

