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Engst - Schöne neue Welt
ReviewPop-PunkPunkrockRock

Engst

Schöne neue Welt

Album

VÖ 30. Oktober 2020Arising Empirecd · vinyl
Juliane Staretzek/9. November 2020
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J

Juliane Staretzek


„Nein danke, da hab ich echt keine Lust drauf.“ („Mein Problem“) Die Themen, die Engst auf „Schöne neue Welt“ aufmachen, sind gar nicht mal so fern vom Alltag – allerdings erwartet man bei rockig-punkiger Beschreibung deutlich mehr Tiefe. Denn Punk-Rock sagen und wie Revolverheld klingen, ist doch eher eine schwierige Selbstbeschreibung.

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Engst bieten nicht viel Abwechslung

Mit dem Opener „Mein Problem“ stechen sie die Instagram-Filterblase ein bisschen an, lassen aber doch nicht so richtig die Luft raus, sondern bedienen sich ausgetretener Redewendungen à la Kleider machen Leute. Der Sound besteht aus einem Baukasten. Man könnte meinen, die Akkorde Am C F G wurde immer wieder neu kombiniert und hätten das Album durchgespielt. Die Lieder haben eine Dynamik, die müssen sich alle 13 Lieder auf „Schöne neue Welt“ aber auch teilen.

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Auch das zweite Lied steht ihnen nicht unbedingt gut. Sie singen davon, wie arrogant Engst wahrgenommen werden und kommen dabei auch sehr arrogant rüber. Mit Phrasen wie „Neues Album, neue Lieder, neue Feinde. Die Kritiker entsetzt, sie schreiben: Was für ’ne Scheiße. Soll das noch Punkrock sein, ohne Ecken ohne Kanten? Ausverkaufte Shows, wir haben es selber nie verstanden“ bestückt man zwar einen Song mit dem Titel „Wieder da“ sicher gut, allerdings fragt man sich auch: Hat da nochmal jemand über den Text drüber gelesen?

Einige Lieder wie „Die Hölle hat kein Platz mehr“ oder „Willkommen in Berlin“ entlocken einem leider nur ein Kopfschütteln und tun schon fast ein bisschen weh in ihrer Banalität. Eingängig ist die Musik definitiv, Ohoho-Parts gibt’s genug. Über den Schülerband-Charme kommen die Berliner leider nicht hinaus. Vermutlich sollte man sich auch einfach Gedanken um die Zielgruppe machen.

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Mit „Keinen Meter“ gibt es dann aber doch noch Hoffnung auf der Scheibe. Das kann aber auch am starken Feature von Evergreen Terrace liegen. Dies bringt endlich auch etwas Härte in dem Sound.

Zudem ist der Text hier mit deutlich mehr Inhalt und Position versehen und erinnert kurz an Jupiter Jones. „Nur weil ihr schreit, sind eure Lügen nicht richtig. Wenn ihr laut seid, dann sind wir lauter, geht ihr auf die Straße, seid euch sicher wir sind auch da. Keinen Meter, keinen Schritt zurück wir haben keine Angst euch entgegenzutreten, keinen Meter für dich, wenn du einer von denen bist, die so schnell vergessen, wohin es geführt hat, als jeder Meter einer zu viel war“.

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Lieder wie „Mitleid gibt’s umsonst“ wenden dann aber das positive Bild nach diesem Lied wieder, weil man doch sehr im eigenen Saft köchelt, wenn man nur über sich und die Eigen- und Fremdwahrnehmung der Musik singen kann. Der Schülerband-Charme kommt immer wieder auf. Sei es musikalisch durch die häufigen Riffwiederholungen, potenziellen Mitsingparts oder aber ähnlichen Melodielinien. Das Album wirkt dadurch plätschernd und verliert Individualität.

In den Texten sprechen sie oft das richtige aus, wie in „Alle tragen Schwarz“, aber dennoch wirkt es schlichtweg sehr einfach. Zu einfach. Motive werden mit Phrasen und Redewendungen umgesetzt, durch den weicheren Gesang wird die angedeutete Wut einfach abgeschwächt. Mit Phrasen wie „Das ist nicht Hollywood, das ist die Straße“ schärfen sie das Bild der Schülerband. Dazu kommt das, was die scheinbare Kraft und Wut auslösen soll und da wirken einige Themen sehr pubertätsgetragen.

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Einen Lichtblick gibt es zum Ende noch: „Soll der Teufel“ ist eine charmante Ode an die Freundschaft, allerdings sollte man sich auf den beschriebenen Sound einlassen. Die Akustikgitarre und der reduziertere Sound stehen Engst deutlich besser als das Schülertheaterpunkkostüm.

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Das Album kann eingeordnet werden als wütendes Revolverheld, was nicht abwertend gemeint ist, sondern eher die Zielgruppe schärft. Spätestens, wenn man das Lied „Zu Hause“ hört, kann man diesen Vergleich nicht mehr leugnen.

Foto: Melanie Werner / Offizielles Pressebild

Fazit

2/10
· Sehr schwach

Mit "Schöne neue Welt" verspielen sich Engst im Einheitsbrei. Die Texte greifen mitunter spannende Themen auf, aber setzen sie in Abziehbild und Schulhofmanier um. Durch die pseudoironische Note und die Kalendersprüche wird leider der ausgespülte Sound auch nicht aufgefangen, sodass dieser Eindruck einer schönen neuen Welt wenig Aufmerksamkeit verdient.

Engst - Schöne neue Welt

Engst

Schöne neue Welt

Album

VÖ 30. Oktober 2020

cd · vinyl

Arising Empire

▶Tracklist 13 Songs
  1. 1Mein Problem
  2. 2Wieder da
  3. 3Keinen Meter
  4. 4Willkommen in Berlin
  5. 5Schlechtes Gewissen
  6. 6Alle tragen Schwarz
  7. 7Das ist nicht Hollywood
  8. 8Mitleid gibts umsonst
  9. 9Schöne neue Welt
  10. 10Zu Hause
  11. 11Denkst du noch an mich
  12. 12Die Hölle hat keinen Platz mehr
  13. 13Soll der Teufel
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Älteres ReviewLike Moths to Flames - No Eternity In Gold
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Foto: Melanie Werner / Offizielles Pressebild zu Engst

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