
Mauritz Hagemann
Endlich wieder neue Musik aus dem Hause Acres. Lange war es – vor allem pandemiebedingt – still um die Band von der Südküste Englands. Inzwischen sind sie aber mit neuer Energie und neuer Musik zurück. Und neue Musik heißt ganz konkret auch, dass es ein neues Album gibt. „Burning Throne“ steht in den Startlöchern und die ersten Singleauskopplungen machen durchaus Lust auf Album Nr. 2 des Quartetts um Fronter Ben Lumper.
Aber kann das Album halten, was die Singles versprechen? Zumindest der Opener „Nothing“ beantwortet diese Frage noch nicht, gehörte der Song doch zu den bereits veröffentlichten Songs. Das heißt aber keinesfalls, dass „Nothing“ nicht ein überaus gelungener Einstieg in das neue Album ist. Acres hatten schon im Interview, das ihr hier noch einmal nachlesen könnt, schon angedeutet, dass es auf „Burning Throne“ tendenziell härter zugehen würde.
Acres haben das Altbewährte weiterentwickelt
Neben der Härte überzeugt aber auch der Gesamtsound, der deshalb so erfrischend klingt, weil er eine gute Balance zwischen Ausdifferenziertheit und Roughness bietet. Dass der Song auch noch ein Feature mit Silent Planet-Sänger Garrett Russell bietet, rundet diesen äußerst starken Opener perfekt ab.
Aber auch der folgende Titeltrack „Burning Throne“ kann das hohe Niveau weiter aufrechterhalten. Hier wird auch klar, dass Acres in der langen Pause ihren Stil nicht völlig geändert, sondern vielmehr weiterentwickelt haben. Den Refrain hätte man wohl auch auf „Lonely World“ (2019) finden können, doch 2023 wird bei Acres im Songwriting mehr differenziert. Die vorhandenen heavy parts lassen den Song vielseitiger und damit auch attraktiver erschienen.
Wer sich mit dem „alten“ Acres-Sound angefreundet hatte, muss aber keine Sorge haben. Auch die Songs auf „Burning Throne“ haben immer noch viele eher ruhige, sphärische Elemente. Dies gilt zum Beispiel für Songs wie „Hold On“ oder „The Death Of Me“. Letzterer besticht wiederum durch seine harten Einschübe. Wie schon weiter oben gesagt, es geht auf „Burning Throne“ ganz einfach ein ganzes Stück ausdifferenzierter zu.
Hat das auch Nachteile? Grundsätzlich nicht. Aber es ist eben auch kein Geheimnis, dass ein Plus an Komplexität und Vielfalt oft zu Lasten der Eingängigkeit geht. Und so wünscht man sich gerade beim ersten oder zweiten Durchhören des Album schon, dass die Songs etwas schneller im Ohr blieben.
Ein Song als Blaupause für das gesamte Album
Und so fällt auf, dass auch Acres bei der Wahl ihrer Singleauskopplungen gut beraten waren. Denn es sind gerade diese Songs, die in Sachen Struktur und Melodie am ehesten das Zeug zum Hit haben.
Das gilt auch für „Into Flames“, der im November als dritte Single veröffentlicht wurde. Mit den Shouts, die sowohl die Strophen als auch den Refrain prägen, steht der Song letztlich auch stilgebend für das, was Acres im Jahr 2023 ausmacht.
Weil es hier auch lyrisch um die Verluste, Unsicherheiten und Ängste während der langen Corona-Zeit geht, ist der Song vielleicht der ehrlichste und wichtigste Song auf „Burning Throne“.
Ein starkes Comeback
Mit „Lost In Our Own World” haben Acres noch einmal einen besonders gefühlvollen Song an das Ende des Albums gesetzt. Für alle, die sich mit dem Album anfreunden können, ganz sicher ein gelungenes Outro. Wer bis dahin nicht wirklich warm mit „Burning Throne“ geworden ist, wird den Song wohl eher als eintönigen Langweiler wahrnehmen. Und vielleicht ist das auch die Wahrheit, die sich hinter „Burning Throne“ verbirgt.
Acres-Fans werden schnell ihre Freude am neuen Werk der Band finden. Diejenigen, die bisher nicht wirklich etwas mit den Engländern anfangen konnten, werden wohl auch nach dem Hören von „Burning Throne“ Acres nicht zur neuen Lieblingsband machen.
Bevor es zu negativ klingt: Acres ist mit „Burning Throne“ nach einer langen und unsicheren Zeit ein starkes „Comeback“ gelungen. Die Band hat nicht nur dort angesetzt, wo sie vor der Pandemie angefangen hat. Sie hat sich weiterentwickelt und ihren Spitzenplatz unter den Post-Hardcore-Bands behauptet.
Foto: Ashley Bae / Offizielles Pressebild
Fazit
Acres wissen auch nach der Corona-Zwangspause noch, wie es geht. "Burning Throne" ist ein gelungenes, weil vielseitiges und ausgereiftes Album. Vielleicht hier und da sogar etwas zu vielseitig und damit zu sperrig, um neue Fans en masse zu gewinnen. Aber vielleicht ist das dieses Mal auch nicht so entscheidend. Wichtiger ist, dass Acres wieder da sind und es nicht verlernt haben.

▶Tracklist 10 Songs
- 1Nothing. (feat. Garrett Russell)
- 2Burning Throne
- 3Hold On
- 4The Death of Me
- 5Visual Hallucinations
- 6My Everything
- 7Feel Anything
- 8Into Flames
- 9When You’re Gone
- 10Lost in Our Own World