Kevin stellt den nördlichen Teil von MoreCore dar. Seitdem er zum Team gestoßen ist, ist er fester Teil der Redaktion und wird liebevoll "Redaktionsrambo" genannt, da er einfach überall am Start ist. Seien es Reviews, Konzert-Berichte, Interviews oder Unterstützung im MoreCore.TV Team, Kevin ist gerne dabei. Ursprünglich im Hardcore und Punkrock zu Hause, interessiert er sich für die unterschiedlichsten Genre und entdeckt gerne neue Künstler. Wenn es für MoreCore gerade einmal nichts zu tippen gibt, nimmt er auch selbst die Gitarre in die Hand und schrammelt etwas vor sich hin. Neben der Musik, Festivals und Konzerten begeistert Kevin sich für American Football und schlägt sich dafür mit Freude die ein oder andere Nacht um die Ohren.
Es ist bereits das dritte Album der Berliner von KAFVKA, welches am 11. Juni 2021 erscheint. „Paroli“ lautet der kurze und fordernde Titel des Kollektivs um Rapper Jonas Kakoschke. Welche Themen die Gruppe auf ihrem dritten Longplayer verarbeitet und wie das klingt, das haben wir schon einmal für euch herausgefunden.
Instagram Post
Um dem Ganzen auch den entsprechenden Rahmen zu geben, leiten KAFVKA mit dem ersten Titel „Prolog“ ein. Darin dankt die Band der Familie, den Freunden und beteuert, sich in ihren Ansichten nicht verändert zu haben. Das Ganze wird unterlegt mit düsteren Synthie-Klängen und einem treibenden 808 Beat.
Der Titelsong „Paroli“ zeigt ein erstes Mal die Vielfalt der unterschiedlichen Einflüsse der Band. Genre-Grenzen werden gekonnt durch die treibenden Akkorde der Gitarren aufgebrochen, da sie stimmungsvoll mit den politischen Rap-Texten harmonieren. Inhaltlich thematisiert das Stück die Aufforderung an das links-politische Spektrum, eigene Differenzen beiseite zu legen und gemeinsam rechter Politik entgegenzutreten.
KAFVKA denken Klassiker der Punk-Szene weiter
In der Mitte des Albums gibt es zwei Tracks, die besonders ins Auge stechen. Hinter dem Song „SNL“ verbirgt sich nämlich nichts Geringeres als ein Stück, das zur Basis den Die Ärzte-Klassiker „Schrei nach Liebe“ hat. So wird die Melodie durch die Keyboards aufgegriffen und verleiht dem Song das entsprechende Thema.
Inhaltlich greifen KAFVKA ebenfalls Textpassagen des Originals auf, binden diese allerdings neu ein und interpretieren das Stück vollkommen neu. Was für engstirnige Zeitgeister einem Hochverrat gleichen würde, erscheint hier vollkommen modern, gekonnt und authentisch. Und da bekanntlich gleiches Recht für alle gilt, enthält das Album einen Remix des eigenen Songs „Alle hassen Nazis“, welcher den größten Track der Band darstellt. Dieser wurde von der Rapperin Sookee und dem Münchener Musiker Roger Rekless gefeatured.
„Paroli“ legt nicht nur einen Finger in die Wunde
Insgesamt wird ein deutliches Hauptaugenmerk auf die Lyrics gelegt. Neben den bereits angesprochenen Themen äußern sich KAFVKA kritisch gegenüber der aktuell herrschenden Form des Kapitalismus im Song „Geld Geld Geld“. „Ally“ thematisiert darüber hinaus die Privilegierung von weißen Personen und verfolgt obendrein einen klaren Aufklärungsgedanken.
Der Song „Geschichte“ fasst die Corona-Thematik gekonnt und spitzzüngig zusammen und stellt, gepaart mit seinem breiten und eindringlichen Sound, ein Highlight des Albums dar. Und da das vergangene Jahr neben der Corona-Pandemie noch einige andere nennenswerte Negativ-Themen zu bieten hatte legen KAFVKA mit „Skip 2020“ noch einen Song nach. Die Wut und das Unverständnis für beispielsweise den Anschlag in Hanau oder den Tod von George Floyd wird sowohl in den gradlinigen Lines als auch in der Musik mehr als deutlich und schlägt den Fans ins Gesicht.
Und wem das noch nicht gereicht hat, dem bietet die Band mit „AHN FAQ“ eine Antwort auf all die Fragen, die dem ein oder anderen durch den Kopf gegangen sein könnten. Begleitet von einem treibenden Lofi-Retro-Sample distanzieren sich die Berliner von einer Line einer ihrer Veröffentlichungen, sprechen aus, wofür sie als Band stehen und erwecken den Eindruck, als hätten sie noch viel mehr zu sagen, als bisher zum Ausdruck kam.
Den Eindruck, dass KAFVKA auf „Paroli“ nicht genügend zu sagen gehabt hätten, den hat sicherlich niemand, auch wenn sich der ein oder andere Song durch zahlreiche Wiederholungen ein Stück weit in die Länge zieht. So wirkt der Refrain von „Tanz deinen Schmerz weg“ etwas dünn und gestreckt, die Message der einzelnen Werke kommt allerdings ohne jeden Zweifel an und wirkt.
Foto: Thomas Tiefseetaucher / Offizielles Pressebild zu KAFVKA
Fazit
Mit ihrem dritten Longplayer „Paroli“ richten sich KAFVKA abermals auf, schreien ihren Unmut heraus und fordern Veränderung. Die Songs sind sowohl inhaltlich als auch musikalisch vielseitig, legen allerdings ein deutliches Hauptaugenmerk auf die Message. Diese bietet einen gesellschaftskritischen und politischen Rundumschlag, welcher mit scharfer Zunge vorgetragen wird. Bei dieser Band hat man bei weitem nicht den Eindruck, als würde ihr die Themen ausgehen.

▶Tracklist 13 Songs
- 1Prolog
- 2Paroli
- 3Tanz deinen Schmerz weg
- 4Alle hassen Nazis (Remix)
- 5SNL
- 6Ally
- 7Geschichte
- 8Geld Geld Geld
- 9Skip 2020
- 10Dorfjugend
- 11Alles was wir tun
- 12Wir gehen zu zweit
- 13AHN FAQ
