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Emarosa - Sting
ReviewAlternativeRock

Emarosa

Sting

Album

VÖ 27. Januar 2023Out of Line Musiccd · vinyl
Rodney Fuchs/27. Januar 2023
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R

Rodney ist unser wandelndes Musiklexikon. Als Drummer in seinen eigenen Bands sowie aushilfsweise dort, wo gerade Not am Manne ist, hat er zudem ein ausgeprägtes rhythmisches Verständnis. Apropos Rhythmus: Es ist uns schier unbegreiflich, wie er seine Tätigkeiten als Musiker, Booker, Redakteur und Photograph für drei Magazine, freier Journalist, Masterstudent, Food-Blogger, Wein-Connaisseur, Bowle-Barista, Freund und Liebhaber in seinem Tagesablauf untergebracht bekommt. Apropos Wein: Ein Best-of Rodneys wochenendlicher Sprachnachrichten ist zwar nicht geplant, aber auch nicht unwahrscheinlich.


Emarosa melden sich zurück und konsolidieren mit „Sting“ den Sound, den die Band 2019 bereits auf ihrem Album „Peach Club“ immer mehr forcierte. Gezwungen wirkt auf dem neuen Album aber gar nichts. Stattdessen entsteht ein stimmiges und authentisches Gesamtbild.

Der Sound, den „Sting“ offenbart, ist homogen und hat eigentlich nichts mehr mit Post-Hardcore zu tun. Stattdessen baut das Album auf funkigen, poppigen Alternative Rock, der mit „Preach“ direkt zeigt, wo seine Stärken liegen: in der Catchiness.

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Feel Good Start

„Preach“ ist eine gute Laune Song, der sich grooviger Bassline, rhythmischen Gitarren und soften Synthesizern von einer eher kuschligen Seite zeigt. All das erinnert stark an The 1975, lässt aber die teilweise etwas trägere und melancholische Seite der Briten außen vor.

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„Preach“ ist einfach verdammt gut geschriebener Popsong, der dezent rockig daher kommt und mit großartigen Vocallines davon überzeugt, dass Emarosa die Musik gefunden haben, die sie perfekt spielen können.

Die gewisse Portion Nachdenklichkeit und Melancholie zeigt sich aber spätestens in „Attention“, das die Stimme des Sängers Bradley in der Reichweite seiner Tonhöhe perfekt in Szene gesetzt und ähnlich gut funktioniert wie der Opener.

Emarosa mit Hitpotential

Mit „Stay“ zeigt sich ein weiterer Song mit Hitpotential. Ein Song, der super smooth daherkommt, was auch an den angenehmen Synthklängen des Tracks liegt. Mit treibendem Beat ist „Stay“ etwas lebendiger in seiner musikalischen Sprache.

Auch hier ist es der Bass, der für einen Groove sorgt und sich perfekt in das Klangbild mit den Vocals mischt. Dezent blitzen Post-Hardcore Wurzeln aus dem Chorus, der ein Momentum aufweist, das wie ein dezenter Break wirkt.

Spätestens, wenn Emarosa in „Stay“ ein Saxophonsolo offenbaren, ist die Parallele zu The 1975 kaum noch zurückzuhalten. Fast schon epigonal arbeitet man sich an der Ästhetik der Briten ab – dennoch kann man Emarosa keinen Vorwurf machen, denn was sie tun, funktioniert und klingt auch dank Sänger Bradley Walden anders.

Auch „Again“ folgt diesem Ansatz und hat einen Hitcharakter, der anderen Tracks auf „Sting“ etwas fehlt. Mit einem 80er Vibe, wie man ihn auch schon auf „Cinnamon“ hören konnte, treiben Emarosa nach vorne und liefern einen weiteren schnelllebigen Track.

Emotionale (Rock-)Balladen und Lückenfüller

„Forgiveness“ folgt dieser Ästhetik ebenfalls, wirkt aber weniger ausgereift und eher wie ein Interlude, das kaum heraussticht. Das mag auch an der knappen Länge von 2:23 liegen. Das folgende „INLA“ hingegen entpuppt sich als emotionale Ballade, die auf Klavierakkorden aufbaut und sich mit E-Gitarren Tremolo und einem richtigen Schlagzeug noch am ehesten in den Post-Hardcore Background der Band einreiht.

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Tatsächlich sind es größtenteils elektronische Drum Beats, die „Sting“ zu bieten hat. Umso schöner, dass sich die Bandbreite durch einen Track wie „INLA“ vergrößert. „Woman“ zeigt ebenfalls „richtige“ Gitarren ein knalligeres Schlagzeug mit Shuffle Beat, das dem Song etwas mehr Punch gibt. Backgroundsängerinnen heben den Refrain des Songs etwas von den anderen Tracks des Albums ab und geben dem Ganzen eine gewisse Soul Ästhetik, die so auf dem Rest des Werks nur nuanciert aufblitzt.

Durchweg groovy bleiben Emarosa ihrem musikalischen Prinzip treu

Zwischen all den Retro Sounds findet sich mit „Rush“ auch eine moderner anmutende Alternative Rock Perle auf dem Album. Etwas softer als Nothing But Thieves baut „Rush“ auf elektronische Drumbeats, die mit einem für Emarosas Verhältnisse aggressiven Synth für einen Michael Jackson-artigen Groove sorgen, der von der Bassline getragen wird.

Mit „Danger“ endet das Album so, wie es aufgehört hat. Viele Überraschungen gibt es nicht. Das Prinzip bleibt gleich. Ein guter Refrain, angenehm klingende Synths und ein unaufgeregter Beat. On top, der Gesang, der alles trägt.

Runde Nummer

Zwar ist „Sting“ kein perfektes Album, etwas zu homogen im Sound und liefert zu wenige Highlights, dafür überzeugt es mit dem, was es kann. „Sting“ könnte für manche ein perfektes Album zum Wachwerden, Wohlfühlen, Kuscheln, Autofahren oder Aufräumen und Putzen. Versteht das nicht falsch: gerade die treibenden Beats haben eine motivierende Wirkung.

Die allgemeine Klangästhetik fühlt sich teils an wie in Watte gepackt und lädt zum Einlullen ein. Wie man die Musik von Emarosa nutzt, ist euch letztlich selbst überlassen – vorausgesetzt, sie gefällt. Easy Listening ist das Album allemal.

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Foto: Emarosa / Offizielles Pressebild

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Fazit

7.5/10
· Sehr stark

Irgendwo zwischen atmosphärischem Post-Rock, 80er Jahre Synth Pop und modernem Alternative Rock befindet sich „Sting“. Emarosa haben den nächsten logischen Schritt in ihrer musikalischen Transformation vollzogen und klingen dabei so rund, wie nie zuvor. Fans der alten Tage werden die Band möglicherweise nicht mehr wiedererkennen. Dafür gelingt ihnen eine musikalische Bandbreite, die sich neuen Zielgruppen öffnet und fernab aller Genrediskussionen einfach verdammt gut geschrieben und produziert ist.

Emarosa - Sting

Emarosa

Sting

Album

VÖ 27. Januar 2023

cd · vinyl

Out of Line Music

▶Tracklist 10 Songs
  1. 1Preach
  2. 2Attention
  3. 3Stay
  4. 4Cinnamon
  5. 5Forgiveness
  6. 6Inla
  7. 7Again
  8. 8Woman
  9. 9Rush
  10. 10Danger
Streamen
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Emarosa·Alternative·Rock

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Emarosa

USASeit 2006

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