Wenn unsere Tamara nicht gerade mit ihrem Master in Musikjournalismus eingespannt ist, versorgt sie die Leserschaft mit Rezensionen und Interviews rund um Bands, die eigentlich nur noch unsere Eltern hören. Zu ihren Lieblingsfreizeitbeschäftigungen gehören Till Lindemann und Wacken. Sieht man sie nicht im Club oder durch einen Moshpit tanzen, steht sie hinter dem Tresen und mixt unverschämt gute Cocktails, um mit Freuden ihre Freunde abzufüllen. Neuerdings versucht sie sich auch als Pflanzenmutti und an der E-Gitarre. Ganze 3 Akkorde beherrscht sie schon, einer Karriere in einer Punkband würde also nichts mehr im Weg stehen.
2020 war auch für die Folkrocker von Dropkick Murphys kein leichtes Jahr. Nachdem sie gerade ihre Europatournee gestartet und den neuen Song “Smash Shit Up!” unter’s Publikum gebracht hatten, traf sie der Shutdown wie ein Schlag.
Aber statt die Köpfe in den Sand zu stecken, nutzte die achtköpfige Band aus Boston die Zeit als kreative Pause und produzierte ihren zehnten Longplayer. „Turn Up That Dial““ heißt das Ding, erscheint am 30. April und beinhaltet die bereits ausgekoppelten Tracks “Smash Shit Up”, “Wish You Were Here”, “Middle Finger”, “Queen of Suffolk County” und “Mick Jones Nicked My Pudding”.
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Die Bostoner schaffen mit dieser Platte ein Feel Good-Album mit rotem Faden, was trotz viel Nostalgie, absolut modern und in die heutige Zeit einzuordnen ist. Letztendlich ist “Turn Up That Dial” eine Hommage an die prägenden Platten, Bands und die Teenager-Zeit der Dropkicks.
Middle Fingers up! lautet die Devise
“Turn Up That Dial” und “Good As Gold” sind die zwei themenvorgebenden Tracks, die bloßes wildes Lebensgefühl und die Verbindung zur Musik verkörpern. Das Feeling mit Kopfhörern und guter Mukke durch die Straßen zu wandern, sich neue Platten mit dem ersparten Taschengeld zu kaufen und sie dann stolz wie Bolle den Schulkameraden zu präsentieren. Es ist offensichtlich, dass die US-Amerikaner dies als wegweisend für ihren Stil betrachten.
“L-EE-B-O-Y” und “HBDMF” lassen sich leichter in die Sparte “Quatsch und Spaß-Songs” einordnen. Während der eine, den Dudelsackspieler Lee Forshner anpreist (von was er noch gar nichts weiß, obwohl er den instrumentalen Part im Song selbst spielt), ist der nächste ebenfalls einem Bandmitglied gewidmet (A.M.B.). Ken Cassey ist es nämlich zu blöd, ausschweifende Geburtstagszelebrationen zu unterstützen, anders als A.M.B., der so bei “HBDMF” sein Fett weg bekommt.
“Mick Jones Nicked My Pudding” gehört wohl auch so zu dieser Sparte. Der Text beruht auf einer wahren Begebenheit und wurde in 10 Minuten zusammen gesponnen. Darin fordern die Bostoner den The Clash-Gitarristen auf: “Leave my Pudding alone!”.
Dropkick Murphys überlassen nichts dem Zufall…
… und sind wie gewohnt hitverdächtig unterwegs! “Smash Shit Up” ist bereits jetzt ein Klassiker, denn er reiht sich musikalisch und textlich direkt zu den Hits der Murphys ein, wie “I’m Shipping Up to Boston” oder “Rose Tattoo”. Die Uraufführung erfolgte im letzten Jahr in Mannheim, noch am selben Tag des Release.
Bereits auf ihrem letzten Album “11 Short Stories of Pain & Glory”, bewiesen die Dropkick Murpyhs, dass sie auch ernst können. Der Track “4-15-13” erinnert an die Opfer des Boston Marathons 2013. Auf der aktuelle Platte schlagen sie mit “Chosen Few” erneut harte Töne an, diesmal aber nicht ganz so andächtig: Wie der Titel vermuten lässt, handelt es sich hier um ein stark US-kritischen Track, welcher sich offensiv an die Bewohner des “Home of the Brave” richtet.
Am Schluss wird es mit “I Wish You Were Here” nochmal emotional. Zudem markiert der Song eine kleine Premiere: Es ist nämlich das erste Mal, dass die Band ihr Album mit einem Tränendrüsen-Song beendet.
Der bereits ausgekoppelte Track ist zum einen dem verstorbenen Vater von Sänger Al Barr gewidmet, zum anderen auch all derer, die einen geliebten Menschen an die Pandemie verloren haben.
Bild: YouTube / „Dropkick Murphys „I Wish You Were Here““
Fazit
Insgesamt schließt sich “Turn Up That Dial” ziemlich genau an die bisherige Diskografie der Folkrocker an: “Sing Loud, Sing Proud!” Es geht um Spaß und die Freude daran, der Welt den “Middle Finger” entgegen zu strecken, während man die alten, goldenen Platten der Musikhelden anderer Zeiten auf den Ohren hat. Viel Nostalgie, viel energische Rebellion umrahmt von der typischen Banjo-Akkordeon-Dudelsack-Melodik. Nichts Spektakuläres, aber alles okay im Dropkick Murphys-Universum und der perfekte Soundtrack für ein, zwei, drölf Guinness im imaginären Irish Pub.

▶Tracklist 11 Songs
- 1Turn Up That Dial
- 2L-EE-B-O-Y
- 3Middle Finger
- 4Queen Of Suffolk County
- 5Mick Jones Nicked My Pudding
- 6H.B.D.M.F.
- 7Good As Gold
- 8Smash Shit Up
- 9Chosen Few
- 10City By The Sea
- 11I Wish You Were Here

