Kevin stellt den nördlichen Teil von MoreCore dar. Seitdem er zum Team gestoßen ist, ist er fester Teil der Redaktion und wird liebevoll "Redaktionsrambo" genannt, da er einfach überall am Start ist. Seien es Reviews, Konzert-Berichte, Interviews oder Unterstützung im MoreCore.TV Team, Kevin ist gerne dabei. Ursprünglich im Hardcore und Punkrock zu Hause, interessiert er sich für die unterschiedlichsten Genre und entdeckt gerne neue Künstler. Wenn es für MoreCore gerade einmal nichts zu tippen gibt, nimmt er auch selbst die Gitarre in die Hand und schrammelt etwas vor sich hin. Neben der Musik, Festivals und Konzerten begeistert Kevin sich für American Football und schlägt sich dafür mit Freude die ein oder andere Nacht um die Ohren.
Darf es ein bisschen prügelig sein? Mit klaren Bässen und noch klareren Lines treten BLUTHUND mit ihrem neuen Album „Gefährliches Halbdissen“ die Tür ein und lassen kaum ein Möbelstück an seinem gewohnten Platz. Das Album, das am 29. April 2022 erscheint, fährt mit zwölf neuen Songs auf und stellt die neuste Veröffentlichung seit der 2020 veröffentlichten EP „StromGitarrenWutRap“ dar.
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Die Band, die bereits durch vergangene Veröffentlichungen für ihre klaren Texte bekannt war, bleibt ihrer Linie auch auf „Gefährliches Halbdissen“ treu. So beschäftigt sich das Kollektiv mit gesellschaftskritischen Themen wie dem Fleischkonsum der Bevölkerung in „Glückssau“, oder dem politischen Rechtsruck, Sexismus und allem anderen, was den Jungs gegen den Strich geht. Das lles, verpackt im passenden Titel „Hass Hass Hass“, der bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde.
Besonders hier zeigt sich die Eindringlichkeit, die Wut und das Feuer, mit dem BLUTHUND für ihre Themen brennen. Dabei wirkt es beinahe wie eine Art Befreiung und eine abfallende Last, die sich von der Band löst, seitdem sie musikalisch zu Wort kommen.
Bluthund variieren zwischen Härte… und noch mehr Härte!
Eines ist beim Hören des neuen BLUTHUND Albums definitiv klar: Die Band ist wütend! Auch von musikalischer Seite wird dieser Eindruck gestärkt. So wabert bereits der Bass des Album-Intros „Gefährliches Halbdissen“ in den Ohren und dreht mit dem darauffolgenden Track „Henne oder Ei“ (mit Joakim Bordén von Sabaton) stampfend weiter auf. Das Ganze in ständiger Unterbrechung durch Gitarrenriffs und Schlagzeug-Fills. Die Band versteht definitiv ihre Mischung aus Hip Hop, elektronischen Einflüssen und harten Riffs zu kombinieren.
So tendieren Songs, wie „Unser Weg“, welcher von niemand geringerem als B-Tight gefeatured wird, eher in eine Hip-Hop-lastige Richtung und erinnern mit ihrem Sample dabei eventuell an einen ziemlich bekannten Song des Künstlers Usher (An dieser Stelle einfach einmal ein lautes YEAH!). Andere Songs sind hingegen musikalisch deutlich vielschichtiger und wirken experimentierfreudiger. An dieser Stelle wäre „Mit meiner Machine“ zu nennen.
Von ganz großen zu ganz kleinen Themen
Es sind nicht nur allgemeingesellschaftliche Themen, wie das Gedankenspiel von einer Welt ohne Menschen, wie es in „Bello Ciao“ beschrieben wird. Dieser Song wird darüber hinaus mit den Herren von ITCHY gespielt. Oder die messerscharf skizzierte Generation, welche durch gesellschaftlichen Druck und Erwartungshaltungen ziellos in der Welt verweilt, wie es in „Die Stimme der Kaputten (feat. Antifuchs)“ der Fall ist.
BLUTHUND schaffen es, auch ganz persönliche Geschichten zu erzählen. So beispielsweise die Migration der eigen Eltern von Polen nach West-Berlin in „1979“ und den damit verbundenen Strapazen für Eltern und Kind.
Besonders dieser Song überzeugt durch sein gelungenes Storytelling, dem spürbaren Frust und die herausbrechende Emotionalität und wirkt dadurch besonders intim. Der Song stellt damit einen besonderen Wendepunkt des Albums dar. So verbindet er private Erfahrungen und legt diese unterschwellig, gesellschaftskritisch dar. Ein weiteres Indiz, das für das herausragende Songwriting der Band spricht, welches durch eher unterschwellige musikalische Klänge begleitet wird. Der Text und die damit verbundene Message stehen definitiv im Fokus auf „Gefährliches Halbdissen“.
Damit liefern BLUTHUND ein Album, das Themen anspricht, die offensichtlich sehr tief geschlummert haben und nun explodieren. Zwar könnte man sich an der ein oder anderen Stelle eine kurze Verschnaufpause wünschen, doch es scheint, als wäre dies keineswegs der Anspruch des Albums, das dem inneren Rumoren und der inneren Wut Luft macht.
Foto: Ania Sudbin / Offizielles Pressebild
Fazit
Mit ihrem Album „Gefährliches Halbdissen“ schreien Bluthund ihren Ärger und ihre Wut hinaus. Dabei variiert die Band sowohl zwischen persönlichen und gesellschaftskritischen Themen, als auch zwischen starken Hip Hop-Beats, elektronischen Einflüssen und harten Gitarren-Klängen. Gespickt wird das Ganze mit säuberlich ausgesuchten Feature-Gäst*innen, die die Platte abrunden.

▶Tracklist 12 Songs
- 1Gefährliches Halbdissen
- 2Henne oder Ei (feat. Joakim Brodén)
- 3Hass Hass Hass
- 4Der sprechende Affe
- 51979
- 6Unser Weg (feat. B-Tight)
- 7Die Stimme der Kaputten
- 8Glückssau
- 9Büro until Rente
- 10Wachsamer Nachbar
- 11Mit meiner Maschine
- 12Bella Ciao (feat. Itchy)
