
Julia L. ist die zweite Julia im MoreCore-Bunde und ergänzt das Team gerne mit Rezensionen, News, Live-Berichten sowie kleineren und größeren Schreibarbeiten. Als Germanistin aus dem schönen Hessen ist sie ständig hin- und hergerissen zwischen “da ist ein grammatikalischer Fehler im Satz!” und “am liebste tät isch de ganze Tach nur hessisch babbele”. Tippt sie nicht gerade wie wild auf der Tastatur rum, um irgendetwas zu Papier zu bringen, findet man sie gerne mit ihrem Hund im Feld oder auf Shows und Konzerten im Rhein-Main-Gebiet. Für einige Bands fährt sie aber auch gerne mal nach NRW, Rheinland-Pfalz, Bayern oder Baden-Württemberg. Autofahren tut sie auch besonders gerne und hat dabei am liebsten gute Musik laufen. Leider will wegen der bei ihren Freunden verhassten “Schreimusik” kaum jemand mitfahren. Umso besser, denn dann hört niemand, wie schief sie mitsingt!
Like Moths To Flames können bislang vier Alben ihr Eigen nennen. Der fünfte Longplayer der US-Band erblickte nun ebenfalls das Licht der Welt. „No Eternity In Gold“ erschien erstmals über das neue Label UNFD. Während die Vorgängerwerk noch über Rise Records erschienen ist, fragt man sich natürlich jetzt zurecht – bedeutet der Wechsel der Plattenfirma zugleich auch ein Soundwechsel?
Bevor ihr euch die folgenden Minuten dieser Rezension widmet, können wir diese Frage ganz klar beantworten und Entwarnung geben: Nein, LMTF bleiben sich treu. Und das ist auch gut so.
Instagram Post
Da Fans von Metalcore und ähnlichen Richtungen die Qualität eines Albums gern an dessen „Härte“ messen, so fragt man sich manchmal, ob „härter“ auch gleich immer „besser“ bedeutet. So ist man auch auf den vergangenen Werken des Quartetts aus Columbus, Ohio ein wenig hin- und her gerissen. Wenngleich LMTF sich im Grunde immer treu blieben und Metalcore-Bretter lieferten, zeigten die letzten Platten hinsichtlich der Produktion zum Teil einige Schwächen. Nicht jedoch „No Eternity In Gold“.
Ob es mit dem Wechsel des Labels zusammenhängt oder ob die Mitglieder einfach gereift sind, können wir nicht sagen, doch die neue Platte der Kombo ist nicht nur ein Schritt nach vorne, sondern gleich drei. Und das in jeglicher Hinsicht.
Like Moths To Flames liefern auf „No Eternity In Gold“ feinste Genre-Kost
Mit „The Anatomy Of Evil“ startet die Platte schon zu Beginn ziemlich aggressiv durch. Der Songtitel ist Programm. Die Instrumente tragen den Song nach vorne und werden getrieben von den Screams von Frontmann Chris Roetter. Ein powervoller Einstieg ist hier schon mal gelungen. „Blegh“ inklusive!
„Habitual Decline“ wurde bereits vorab als Single veröffentlich und bietet das, was man von eingängigem Metalcore erwartet: Starke Strophen, die ordentlich „drauf hämmern“ und Singalongs im Chorus. Insbesondere in dem Track wird die stimmliche Range von Chris Roetter deutlich: Er wechselt zwischen Screams, Cleangesang und tiefen Growls, als bedarf es keinerlei Anstrengung.
In das Konzept „Vorwärts-in-den-Strophen-und-hymnisch-im-Refrain“ sind auch Stücke wie „Burn In Water, Drown In Flame“ oder „Fluroscent White“ einzuordnen. Letzterer überzeugt vor allem mit Tempo und einer interessanten Dualität im Gesang. Screams in verschiedenen Variationen und Cleangesang wirken hier, als würde sich Roetter mit sich selbst oder einer anderen Form seines Ichs unterhalten.
