Mauritz Hagemann
Ordentlich, pünktlich und strukturiert – nach den Release-Dates unserer Vorzeige-Deutschen von KMPFSPRT kann man die Uhr stellen. Seitdem die Band vor über zehn Jahren aus der Asche von Fire In The Attic auferstanden ist, hat sie uns in schöner Regelmäßigkeit alle zwei Jahre mit neuer Musik versorgt. Da es 2020 allerdings „nur“ für die Self-titled 7-inch mit einer Spielzeit von gut zehn Minuten reichte, dürften Fans „Euphorie und Panik“ – Studioalbum Nr. 4 – besonders sehnsüchtig erwartet haben.
KMPFSPRT starten die Party
Und wenn es eines ist, worauf man sich bei KMPFSPRT neben den Release-Dates verlassen kann, sind es die immer wieder kreativen Songtitel, die das intellektuelle Niveau der Platten regelmäßig in Sphären schießen lässt, die sogar die Spitze des Kölner Doms neidisch machen dürften. Auch musikalisch eröffnet das „Let’s start today“ von Sänger Richard Meyer die Platte genauso, wie wir es kennen und erwartet haben. Schon im Opener „Scherben, Stein, Papier“, der als Midtempo-Nummer daherkommt, wird aber deutlich, dass der Sound im Gegensatz zu früheren Veröffentlichungen natürlicher und nicht mehr ganz so glatt wirkt.
Instagram Post
Das könnte nach Aussage von Gitarrist David Schumann unter anderem daran liegen, dass er wieder mehr Songs im Proberaum statt auf dem heimischen Sofa geschrieben hat. Einen wesentlichen Anteil dürfte auch die Entscheidung haben, das Album im Tonstudio 45 von Kurt Ebelhäuser (Blackmail) aufzunehmen. Ohne den „alten“ KMPFSPRT-Sound schlechtreden zu wollen – auf „Euphorie und Panik“ klingt die Band angenehm erfrischend, was nach zwei Jahren Live-Pause ein wahrer Segen ist.
Mehr Punk als Alternative – passend dazu wird das Gaspedal in „Punk muss sich wieder lohnen“ auch deutlich fester gedrückt. Das tut dem Song sehr gut, aber eine Zeile wie „Erfolg ist gar nicht schwer, er wiegt nur ein Instagram(m)“ ist dann vielleicht doch etwas zu viel des Guten. Immerhin sind wir noch ganz am Anfang der kölschen Wortspiel-Achterbahn. Andererseits – gerade diese Wortspiele sind nun einmal das Markenzeichen der Band und in der Folgezeit dosiert man die ganz platten Witze auch sehr moderat.
Die volle Ladung gibt es hingegen an Mitsing-Refrains: Zum Beispiel sowohl im schon vorab als Single veröffentlichtem „Vom Augenwischer zum Millionär“ als auch in „Anti-Manifest“. Man könnte der Band sicher vorwerfen, dass das ein oder andere Thema auch schon von früheren Platten behandelt wurde. Den Innovationspreis wird auch „Euphorie und Panik“ daher trotz aller Neuerungen wohl eher nicht erhalten.
Doch dass KMPFSPRT auch im Jahr 2022 eine Band ist, die sehr genau gesellschaftliche Entwicklungen beobachtet und verarbeitet, zeigen sie in unter anderem „Schottergarten Eden“. Die Abrechnung mit allen erbärmlichen Ausflüssen sogenannter Querdenker ist sicher nicht das musikalische Highlight der Platte, aber eine klare und wichtige Botschaft, die dann textlich auch genau so direkt vermittelt wird wie diese Leute es brauchen. Danke dafür!
Ein Spagat zwischen Punkrock, Wortspielerei, Gesellschaftskritik & guter Laune
Apropos musikalisches Highlight: „Löwen-Emoji“ ist vielleicht der softeste KMPFSPRT-Song ever, doch die Bläsersektion von 100 KILO HERZ und viel lyrischer Herzschmerz sorgen schnell für Gänsehaut. Die verschwindet dann aber bei düsteren Songs wie „Per Anhalter durch die Dystopie“, dem noch düsteren Rausschmeißer „Regen wie der Lärm von Zügen“ oder einem Song wie „Schwanenkampf“, der zumindest hin und wieder Ausreißer in Richtung Hardcore Punk wagt, ganz schnell wieder.
Und was bleibt nach 12 Songs und 36 Minuten neuer Musik von KMPFSPRT? Zuerst einmal die Erkenntnis, dass vier Jahre Wartezeit endlich vorbei sind, dass das Zusammenspiel der beiden Sänger Richard und David noch einmal perfektioniert wurde und dass KMPFSPRT auch auf Studioalbum Nr. 4 den Spagat zwischen Punkrock, Wortspielerei, Gesellschaftskritik und guter Laune wieder einmal ziemlich gut gemeistert hat. Und wer das nicht so sieht, kann sich ja den Querdenkern anschließen und KMPFSPRT schon einmal Futter für Album Nr. 5 liefern.
Foto: Patrick Essex / Offizielles Pressebild
Fazit
Zwischen "Euphorie und Panik" passt eine ganze Menge an Gefühlen und Gedanken. KMPFSPRT schaffen es wieder einmal, diesen Platz bis zur allerletzten Ecke zu füllen. Und zwar mit der richtigen musikalischen und lyrischen Mischung aus Altbewährtem und Innovation. Am Ende trifft es der Titel des Albums dann schon sehr gut: Euphorie für dieses Album - Panik, weil es jetzt wieder eine ganze Weile bis zum nächsten Album dauert. Aber die Wartezeit kann man ja überbrücken *press Repeat*.

▶Tracklist 12 Songs
- 1Scherben, Stein, Papier
- 2Punk muss sich wieder lohnen
- 3Vom Augenwischer zum Millionär
- 4Anti-Manifest
- 5Schottergarden Eden
- 6Löwen-Emoji
- 7Per Anhalter durch die Dystopie
- 8Auf den Schultern von Giganten
- 9Schwanenkampf
- 10Kein Signal
- 11Theatersterben
- 12Regen wie der Lärm von Zügen


