
Als Redakteurin bei MoreCore.de versorgt Laura ihre Leser:innen mit den heißesten News aus der alternativen Musikszene. Sie hat ein besonderes Faible für Deathcore, aber ihre Liebe zur Musik erstreckt sich über eine breite Palette von Genres. Seit neuestem versucht sich Laura am Schlagzeug – und geht dabei ihren Nachbar:innen gehörig auf den Keks. Immerhin geht es ab und zu auch etwas ruhiger zu, denn neben der Musik zählt Gaming zu ihren liebsten Freizeitbeschäftigungen. Von Baldur's Gate 3 kommt sie seit Monaten nicht los…
Bodysnatcher machen mal wieder Bodysnatcher-Dinge. Die Herren aus Florida bleiben sich seit ihrer Gründung vor zehn Jahren treu und servieren mit ihrer neuen EP „Vile Conduct“ genau das, was sie am besten können: Tiefe Growls, dichte Gitarrenwände und saftige Breakdowns, die die Herzen von Fans des brachialen Beatdown-Deathcores höherschlagen lassen. Das ist mit Sicherheit auch Produzent Will Putney zu verdanken, schon mit Schwergewichten wie Thy Art Is Murder und Knocked Loose in den Ring gestiegen ist. Sein Einfluss ist klar erkennbar.
Bodysnatcher liefern saftigen Deathcore ohne Kompromisse
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Okay, aber was taugt „Vile Conduct“ denn nun? Tatsächlich eine ganze Menge. Mit den Worten „I’ve bled before, I’ll bleed again“ eröffnet Fronter Kyle Medina die EP und zeigt nicht nur, wohin die Reise inhaltlich gehen soll, sondern auch, was wir musikalisch erwarten können. Mit einer unerbittlichen Aggression preschen Bodysnatcher durch den ersten Song „Infested“. Dank Tempowechsel sowie einem gewissen Groove wird es nicht langweilig. Und die gewaltigen Breakdowns zerscheppern wirklich alles.
Weiter geht’s mit „Severed“ und „Human Disdain“, die beide ungewöhnlich eingängig für Bodysnatcher-Verhältnisse sind. Während die Vorgänger-Platte „Bleed-Abide“ (2022) für unseren Geschmack fast ZU stumpf daherkam, wirkt die 6-Track-EP insgesamt ausgereifter. Man könnte sagen: In der Kürze liegt die Würze. Das macht das ganze Geknüppel um einiges verdaulicher. Streng genommen sind es sogar nur fünf Songs, wenn man das Interlude „Confession“ in der Mitte der Platte ausklammert.
Verlust, Drogenmissbrauch und Hilflosigkeit
„Murder8“, der Track mit Hatebreed-Frontmann Jamey Jasta, sorgt für die nötige Abwechslung, die „Bleed-Abide“ fehlte. Murder8 ist übrigens ein Synonym für das Opioid Fentanyl. Drummer Chris Whited hat zwei seiner Geschwister durch die Droge verloren. Der Breakdown-Callout „Fentanyl made me an only child“ hittet mit diesem Hintergrundwissen nochmal anders hart. Uff.
Insgesamt handelt es sich um eine sehr persönliche Platte. Das macht Withed in der mehrteiligen Making Of-Reihe auf YouTube deutlich: „Auf unserem letzten Album ging es im Grunde darum, wie man ein besserer Mensch werden kann, wenn man die schlechten Punkte in seinem Leben überwunden hat. Aber danach ist so viel Scheiße passiert, dass wir uns wieder mit den Schwierigkeiten des Lebens beschäftigt haben.“
Auf dem letzten Track der EP werden Zuhörer:innen hinters Licht geführt. Im positiven Sinne! „Say Goodbye“ startet mit einem zahmen Melodieeinschub, nur um 30 Sekunden später mit geballter Faust auf den Tisch zu hauen – und das können Bodysnatcher ja bekanntlich am besten. Ein würdiger Abschluss einer gewaltsamen Deathcore-Explosion.
Foto: Toddi Babu / Offizielles Pressebild
Fazit
Bodysnatcher erfinden mit „Vile Conduct“ das Deathcore-Genre nicht neu – aber das müssen sie auch gar nicht. Die Band setzt auf ihr altbewährtes Konzept, streut aber gleichzeitig Appetithäppchen ein, die die Platte insgesamt facettenreicher als ihre Vorgänger klingen lässt. Ohne viel Schnickschnack, dafür umso rabiater.

▶Tracklist 6 Songs
- 1Infested
- 2Severed
- 3Human Disdain
- 4Confession
- 5Murder8 (feat. Jamey Jasta)
- 6Say Goodbye