„YOTM“ (steht für „Year Of The Moth”) gehört zu den aggressiveren Stücken der Scheibe. Der Track erschien ebenfalls vorab als Single. Wieso wohl? „YOTM“ steht für „Year Of The Moth“, welches dieses unsägliche Jahr 2020 laut Philosophie darstellt. Ein Jahr, in dem der Mensch verstehen muss, dass er von der Natur abhängig und den Tieren (Motten) gar nicht so unähnlich ist. Und Like Moths To Flames? Nehmen sich den Titel als Slogan für das Jahr ihres neuen Albums.
Thematisch handelt „No Eternity In Gold“ von der Auseinandersetzung von Religion und Gesellschaft. Chris Rotter sagte dazu: „Religion war für meine Kindheit und Jugend überaus wichtig; ein Glaube, der mir eintrug, dass etwas Besseres geschehen würde. Als ich älter wurde, stellte ich fest, dass die Probleme, mit denen ich konfrontiert war, dadurch gelöst wurden, dass ich mich ihnen stellte – und nicht dadurch, dass ich mich auf eine größere Kraft verließ, um mich zu retten.“ Sich Problemen stellen. Auch etwas, das wir dieses Jahr aufs Neue lernen mussten und etwas, das uns hoffentlich nachhaltig stärken wird. Gesellschaftlich und persönlich.
Im „Core“ zu Hause
„God Complex“ ist ein – Achtung, Wortspiel – sehr komplexer Song. Verschiedene Tempi und Gitarrenriffs unterbrechen den Flow des Tracks ein bisschen und reißen einen immer wieder heraus. Trotz der hohen spielerischen Expertise ein Song, bei dem der Funke nicht ganz so überspringen will.
Atmosphärisch und damit doch etwas anders als der Rest der Tracks kommt „Demon Of My Own“ daher. Frontmann Chris Roetter hält sich hier stimmlich im Hintergrund und packt die Screams nur vereinzelt aus. Der Track passt zu verregneten Herbsttagen, an denen man sich der Melancholie hingibt. Der perfekte Soundtrack für solche Tage, wenngleich er die Stimmung sicherlich nicht besonders hebt.
Für etwas melodischere Klänge sei an dieser Stelle der temporeiche TRack „Killing What’s Underneath“ empfohlen. Das „Core“ schüttelt in diesem Track dem „Post-Hard“ die Hand. Wäre da nicht die metallische Songstruktur, die hauptsächlich durch Roetters Gesang definiert wird. Teils verwendete Double Bass in der Drumspur tun dem Tempo sein Übriges. Mein persönlicher Favorit der Scheibe.
Bieten Like Moths To Flames auf „No Eternity In Gold“ Abwechslung? Das kommt drauf an. Rein genre-technisch gibt es nicht viel zu diskutieren: LMTF liefern ein Metalcore-Brett mit Ausflügen in den Post-Hardcore. Die Bandmitglieder fühlen sich hier zu Hause und das merkt man. Abwechslung in Sachen Genre auf dieser Ebene wird also eher nicht geboten.
Thematisch und auf Ebene der einzelnen Stücke an sich bietet die Platte allerdings eine Menge Abwechslung. Hier gilt nicht das Motto „harder, faster, stronger“, sondern vielmehr die Idee, die Tracks der Platte technisch so fein auszuarbeiten, das kein Song dem anderen gleicht.
Jedes Stück muss im Einzelnen betrachtet und als eigene Geschichte gelesen werden. Und DAS ist genau das, was „No Eternity In Gold“ so abwechslungsreich macht.
Foto: Like Moths To Flames / Offizielles Pressebild
Fazit
Like Moths To Flames schaffen auf "No Eternity In Gold" sowohl eine persönliche als auch eine starke professionelle Weiterentwicklung, für die sich andere Bands oft selbst im Weg stehen. Die Kombo festigt ihren Namen in der Szene und macht klar, dass sie genau dort, wo sie steht, auch richtig aufgehoben ist. Ein hervorragend produziertes Album mit Mit"sing"-Hymnen, die das Herz eines jeden Metalcore-Freundes höherschlagen lässt.

▶Tracklist 11 Songs
- 1The Anatomy Of Evil
- 2Habitual Decline
- 3Burn in Water, Drown in Flame
- 4Fluorescent White
- 5God Complex
- 6YOTM
- 7Killing What's Underneath
- 8A Servant of Plague
- 9Demon of My Own
- 10Selective Sacrifice
- 11Spiritual Eclipse

