
Lisa Scholz
Wem Schlagzeug zu spielen nicht genug ist, sucht er sich eben neue Herausforderungen. Das scheint sich zumindest JJ Tartaglia gedacht zu haben, der unter anderem bei den Metallern von Skull Fist hinter der Schießbude sitzt. Kurzerhand verbesserte er seinen Gesang und rief mit seinem Band-Kollegen Jonny Nesta eine neue Band ins Leben: Thunderor. Gemeinsam mit Oscar Rangel (Ex-Annihilator) starteten sie 2020 die Arbeiten an ihrem Erstlingswerk.
Instagram Post
Mit dem titelgebenden „Fire It Up“ feuern die Mannen direkt gut los und es ist sofort klar, was uns auf der gleichnamigen Platte erwartet: 80s Heavy Rock par excellence. Geballte Gitarren-Power gepaart mit Keyboards trifft auf hohen Gesang. Eingeleitet wird der erste Track des Debüt-Langspielers von Thunderor mit dem kräftigen Start-Röhren eines Motorrads. Damit ist dann auch das grobe Thema des Albums klar. Auf geht die Fahrt ins wilde Abenteuer.
Männer, Maschinen, Metal
Weiter geht’s mit „How We Roll“, den die Mannen als allererste Auskopplung veröffentlicht haben. Auch wenn der Song etwas langsamer ist als der vorherige, sind sich die beiden klanglich, stilistisch und thematisch doch sehr ähnlich, denn wieder ruft der Highway. Die Single kommt übrigens direkt mit einem Musikvideo daher, das für die Canadian Independent Music Video Awardsin der Kategorie „Bestes Metal Musikvideo“ nominiert ist.
Produziert hat den Clip der Bollywood-Filmemacher Sehz Aulakh vor einem Greenscreen. Fertiggestellt wurde das Ding mit jeder Menge visueller Effekte, kombiniert mit Real-Aufnahmen, wie das Trio auf ihren Motorbikes durch die Gegend cruist.
Setzen Thunderor alles auf eine Karte?
Bei „All or Nothing“ kommen ausgefeiltere Gitarren-Parts zum Einsatz, die das Heavy Metal-Herz höherschlagen lassen. Außerdem treten die Gesangsanteile zugunsten von rhythmischen Bass-und Schlagzeug-Parts zurück, was zwischendurch auch nicht schadet.
Bei „Dangerous Times“ heißt es: volle Synthie-Power voraus. Klingt gefährlich? Funktioniert aber wunderbar. Der Track hat leichte „Final Countdown“-Momente –80s pur! Hier ist der Gesang weniger prägnant, passt aber wunderbar zum melodischen Gesamtpaket.
Instagram Post
Härter geht es beim Namensgebenden Song „Thunderor“ zu. Schneller, härter, warum also nicht lauter aufdrehen? JJs Stimme klingt bei diesem Stück weniger hoch und schrill, außerdem knallen die Gitarren-Riffs ganz ordentlich. Zudem darf ein kurzes Schlagzeug-Solo nicht fehlen. Insgesamt lädt der Track mehr zum Headbangen ein als die Vorgänger-Stücke. Im Anschluss geht es mit „On The Run“ musikalisch zum Anfang der Scheibe zurück. Allerdings treibt die Gitarre noch ein bisschen mehr voran.
80er-Jahre Vibes
Bei einem rein instrumentalen Song lassen uns Thunderor kurz durchatmen. „Into the Storm“ leitet das letzte Drittel des Drehers ein. Der Song fällt mit gut eineinhalb Minuten kürzer aus als die anderen Tracks auf „Fire It Up“, die zwischen vier und fünfeinhalb Minuten lang sind.
Während Skull Fist mit ihrem dreckigen Sound und der Schnelligkeit der Songs mehr in Richtung Speed Metal tendieren, sind im neuen Projekt von JJ Tartaglia und Jonny Nesta deutlich die 80s Hard Rock Einflüsse hörbar. Ein Parade-Beispiel dürfte das nächste Stück namens „We Can Make It“ sein.
Zum Abschluss des Albums wird es ruhiger. Auf der Piano-Ballade „Cold Tears“ glänzt der ursprüngliche Schlagzeuger mit klaren und sauber gesungenen Vocal-Parts, welche die schöne Keyboard-Melodie unterstützen. Dank galoppierender Saiteninstrumente nimmt der Track noch Fahrt auf. Hier profitiert die Kombo von der Thrash-Metal-Erfahrung des Bassisten Oscar Rangel. Mit Dudelsack-Anleihen schreitet der Song energiegeladen bis zum truen Heavy-Höhepunkt voran. Ein gelungener Abschluss für ein gutes Album von Thunderor.
Foto: Rae-Chatten / Offizielles Pressebild
Fazit
Thunderor geben auf ihrem Debüt-Album ordentlich Gas. Im Zentrum steht das Lebensgefühl eines Bikers, der auf der Suche nach Abenteuer, Gefahr und auch Liebe durch die Welt brettert. Nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch greifen die Mannen dadurch Motive des 80er-Jahre Heavy Metals auf. Mit treibenden Gitarrenriffs, galoppierenden Bass-Lines, rhythmischen Drums und vor allem den hohen Vocals lässt das Trio die Musik vergangener Jahrzehnte aufleben. Die prägnante Stimme des Drummers JJ Tartaglia dürfte sowohl ein Wiedererkennungsmerkmal sein als auch ein Aspekt, an dem sich die Geister scheiden.

▶Tracklist 9 Songs
- 1Fire It Up
- 2How We Roll
- 3All Or Nothing
- 4Dangerous Times
- 5Thunderor
- 6On The Run
- 7Into The Storm
- 8We Can Make It
- 9Cold Tears