Lisa Kaiser
Mit ihrem chaotisch-humorvollen Rap-Rock/Nu-Metal-Sound haben sich Silly Goose in den vergangenen zwei Jahren einen Namen gemacht. Ihre Bühne? Fast-Food-Ketten oder Tankstellenplätze. Nu Metal ist aufsässig und wild. Das hat das Trio aus Atlanta mit ihren Auftritten sowie ihrer Debüt-LP „The Street Heard It First“ (2022) bestätigt. Nachdem Silly Goose im vergangenen Jahr mit ihrer EP „Bad Behavior“ die Zusammenarbeit mit dem Label Blue Grape Records feierten, folgt diesen Freitag mit „Keys To The City“ ein brandneues Studioalbum. Ihre zweite LP soll laut Fronter Jackson Foster „härter und wütender“ klingen als ihr Debüt. An sich kein schlechter Ansatz! Ob dieser auch umgesetzt wurde, erfahrt ihr in dieser Rezension.
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Silly Goose laden in den Wilden Westen ein
Um es direkt vorwegzunehmen: Die erste Hälfte von „Keys To The City“ macht Spaß. „Cowboy“ startet mit dem, was Silly Goose am besten können: Harte Riffs und Turntable-Sounds treffen auf beatlastige Rap-Strophen, die den Kopf mitwippen lassen. Auch wenn der cleane Refrain kurz auf die Bremse drückt, fräst sich der energiegeladene Rap-Part schneller zurück, als Lucky Luke schießen kann (Sorry, für den Joke). Danach greift „Neighbors“ das Schema auf, setzt jedoch stärker auf die melodische Gitarre. Als „klassischer Party-Hit“ – wie ihn Foster betitelte – bietet die Single ausreichend Singalong-Zeilen, dafür aber weniger Druck im Refrain.
Das Trio baut ihr Album allerdings auf einem Spannungsbogen auf. Während anfänglich mit dem Refrain ein wenig Ruhe einkehrt, wird mit „Traffic“ und dem Titeltrack „Keys To The City“ das Tempo nach oben geschraubt. Beide Songs sind groovig in den Strophen, schlagen jedoch im Refrain mit voller Wucht zu. Vor allem der Titeltrack lässt erstmals die Wut spüren, die Foster anfänglich angepriesen hat. Gerade live dürfte der Track den Moshpit in Wallung bringen.
Vom Wilden Westen, zur Dinosaurierer-Attacke
In der Mitte angekommen, markieren „The Great Dino Escape“ und „Now Dance“ den Höhepunkt des Albums. Rhythmisch prescht „The Great Dino Escape“ nach vorne und enthält neben harten Riffs auch verspielteste Elemente, wie Soundeffekte. Ein chaotischer Track mit humorvollen Lyrics in charakteristischer Silly G-Manier. Direkt danach zeigt „Now Dance“, wie Chaos und Struktur ineinandergreifen: raue Screams und ein cleaner Refrain, der allerdings aggressiv und eingängig zugleich ist.
Die zweite Hälfte drückt auf die Bremse
Nachdem der Spannungsbogen seinen Höhepunkt erreicht hat, fahren Silly Goose im letzten Drittel einen Gang runter. „Give Me My Money“, „Playin’ Games“ und „Split“ sind düsterer, teils beatgetriebener sowie melodischer. „Playin’ Games“ liefert ein frisches Zusammenspiel von groovigem Bass und harten Gitarren-Riffs, über die sich der wütende Rap Fosters legt. Der Song „Split“ glänzt mit einem melodischen Refrain, in dem die Band das Gefühl beschreibt, noch nicht bereit zu sein, weiterzumachen. Während der groovige Beat und die Turntable-Sounds den Sound der 00er wiederaufleben lassen, schwingt der Song am Ende in einen chaotischen Breakdown über, der von einem scharfen Scream eingeleitet wird. Dabei greifen die Elemente gut ineinader, was das Chaos im Zaum hält.
Zum Abschluss drehen Silly Goose noch einmal auf und liefern mit „Heart Attack“ einen der wütendsten Tracks auf „Keys To The City“. Dieser fängt den düsteren Groove des letzten Drittels ein und endet dennoch in dreckigen Screams.
Insgesamt liefern uns Silly Goose mit „Keys To The City“ eine Erweiterung ihres bisherigen Sounds. Schnelle Raps, harte Riffs und wütende Screams, verpackt im Schleier des 2000er Nu Metal-Sounds. Ist das Album „härter und wütender“? Ja, Silly G treiben ihren Signature-Sound an eine neue Spitze – große Ausreißer von dem, was Fans kennen, bietet „Keys To The City“ allerdings nicht.
Foto: Silly Goose / Offizielles Pressebild
Fazit
Silly Goose bleiben sich auf "Keys To The City" treu und liefern 2000er Rap-Rock, wie Fans ihn kennen. Insgesamt ist das Album von Anfang bis Ende gut strukturiert - weniger Chaos, doch der chaotische Rage-Sound ist trotzdem zu finden. Vor allem die erste Hälfte der Platte zeigen sich Silly Goose in all ihren Facetten, sodass die Tracks durch die Vielseitigkeit von Härte und Groove besonders Spaß machen. "Cowboy", der Titeltrack "Keys To The City" und "Now Dance" sind die Highlights der Platte.

▶Tracklist 12 Songs
- 1Intro
- 2Cowboy
- 3Neighbors
- 4Traffic
- 5Keys To The City
- 6Dino Interlude
- 7The Great Dino Escape
- 8Now Dance
- 9Give Me My Money
- 10Playin‘ Games
- 11Split
- 12Heart Attack
