
Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
“The Surface Seems So Far” – “Die Oberfläche scheint so weit weg”. Alleine der Titel des neuen Seether-Albums suggeriert bereits etwas sehr Vertrautes, noch bevor man überhaupt auf “Play” gedrückt hat. Auch in ihrem 25. Jahr als Band – wenn man die ersten drei Jahre als Saron Gas mit einrechnet – besingen die Südafrikaner mentale Probleme und zwischenmenschliche Konflikte. Musikalisch fangen sie dies in ihrem gewohnten Post-Grunge-Sound ein, ohne wirklich große Risiken einzugehen. Kann man ihnen das vorwerfen? Sollte es nicht das Ziel einer Band sein, sich mit jedem Release neu zu erfinden und Songs zu schreiben, die man eben nicht so ähnlich schon einmal geschrieben hat?
“The Surface Seems So Far” ist per se erstmal wie immer ein handwerklich gut gemachtes Album. So liefert die Gitarrenfraktion sowohl eindringliche Leadmelodien wie drückende Riffs, über denen Sänger Shaun Morgan mit seiner voluminösen und warmen Stimme thront. Immer wieder wagen Seether auch Ausflüge in Alternative Metal-Gefilde (“Judas Mind”, “Try To Heal”) und gedenken im ein oder anderen Moment den Prog Metal-Legenden Tool (“Beneath The Veil”, “Paint The World”). Den größten Ausnahmetrack der Platte bildet allerdings “Lost All Control”, der mit einem leichten Heavy Metal-Touch daherkommt und zudem noch mit einem starken Solo im hinteren Drittel brilliert.
Seether gehen zu sehr auf Nummer sicher
Die Probleme fangen eher dort an, wenn man das Album schon nach wenigen Minuten komplett durchschaut hat. So laufen alle Songs nach einem relativ ähnlichen Schema ab, bei dem kraftvolle Refrains auf sanfte Strophen folgen und mit riffbetonten Instrumentalparts verbunden werden. Nicht, dass es generell verkehrt wäre, sich auf klassische Strophe-Refrain-Bridge-Strukturen zu verlassen. Da sich allerdings auch auf soundtechnischer Ebene nur marginale Unterschiede zwischen den elf Tracks ergeben, stellt sich schnell eine gewisse Austauschbarkeit ein, die die größte Schwäche von “The Surface Seems So Far” bildet.
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Reden wir hier aber am Ende des Tages nur über das neueste Seether-Album? Vor zehn Jahren besang Shaun Morgan auf “Isolate & Medicate” (2014) noch sein “Same Damn Life” und nun seine “Same Mistakes”. Ein kleiner Hinweis darauf, dass die Zeit bei Seether irgendwo schlichtweg stehen geblieben ist. Natürlich möchte ich der Band keineswegs absprechen, ihre persönlichen Probleme auf eine Weise musikalisch einzufangen, die für sie vertraut und komfortabel ist. Das Ganze hat auch heute noch seine Fans, und auch die stark in der 2000er-Rockmusik verankerten Flageolette wie in “Illusion” bringen noch immer den gleichen Charme mit sich wie vor zwanzig Jahren. Aber für mehr als den Durchschnitt reicht es am Ende trotzdem nicht.
Beitragsbild: Laura E. Partain / Offizielles Pressefoto
Fazit
Es gibt diese Bands, bei denen man sich wirklich keine Sorgen mehr machen muss, mit einem neuen Album etwas anderes geboten zu bekommen, als man es von ihnen gewohnt ist. Auch auf “The Surface Seems So Far” geben uns Seether ihren vertrauten und über mehr als zwei Dekaden gereiften Post-Grunge-Sound, den sie in leicht zugänglichen Pop-Strukturen einbetten. Eine Formel, die funktioniert und mit Sicherheit niemanden aus ihrer eingefleischten Fanbase vergraulen wird. Der mangelnde Mut zur Innovation und die starke Austauschbarkeit der Songs untereinander führen am Ende aber dazu, dass die Platte einfach nicht über das Mittelmaß hinausschießen kann.

▶Tracklist 11 Songs
- 1Judas Mind
- 2Illusion
- 3Beneath The Veil
- 4Semblance Of Me
- 5Walls Come Down
- 6Try To Heal
- 7Paint The Word
- 8Same Mistakes
- 9Lost All Control
- 10Dead On The Vine
- 11Regret

