
Damals noch für den eigenen Musikblog geschrieben, entschied sich Maik 2015 bei MoreCore anzuheuern und nahm unseren Jonas gleich mit. Mittlerweile kümmert er sich als Redakteur um den Bereich "Features und Interviews", legt auf unseren MoreCore Partys auf, betreibt mit Linn unseren Podcast "Kerngeschäft" und ist auch immer mal wieder vor der Kamera bei MCTV zu sehen. Im Team gilt er insgeheim als das sympathische Multitalent. In seiner Freizeit sammelt er Schallplatten, schaut so ziemlich jedes Fußballspiel und isst für sein Leben gerne Pizza.
Kontinuität? Das scheint ein Begriff zu sein, den Citizen gerne meiden, zumindest wenn es um den eigenen Sound geht. Hatte man sich vor zehn Jahren durch den Genre-Klassiker „Youth“ (2013) noch in die Herzen aller Fans der damaligen Emo meets Grunge-Welle gespielt, so ist man 2023 weit weg von den Herzschmerz-Klängen vergangener Tage. Mit „Calling The Dogs“ präsentiert das Quintett das mittlerweile fünfte Studio-Album und stellt seine Fans mal wieder ordentlich auf die Probe.
Im Interview betonte Sänger Matt Kerekes, dass ihn die Musik inspiriere, die er im jeweiligen Moment des Songwritings gerade höre. Im Falle von „Calling The Dogs“ sei es ein energischer Upbeat-Sound, der momentan das widerspiegeln solle, was Citizen gerade sei.
Schon der Opener „Headtrip“ unterstreicht diese Aussage und zeigt zugleich, dass man damit gar nicht so weit entfernt vom Vorgänger „Life In Your Glass World“ (2021) liegt, der ebenfalls einige tanzbare Indie-Ausflüge wagte und damit auch zu überzeugen wusste. Auf dem neuen Album lehnen sich Citizen noch weiter in diese Richtung und haben dadurch zuweilen mehr mit Bands wie Bloc Party oder Nothing But Thieves gemein als mit den üblichen Referenzen wie Basement oder Title Fight, wobei diese Vergleich ohnehin schon lange hinken.
Citizen: Starke erste Hälfte und obskure Übergänge
„Hyper Trophy“ und „If You’re Lonely“, die beide je als Single vorab veröffentlicht wurden, sind echte Hits, die allerdings einige Anläufe brauchen, um sich dann endgültig festzusetzen. Überhaupt ist die erste Hälfte von „Calling The Dogs“ sehr stark und sorgt durch Tempi-Wechsel für genügend Abwechslung im insgesamt rohen und auf das nötigste beschränkte Klanggebilde. Hierzu hatten sich Citizen bewusst für eine analoge Produktion entschieden, die dem Garage-/Indie-Sound die nötige Authentizität liefert und sich auch wirklich gut anhören lässt.
Auf den einen oder anderen Vocal Delay hätte man aber getrost verzichten können, wirkt dieser Effekt auf Dauer dann doch etwas repetitiv. Kerekes gab hier zu verstehen, dass er diese Elemente einfach ziemlich cool fände und man hierdurch bewusst Lücken fülle. Letztere merzt man jedoch gekonnt am Ende einiger Songs aus, indem man auf Interlude-artige Übergänge setzt, was auch als kleine Referenz zu „Everybody Is Going To Heaven“ (2015), dem zweiten Album der Band, zu verstehen sei. Diese muten teils aber etwas obskur an und erinnern hier zum Beispiel an Brand New’s „Science Fiction“.
Wie viel bleibt wirklich hängen?
„Dogs“ ist der vergleichsweise härteste Song der Platte, wenn sich Kerekes in der Bridge bissig gibt und ein paar Shouts zum Besten gibt, während „When I Let You Down“ nach vorne jagt und einen im Angel Du$t-Stile regelrecht auf die Tanzfläche zieht. Leider schrammt der Gesang hier ganz nah am Nerv-Faktor vorbei und könnte dem einen oder anderen Zuhörenden dann doch zu einfallslos wirken. Das ist auch ein Eindruck, der sich hier und da durch die Songs ziehen, bekommt man doch sehr viel vom „energischen Upbeat Sound“ geboten, der so manche Songs weniger in Erinnerung behalten lässt als andere. So bricht „Options“ hier zum Ende nochmal aus und liefert die Prise Melancholie, die man von Citizen doch so gerne hört, klanglich aber auch den dichteste Geflecht liefert, bevor „Takes One To Know One“ erneut um die Tanzschuhe bittet.
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Damit liefern Citizen ein alles in allem gutes, aber auch nicht sonderlich spektakuläres Werk ab, das bewusst als Album gehört werden will – gerade um die Übergänge zwischen den einzelnen Songs wirklich zu verstehen. Inwieweit „Calling The Dogs“ tatsächlich auch dauerhaft in Erinnerung bleibt, ist dagegen fraglich. Dafür fehlen dann doch die ganz großen Hits, die einen die Rückkehr aufzwingen. Am Ende erwischt man sich dann doch dabei lieber in ältere Werke hören zu wollen.
Foto: Tracy Nguyen / Offizielles Pressebild
Fazit
Citizen liefern mit "Calling The Dogs" ein solides bis gutes fünftes Album, das einen überwiegend nicken und tänzeln lässt. Dabei vermisst man aber die ganz großen Kracher, die die Band für gewöhnlich zu liefern weiß.

▶Tracklist 11 Songs
- 1Headtrip
- 2Can't Take It Slow
- 3Hyper Trophy
- 4If You're Lonely
- 5Lay Low
- 6Needs
- 7Bad Company
- 8Dogs
- 9When I Let You Down
- 10Options
- 11Takes One To Know One
