
Damals noch für den eigenen Musikblog geschrieben, entschied sich Maik 2015 bei MoreCore anzuheuern und nahm unseren Jonas gleich mit. Mittlerweile kümmert er sich als Redakteur um den Bereich "Features und Interviews", legt auf unseren MoreCore Partys auf, betreibt mit Linn unseren Podcast "Kerngeschäft" und ist auch immer mal wieder vor der Kamera bei MCTV zu sehen. Im Team gilt er insgeheim als das sympathische Multitalent. In seiner Freizeit sammelt er Schallplatten, schaut so ziemlich jedes Fußballspiel und isst für sein Leben gerne Pizza.
Wenn man über eine Band wie Quicksand spricht (oder schreibt), kommt man nicht drum herum, sich auch mit deren Historie zu beschäftigen. Diese ist im Falle Quicksand nämlich besonders interessant: Kaum eine andere Band ebnete Anfang der 90er den Weg für den Post-Hardcore und beeinflusste damit Bands von den Deftones bis zu Thursday.
Eine kleine Reise durch die Bandgeschichte von Quicksand
1990 unter anderem von Walter Schreifels (Gorilla Biscuits, Youth Of Today, Rival Schools) und Sergio Vega (Deftones) gegründet, bewegten sich Quicksand mit ihrem Debüt-Album “Slip” (1993) weg vom musikalisch doch limitierten Hardcore hin zu einer Metal-lastigen, zugleich aber melodischen Richtung, die eben auch Einflüsse von The Cure, Joy Division oder The Smiths mitnahm. Diese stand zwar nicht in Konkurrenz zum damals alles überragenden Grunge, wählte aber eben einen etwas anderen Weg um Themen wie toxische Beziehungen, zerrüttete Familien und gesellschaftliche Missstände anzusprechen.
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Nach ihrem zweiten Major-Release (“Manic Compression”) 1995 und unzähligen Shows mit Fugazi, Rage Against The Machine, Helmet oder Anthrax zollte die Band dem schnellen “Aufstieg” Tribut und trennte sich im selben Jahr aufgrund interner Differenzen. Rückblickend betrachtet war dies sicher einer der Knackpunkte, der mit dafür sorgte, dass Quicksand bis heute nur in Fachkreisen die Anerkennung bekommen, die sie zweifellos verdient haben.
Ende der 90er und Anfang der 2010er fügte sich das Quartett jeweils für ein kurzes Comeback zusammen, um dann 2017 mit “Interiors” ihr drittes Album und 2018 eine EP (“Triptych Continuum”) zu veröffentlichen und damit die Kritiker zu verzücken.
Zum Glück entschied sich die Band um Mastermind Walter Schreifels, der unter anderem auch als Produzent mit Hot Water Music oder Title Fight zusammengearbeitet hat, dass man anschließend nicht erneut Jahrzehnte vergehen lassen wollte, um weitere Musik zu veröffentlichen. Ein Umstand, der sich für Fans absolut lohnt, denn “Distant Populations” ist ein wahrlich starkes Album.
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Musikalisch bleibt sich die nach dem Ausstieg von Gitarrist Tom Capone mittlerweile auf ein Trio geschrumpfte Band treu und profitiert erneut von einer gewohnt exzellenten Produktion von Will Yip, dem man diese auch schon bei “Interiors” anvertraute.
Abwechslungsreich und fordernd
Verglichen zum Vorgänger bietet “Distant Populations” zwar mehr Tempo und Energie, spart allerdings auch nicht an melancholischen Momenten, wie zum Beispiel in “Phase 90” oder “Brushed”, die ihre Einflüsse von Bands wie The Smashing Pumpkins nur schwer leugnen können.
Dennoch verirrt sich das Album nicht in zu vielen Experimenten und profitiert auch von seiner schnörkellosen Herangehensweise: Schon der Opener “Inversion”, aber auch “Lightning Field” lassen nicht lange auf Schreifels Vocals warten, die stets energisch, aber melodisch und damit kontrolliert klingen.
Auf instrumentaler Ebene durchbrechen Quicksand dies immer wieder mit Songs wie “Katakana” oder “Missile Command”, die fordernd und hektisch sind und damit die nervöse Stimmung wiederspiegeln, die auch Grundthema des Albums sind: “Everyone is on the one hand so connected with each other and on the other hand is so far apart, and so freaked out about everything”, erklärt Schreifels.
“Distant Populations” gewährt nur wenige Verschnaufpausen, vielmehr fordert es die volle Aufmerksamkeit des Hörers, auch wenn sich die Laufzeit von knapp 32 Minuten absolut im Rahmen hält. Aber auch das war schon immer irgendwie charakteristisch für den Sound von Quicksand: Jeder Part erfüllt einen Sinn und fühlt sich so nicht aufgesetzt oder “zu viel” an. Etwas, was man gerne dem Rock der 80er und 90er vorwirft, der eben auf lange Gitarren-Soli setzte und sich selbst zelebrieren wollte.
All das findet man auch auf “Distant Populations” nicht und auch, wenn Quicksand wohl auch in Zukunft weiter unter dem Radar fliegen werden, so zeigen sie auch auf Album Nummer vier, dass sie viel mehr verdient hätten.
Foto: Anette Rodriguez / Offizielles Pressebild
Fazit
Quicksand melden sich mit "Distant Populations" zurück und unterstreichen auf beeindruckende Art und Weise ihren Legenden-Status. Ein starkes und abwechslungsreiches viertes Album mit einem hohen Wiederhör-Wert.

▶Tracklist 11 Songs
- 1Inversion
- 2Lightning Field
- 3Colossus
- 4Brushed
- 5Katakana
- 6Missile Command
- 7Phase 90
- 8The Philosopher
- 9Compacted Reality
- 10EMDR
- 11Rodan