
Wenn unsere Tamara nicht gerade mit ihrem Master in Musikjournalismus eingespannt ist, versorgt sie die Leserschaft mit Rezensionen und Interviews rund um Bands, die eigentlich nur noch unsere Eltern hören. Zu ihren Lieblingsfreizeitbeschäftigungen gehören Till Lindemann und Wacken. Sieht man sie nicht im Club oder durch einen Moshpit tanzen, steht sie hinter dem Tresen und mixt unverschämt gute Cocktails, um mit Freuden ihre Freunde abzufüllen. Neuerdings versucht sie sich auch als Pflanzenmutti und an der E-Gitarre. Ganze 3 Akkorde beherrscht sie schon, einer Karriere in einer Punkband würde also nichts mehr im Weg stehen.
Die „Metalcorer“ von Like Moths To Flames brachten am 05. November 2021 ihre neue EP an den Start. „Pure Like Porcelain“ heißt das gute Stück und erscheint ebenfalls wieder beim australischen Label UNFD. Darauf begeistern uns die fünf US-Amerikaner aus Ohio mit fünf neuen Tracks in bester Core-Manier.
Instagram Post
Erst im letzten Jahr veröffentlichten Like Moths To Flames ihr viertes Album „No Eternity In Gold“ auf welchem sie thematisch die Krise 2020 abhandeln. Was hat sich also bei der Band seitdem verändert und wo gehen die Klänge im neuen Jahr hin?
Like Moths To Flames: Eine Band im Wandel
Vermisste man bei der letzten Platte noch Abwechslung und Abgrenzung der Tracks untereinander, stellt sich “Pure Like Porcelain” viel progressiver auf. Tatsächlich gelingt es jedem Song für sich zu stehen und trotz dessen eine Symbiose mit dem Rest der Platte einzugehen. Like Moths To Flames bleiben sich aber treu und verfolgen so weitestgehend ihre musikalische Signatur – auf die Fresse in treibenden Strophen und hymnenhafte Clean-Vocals im Chorus.
“Ameliorate” führt uns in die EP ein und ballert nach einem kurzen Intro bereits richtig los. Wie gewohnt wechseln sich Geschrei und Clean-Vocals ab, die zum Breakdown in typisch metalcoriger Art ins “Blegh” übergehen.
Brutalität und Emotion im Metalcore-Style
Einen atmosphärischen Übergang liefert “Views From Halfway Down”, der wesentlich langsamer, rhythmischer und deeper anläuft, aber dennoch einen gewissen Spannungsbogen zum Hauptthema hin aufbauen kann. Der Chorus beweist wieder die Vielseitigkeit Roetters Stimme, welche zwischen dramatischem Screaming und träumerischem Klargesang problemlos wechseln kann.
The “Preservation Of Hate” wurde bereits vor einiger Zeit ausgekoppelt und ist, wie ebenfalls die Band bestätigt, zum Maintitel der Platte auserkoren. Völlig zurecht, da Like Moths To Flames damit ein heavy-hardcoriges Statement setzen, das sowohl aggressiv und dynamisch als auch melodisch wirkt. Roetter sagt dazu:
„I think we just wanted to have fun with this one. A lot of time the focus for Moths is working cool chorus parts into the structure, so it’s a nice change of pace to have little singing on the track“ he adds „It feels like a continuation of some of the more anger driven songs in catalogue and people who like the heavier side of the band will be pleased“.
Mit “Gnashing Teeth” geht es brutal weiter. Ruhige Parts wechseln sich mit harten Strophen ab, stark ist die geflüsterte Passage zum Ende hin, die dann allerdings zu einem ruhigen Ausklang führt. Dies hätte meiner Meinung nach nochmal durch einen instrumentalen Ausbruch aufgelöst werden, so verklingt der Track etwas “klanglos”.
“Do Not Resuscitate” beginnt dafür wieder unglaublich stark durch das fast alleinstehende Screaming auf ruhigen Geräuschen, die langsam Spannung aufbauen. So kann der Track an seinen Vorgänger anschließen und optimiert das Hörerlebnis der EP im Ganzen.
Like Moths To Flames setzen auf Tiefgang
Der Titel “Pure Like Porcelain” ist eine ironische Anspielung auf die Imperfektion der Menschheit. Nach eigenen Aussagen gab sich Sänger Chris Roetter aber alle Mühe, in den Lyrics mehr in die Tiefe zu gehen. So greifen LMTF in “Gnashing Teeths” erneut ein religiöses Thema auf, welches sie problematisieren. “Views From Halfway Down” folgt sowohl musikalisch als auch lyrisch einer gewissen Melancholie. Roetter bezieht sich auf das toxische Verhalten und Denken der Menschen gegenüber selbstzerstörerischen Angelegenheiten.
Dass sich Like Moths To Flames viel stärker mit Details und Tiefe beschäftigen und auch ihren Sound verfeinern, hängt unmittelbar mit der Bandvergrößerung zusammen. Neuerdings verstärken Zach Pishey und Jeremy Smith die Band an Gitarre und im Songwriting. Und das läuft anscheinend ganz gut: Aus ganzen 35 produzierten Tracks wählte die Band fünf aus, welche es auf “Pure Like Porcelain” geschafft haben.
Foto: Johnny Costa / Offizielles Pressebild
Fazit
Like Moths To Flames überraschen auf der EP “Pure Like Porcelain” nicht, entwickeln sich dennoch hörbar zu den bisherigen Alben weiter. Es steckt mehr Variabilität in der Songauswahl, was vor allem durch ruhige Tracks und Parts von bspw. “Views From Halfway Down” implementiert wird, sowie die Kontrastierung durch den brutalen Banger “The Preservation Of Hate”, der fast eine Zäsur der fünf Tracks andeutet. Letztendlich scheinen sich LMTF allerdings auf keine Experimente einzulassen und bleiben bei ihrem musikalischen Erfolgskonzept. Gut, aber keine Neuerfindung.

▶Tracklist 5 Songs
- 1Ameliorate
- 2Views From Halfway Down
- 3The Preservation Of Hate
- 4Gnashing Teeth
- 5Do Not Resuscitate

