
Mauritz Hagemann
Das Jahr 2021 kann bei den Herren des Pop-Punk-Ensembles Grayscale gebührend gefeiert werden. Zum einen steht das 10-jährige Bandjubiläum an, zum anderen erschien jetzt mit „Umbra“ Studioalbum Nr. 3 der Band aus Philadelphia, Pennsylvania.
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Drei Alben in zehn Jahren – das sieht auf den ersten Blick nicht unbedingt nach viel Fleißarbeit aus. Der Fairness halber muss aber erwähnt werden, dass das Debütalbum erst 2017 erschien und damit auch der große Aufstieg der Band mit Headliner-Touren durch die USA und Europa begann. Nun soll mit „Umbra“ an die bereits erreichten Erfolge angeknüpft werden.
Grayscale liefern auf „Umbra“ moderne Genrekost
Der Opener „Without You“ ist dann aber gleich eine ziemliche Überraschung. Seien es jetzt die überaus markanten Synthie-Flächen, der Bläser-Einsatz, das Saxophon oder der Chor im Refrain – der Song ist ohne Frage ein ganz besonderes Ausrufezeichen, aber sicher auch für viele Zuhörerinnen und Zuhörer eine unerwartete Reizüberflutung.
Keine Sorge, ganz so anstrengend geht es zum Glück nicht weiter. Denn Songs wie „Dirty Bombs“, der schon vorab als Single veröffentlich wurde, oder „Motown“ – Achtung: Saxophon-Solo incoming – konzentrieren sich etwas mehr aufs Wesentliche, sprich auf mehr Gitarren und vor allem Refrains, die im Ohr bleiben. Das Ganze wirkt dadurch weniger überladen und stimmiger.
Hier zeigt sich dann auch, was die Band in den letzten Jahren so erfolgreich gemacht hat. Die Songs überzeugen mit ihrer Eingängigkeit und auch, wenn man sich an manchen Stellen sicher mehr Punk als Pop wünscht, so grenzt sich die Band eben doch vor allem durch den Gitarreneinsatz und die Rhythmik von der 08/15-Popmusik ab.
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Und auch ein Song wie „Over Now“, bei dem man jenseits des Gitarrensolos den Punkrock-Anteil wirklich mit der Lupe suchen muss, wird zwar nicht alle Geschmäcker treffen, überzeugt durch Melodie und Hookline. Eine weitere Stärke der Band ist darüber hinaus auch die Stimme von Sänger Collin Walsh, dem der Spagat zwischen Pop und Punk sogar noch besser gelingt als der Instrumentalfraktion der Band. Das zeigt sich zum Beispiel im melancholischen „Live Again“.
Zum Ende des Albums schlagen Grayscale dann wieder den Bogen zum Anfang und zeigen sich mit dem ebenfalls schon als Single vorab veröffentlichten „Babylon (Say It To My Face)“ wieder von ihrer etwas experimentierfreudigeren Seite und erinnern vom Sound an US-Popmusik der 80er-Jahre.
Eigentlich ein perfekter Abschluss, doch ganz zum Schluss zeigt Collin Walsh – ganz allein vom Piano begleitet – in „Light“ noch einmal sein ganz gesangliches Können. „Honey your’re the light to my cigarette“ – romantischer könnten 36 Minuten Grayscale wohl nicht zuende gehen.
Foto: Grayscale / Offizielles Pressebild
Fazit
Grayscale zeigen, wie moderner Poppunk funktioniert – das Ganze geht sicher an einigen Stellen mehr in Sachen Pop, als vielen lieb sein wird und einige Songs hätten etwas straighter sicher mindestens genauso gut funktioniert. Doch letztlich weiß die Band auf Album Nr. 3 schon sehr genau, womit sie ihre Fans begeistern kann. Eingängige Refrains und Melodien, eine vielseitige Stimme – die Höhenflug der Band ist auch nach zehn Jahren noch nicht gestoppt.

▶Tracklist 11 Songs
- 1Without You
- 2Dirty Bombs
- 3Bad Love
- 4Motown
- 5Over Now
- 6Dreamcatcher
- 7Live Again
- 8Carolina Skies
- 9Kings Of Everything
- 10Babylon (Say It To My Face)
- 11Light