
Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
Stellt euch einen Raum voller Instrumente vor. Vom Standardbesteck über verschiedenste Trommeln bis hin zu verrückten Synths ist alles dabei. Und dann füllt man diesen Raum mit mehreren musikbegeisterten Menschen, die viel Begeisterung und Neugier mitbringen. Menschen, denen es primär darum geht, einfach nur Musik des Machens wegen zu machen und die vielseitigen Möglichkeiten der Klangerzeugung bis aufs Äußerste zu erkunden. Dieser Art des Musizierens liegt eine gewisse Spontanität und Unvoreingenommenheit inne, die man wahrscheinlich gar nicht so einfach im Studio einfangen könnte. Ihr siebtes Album “Please” werden die Beatsteaks auch kaum so geschrieben haben – dennoch stellt sich beim Hören ein Gefühl von genau diesem Setting ein.
Es hat sich so Einiges angestaut bei den Berliner Rocklegenden, die mit großen Schritten auf ihr 30-jähriges Bandjubiläum zusteuern. Einige Zeit ist seit ihrem letzten Longplayer “Yours” (2017) vergangen und der Klangerzeugungsdrang des Quintetts scheint trotz zwischenzeitlicher Singles und EPs bei Weitem nicht ausgereizt zu sein. Anders kann man sich das, was die Band bei ihrer groß angelegten Recording Session im Berliner Columbia Theater kreiert haben, eigentlich kaum erklären. Ihr neuester Langspieler sprüht vor so vielen kreativen Ideen und so viel Spielfreude, dass man den musikalischen Wirkungsbereich kaum gescheit abstecken kann. Vom Ansatz her erinnert “Please” schon fast an Platten von The Clash oder The Cure, klingt aber absolut modern.
Die Beatsteaks erzeugen ein außergewöhnliches Hörerlebnis
Die gut gewählten Singles schaffen es, die verschiedenen Seiten des Albums zumindest in Ansätzen zu repräsentieren. Während “Detractors” definitiv die punkigen Wurzeln der Band durchscheinen lässt, zeigt das groovige “Dead Man” mehr ihr Gespür für starke und radiotaugliche Hooks. “Traumschiff” schlägt zwar in eine ähnliche Kerbe, erweckt aber gerade im vertrackten Endpart echtes Jamsession-Feeling und formt einen schönen Gegenpol zu den durchkalkulierteren Momenten der Platte. Die wahrscheinlich größte Stärke im Songwriting bildet die Fähigkeit der Beatsteaks, ihre Songs nicht um zu viele Motive zu spinnen und sich auf einfache Akkordstrukturen und Rhythmen zu besinnen. Die spärlich eingesetzten Ausbrüche daraus erzeugen so eine größere Wirkung.
Instagram Post
So viel Spaß es macht, die vielen großen und kleinen Ergebnisse ihrer Experimentierfreudigkeit zu erschließen: Leider mögen sich nur wenige der Songs so richtig im Kopf festsetzen. So hätte man sich hier und da noch ein bisschen mehr Griffigkeit und Eingängigkeit wünschen können. Songs wie “Katharina” werden zudem durch den exzessiven Hall auf den Vocals sowie eine leichte Überladenheit ins Straucheln gebracht. Schlussendlich will sich “Please” einfach viel mehr durch Außergewöhnlichkeit als über Zugänglichkeit auszeichnen – so gut die Beatsteaks auch auf dieser Ebene überzeugen können. Und gerade die klangliche Vielfalt ist es, die dazu führt, dass man trotzdem auf voller Länge große Freude am neuesten Streich der Berliner hat.
Foto: Timmy Hargesheimer / Offizielles Pressebild
Fazit
Die Beatsteaks sind zurück und bringen uns kurz vor ihrem 30. Geburtstag endlich ihr langersehntes siebtes Album “Please”. Darauf lassen die Berliner die Grenzen zwischen Rock, Pop und Funk verschwimmen und strahlen in den elf Songs eine gewisse Impulsivität und Experimentierfreudigkeit aus, die ohne Umschweife ein breites Grinsen beim Hörenden hervorruft. Auch wenn das Quintett schon mit den Vorabingles ihr stärkstes Pulver verschießt, tragen die Verspieltheit und das Klangreichtum der Songs den Rest der Platte fast wie von alleine.

