Rodney ist unser wandelndes Musiklexikon. Als Drummer in seinen eigenen Bands sowie aushilfsweise dort, wo gerade Not am Manne ist, hat er zudem ein ausgeprägtes rhythmisches Verständnis. Apropos Rhythmus: Es ist uns schier unbegreiflich, wie er seine Tätigkeiten als Musiker, Booker, Redakteur und Photograph für drei Magazine, freier Journalist, Masterstudent, Food-Blogger, Wein-Connaisseur, Bowle-Barista, Freund und Liebhaber in seinem Tagesablauf untergebracht bekommt. Apropos Wein: Ein Best-of Rodneys wochenendlicher Sprachnachrichten ist zwar nicht geplant, aber auch nicht unwahrscheinlich.
Dass Schweden seit jeher guten Metal zu Tage bringt, ist kein Geheimnis. Dass Gitarrist, Schlagzeuger und Producer Buster Odeholm (thrown, Humanity’s Last Breath und Vildhjarta) einen großen Einfluss auf die Entwicklung des schwedischen Metals hat, ist ebenfalls kein Geheimnis. Gemeinsam mit Allt hat er nun ein Album produziert, das die Speerspitze des schwedischen Metalcores mühelos erklimmen kann.
Allt mit bombastischem Auftakt
Gewohnt explosiv und drückend beginnt “From The New World” mit einem cineastischen Intro, das schnell in die düstere Tiefe zieht. Allt gelingt es, einen Vibe aufzubauen, der gleichermaßen bedrückend wie umwerfend klingt und auf voller Breite einschlägt. Es wundert nicht, dass „Remnant“ nahtlos daran anschließt. Mit groovigem Metalcore und dezenten Djent-Einflüssen sind Allt zurück bei alter Stärke.
Mit brachialen Breakdowns, die voller Wucht einschlagen trumpfen Allt in Höchstform auf. Das zeigt sich in Tracks wie „Aqulia“, der mit dezent progressiven Elementen catchy bleibt. Aber auch „Echoes“, der trotz seines eingägigen Refrains unfassbar heavy ist, was sich zuvor bereits auch bei „Memory Of Light“ zeigt. Mit harten Grooves, die an Humanity’s Last Breath erinnern, überzeugt der Auftakt des Albums auf voller Linie.
Modernität
Was weniger überzeugt, sind moderne Spielereien wie Drum’n’Bass Samples, Rap-Einlagen oder Trap-Beats („The Orphan Breed“). Produktionstechnisch tragen diese Elemente zur Modernität des Sounds bei, wirken jedoch teils auch etwas unnötig und geben dem durchweg starken Sound nur wenig Originalität. Um es anders auszudrücken: Die Tracks würden auch ohne diese Elemente bestens funktionieren.
Viel zu sehr überzeugt der Sound der Schweden, wenn sie sich auf ihre Trademarks konzentrieren. So kann „Dissect Yourself“ mit Blast Beats überraschen und bringt Tempo in ein Album, das vor allem durch einen Laidback Vibe und Mid Tempo Grooves hervorsticht. Dass der Track in knapper Kürze präsentiert wird, kommt der Dramaturgie dabei zu Gute.
Allt mit großem Momentum
Große Refrains inmitten bombastischer Breaks sind am Ende des Tages das, womit Allt großen Eindruck schinden. Versucht man „From The New World“ zu kategorisieren, landet man irgendwo zwischen der Atmosphäre und dem Groove von TesseracT, den besten Zeiten von Architects und einem modernen Take auf Metalcore. Ein Paradebeispiel für diesen Sound findet sich in „Emanate“ und „Cycles“, die mit gutem Refrain auftrumpfen und eine gute Umschreibung des typischen Allt-Sounds darstellen.
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Foto: Aslak Junttu / Offizielles Pressebild
Fazit
„From The New World“ lässt sich, in eine satte Produktion gepackt, bestens verkaufen und ist ein wahres Aushängeschild für guten Metalcore im Jahr 2024. Allt sprengen keine Genregrenzen und überzeugen auch nicht mit großer Experimentierfreude oder wahrlich progressiven Ansätzen. Was Allt geschaft haben, ist aber ein rundum überzeugendes Album, das Fans von modernem Metalcore viel Freude bereiten wird und viele andere Metalcore-Bands mit subtiler Progressivität in den Schatten stellt.

▶Tracklist 10 Songs
- 1A Flash Of Light
- 2Remnant
- 3Aquila
- 4Memory Of Light
- 5Echoes
- 6The Orphan Breed
- 7Dissect Yourself
- 8Emanate
- 9Ephemeral
- 10Cycles
