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Review

CALIBAN

Gravity

Album

VÖ 25. März 2016
Admin/22. März 2016
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A

Unser Admin sorgt dafür, dass alles funktioniert. Manchmal funktioniert es nicht, dann ist zwar er schuld. Aber dann repariert er es und wir haben ihn alle wieder lieb.


Es war eine kalte Oktobernacht im Jahr 2007, als ich erstmals mit CALIBAN in Kontakt kam. Die Jungs aus dem Ruhrpott stellten den Headliner der Eastpak Antidote Tour dar und hatten SCAR SYMMETRY, DARK TRANQUILITY und vor allem SOILWORK dabei, die nicht nur Vorband, sondern für mich an diesem Abend der Hauptgrund waren, in das legendäre SO36 zu pilgern. Als dann schließlich CALIBAN auf der Bühne standen, hatte ich – anders als die Fans, die an diesem Abend vor Ort waren und nun vielleicht das neue Album herbeisehnen – gemischte Gefühle.

Da diese Gefühle bis heute anhalten und ich niemals vollends mit der Metalcore-Truppe warm werden konnte, möchte ich an dieser Stelle allen Lesern in Erinnerung rufen, dass diese Rezension vor allem eines ist: Eine von vielen Meinungen. Vorab lässt sich bereits sicher sagen, dass eingefleischte CALIBAN-Fans sowie Sympathisanten des deutschen Metalcore á la HEAVEN SHALL BURN & Co auch in „Gravity“ ihr Glück finden werden und sich durch keine Rezension von einem Kauf, Stream oder Konzertbesuch abbringen lassen sollten.

Das ist es nun also, das zehnte Studioalbum in der 20-jährigen Bandgeschichte von CALIBAN. Härter sollte es vor allem werden, düsterer – entgegen der Szenetrends, die auf Melodie und Zugänglichkeit setzen.

Das Vorgängeralbum „Ghost Empire“ ist mittlerweile gut zwei Jahre alt und konnte mich, anders als die 2012er Scheibe „I Am Nemesis“, nie so richtig abholen. Mir persönlich fehlten Highlights wie „We Are The Many“, das auf Konzerten von CALIBAN nach wie vor der Stimmungsmacher schlechthin ist. Wie wird sich also „Gravity“ machen? Ist es tatsächlich so düster geworden? Hat es der eine oder andere Ohrwurm auf das Album geschafft, der garantiert auf den Festivals in diesem Sommer hoch und runter gespielt wird?

Die Songs bedienen sich verschiedener, tagesaktueller Themen, wie dem Umweltschutz, der Drogensucht oder – natürlich – der Flüchtlingskrise. Schnell fällt auf, dass die neuen Lieder insgesamt noch gitarrenlastiger sind, als man es bisher von CALIBAN kannte und viele markante Riffs durch die Songs pumpen. Seichte Abschnitte wechseln sich mit dem typischen CALIBAN-Geknüppel ab, das insgesamt einen etwas härteren Eindruck hinterlässt als auf den letzten beiden Alben.

Zum Einstieg schmettert den Hörern zunächst die bereits bekannte Single „Paralyzed“ um die Ohren, die mit einem offiziellen Video bereits seit einigen Wochen im Internet verfügbar ist.

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An zweiter Stelle steht der Track „Mein schwarzes Herz“, der wie schon „nebeL“ auf der Vorgängerscheibe komplett in Deutsch gehalten ist. Aufgrund der Sprache ist es hier besonders einfach festzustellen, dass Songtexte keine besondere Stärke von CALIBAN sind – es sei denn man steht auf schmalzige Melodramatik. Passagen wie „Es wird dunkel, ich lasse Asche regnen. Jedem Ende wohnt ein Anfang inne. Hast mich geschaffen, hast mich zerstört. Gib mir zurück, was mir gehört.“ könnten in einem Gothic-Song ebenso Platz finden wie auf der nächsten Platte von Schlagersänger Matthias Reim.

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Es folgen die Songs „Left For Dead“ und „Who Am I“, welche trotz unverbraucht wirkender Melodien, abwechslungsreicher Rhythmen und soliden Shouts doch wieder in einem Pool aus verwechselbaren Metalcore-Songs untergehen. Nach den Tracks „Crystal Skies“ und „Walk Alone“, die sich wie zuvor angesprochen um Drogenabhängigkeit und die Flüchtlingskrise drehen, folgt das Lied „The Ocean’s Heart“, für das ARCH ENEMY-Frontfrau Alissa White-Gluz gewonnen werden konnte. Die Kanadierin spricht sich aktiv gegen den Walfang aus und passt daher besser als jede andere Frontsängerin zu diesem Song, der sich der Tierquälerei sowie unserem Umgang mit der Umwelt widmet. Schade nur, dass man ihre kraftvolle Stimme kaum wahrnehmen kann, da sie am Mikrofon stets die zweite Geige spielt und kaum Solozeit spendiert bekommt. Dass das auch anders geht, haben gerade erst BURY TOMORROW bewiesen, die in ihrem Song „301“ den Sänger von HATEBREED auch mal komplett allein an das Mic gelassen haben.

Ebenfalls starke Geschmackssache ist der Song „brOken“, der von einer gescheiterten Liebe handelt. An dieser Stelle werden sanftere Töne angeschlagen. Geliefert werden so glasklare und cleane Vocals wie selten zuvor. Leider sind es auch diese Gesangseinlagen, die mich vom Stil her vor allem an den Grafen von UNHEILIG erinnern. Dadurch wird der Liebesschmerz zwar sehr deutlich, nur schlägt die Nadel auf dem Schmalz-o-Meter gleichzeitig ein weiteres Mal ordentlich aus. Das kann man also mögen, muss man aber auch nicht.

Ein paar Highlights auf dem Album stellen vor allem die Stücke „For We Are Forever“ und „Inferno“ dar. Während „For We Are Forever“ ein paar Gangshouts bietet, bei denen das Publikum hervorragend mitgrölen kann, erinnern Teile des Intros sowie die kurzatmigen, hohen Shouts von „Inferno“ fast schon an den Stil von RAISED FIST.

Alles in allem ist „Gravity“ ein solides Gesamtwerk, das dem Anspruch, härter und düsterer zu sein als alle Alben von CALIBAN zuvor, an der einen oder anderen Stelle des Albums bemerkenswert ignoriert. Knallharte Passagen gehen hier Hand in Hand mit cleanen Hooks und abwechslungsreiche Songparts wechseln sich ab mit generischem Metalcore-Gedudel, das man gefühlt schon oft zuvor gehört hat. Vielleicht braucht „Gravity“ einfach etwas Zeit, um zu wachsen, aufzugehen und wirklich jeden Hörer richtig mitzunehmen. Anhänger der Band, Metalcore-Romantiker und Liebhaber von moderner, härterer Musik aus Deutschland machen mit dem Album jedenfalls nichts falsch. Alle anderen Musikfans verpassen nur wenig, wenn sie „Gravity“ einfach überspringen.

Wertung: 6,5/10

Release: 25. März 2016

Tracklist:

1. Paralyzed

2. Mein schwarzes Herz

3. Who I Am

4. Left For Dead

5. Crystal Skies

6. Walk Alone

7. The Ocean’s Heart

8. Broken

9. For We Are Forever

10. Inferno

11. No Dream Without A Sacrifice

12. Hurricane

Label: Century Media Records

– Autor: Sebastian Beiler

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