
Damals noch für den eigenen Musikblog geschrieben, entschied sich Maik 2015 bei MoreCore anzuheuern und nahm unseren Jonas gleich mit. Mittlerweile kümmert er sich als Redakteur um den Bereich "Features und Interviews", legt auf unseren MoreCore Partys auf, betreibt mit Linn unseren Podcast "Kerngeschäft" und ist auch immer mal wieder vor der Kamera bei MCTV zu sehen. Im Team gilt er insgeheim als das sympathische Multitalent. In seiner Freizeit sammelt er Schallplatten, schaut so ziemlich jedes Fußballspiel und isst für sein Leben gerne Pizza.
Noch ein Album über die Pandemie? Zugegeben, der Titel „The Isolation Tapes“ verheißt auf dem ersten Blick nichts Gutes für all diejenigen, die auf der Suche nach etwas Ablenkung im tristen Alltag zwischen Hotspots und Lockdowns sind. Und überhaupt, im Grunde scheinen aktuelle Releases, verständlicherweise, kaum mehr andere Einflüsse als politische beziehungsweise gesellschaftliche Missstände und Covid-19 zu kennen. Doch „zum Glück“ sind KADAVAR auf einem ganz anderen Trip unterwegs.
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The Isolation Tapes sind eine Erfahrung
Schlechte Wortspiele? Kann ich. Und wer sich „The Isolation Tapes“ so unverblümt wie ich zu Gemüte führt, der wird schon beim ersten Durchlauf verstehen, dass „Trip“ der hier absolut passende Begriff ist.
War das Berliner Trio bislang für seinen progressiven Stoner Rock mit doomigen Einschlägen bekannt, so geben sich KADAVAR mit „The Isolation Tapes“ in luftige, spacige Höhen – ganz entgegen dem recht düsteren Vorgänger „For The Dead Travel Fast“.
So stimmt der über sechsminütige instrumentale Opener „The Lonely Child“ von der ersten Sekunde an auf die folgende, höchst atmosphärische Reise ein, auf die uns KADAVAR mitnehmen. Wer mit dem Begriff „Isolation“ bislang eine eher bedrückende, vielleicht sogar dunkle Stimmung verbunden hat, der wird hier eines Besseren belehrt.
Spätestens wenn Sänger und Gitarrist Lupus in „I Fly Among The Stars“ mit seiner hellen, beinahe zarten Stimme einsetzt, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich gehen zu lassen und einfach mitzuschwingen, bevor das psychedelische „Unnaturally Strange (?)“ durch seinen treibenden Rhythmus wieder eine neue Episode aufschlägt.
KADAVAR überraschen mit ungewohnten Sound
Nahtlos gehen Songs ineinander über und verschwimmen dabei teilweise in wilden Noise-Momenten („(I Won’t Leave You) Rosi“), um dann wieder zu sich zu finden und Bands wie Pink Floyd („The World Is Standing Still“) oder auch den Beatles im etwas poppigeren „Everything Is Changing“ Tribut zu zollen.
Das Ganze klingt jedoch alles andere als staubig, sondern sehr stimmig und durch den gekonnten Einsatz von Vintage Synthesizern immer wieder – passend zum Album-Artwork – wie eine Reise durch ferne Galaxien.
Eine Reise, die es lohnt mehrfach angetreten zu werden, da man auch nach mehrmaligem Hören noch längst nicht alle Details entdeckt hat, die uns KADAVAR in den insgesamt zehn Songs präsentieren. Auch wenn man dazu sagen muss, dass die Spannung zum Ende hin etwas raus ist.
Foto: Joe Dllworth / Offizielles Pressebild
Fazit
Auf Album Nummer 6 und dem gleichzeitigen Debüt auf dem eigenen Label ROBOTOR RECORDS geben sich KADAVAR ungewohnt spacig, nehmen diese vermeintliche Hürde aber mit Bravour und beweisen damit, dass sie längst vielmehr sind als eine weitere Retro-Rockband, die in ihren Genre-Grenzen gefangen ist. Bravo!

▶Tracklist 10 Songs
- 1I - The Lonely Child
- 2II - I Fly Among the Stars
- 3III - Unnaturally Strange (?)
- 4IV - (I Won‘t Leave You) Rosi
- 5V - The World Is Standing Still
- 6Eternal Light (We Will Be OK)
- 7Peculiareality (!)
- 8Everything Is Changing
- 9The Flat Earth Theory
- 10Black Spring Risingr
