
Kevin stellt den nördlichen Teil von MoreCore dar. Seitdem er zum Team gestoßen ist, ist er fester Teil der Redaktion und wird liebevoll "Redaktionsrambo" genannt, da er einfach überall am Start ist. Seien es Reviews, Konzert-Berichte, Interviews oder Unterstützung im MoreCore.TV Team, Kevin ist gerne dabei. Ursprünglich im Hardcore und Punkrock zu Hause, interessiert er sich für die unterschiedlichsten Genre und entdeckt gerne neue Künstler. Wenn es für MoreCore gerade einmal nichts zu tippen gibt, nimmt er auch selbst die Gitarre in die Hand und schrammelt etwas vor sich hin. Neben der Musik, Festivals und Konzerten begeistert Kevin sich für American Football und schlägt sich dafür mit Freude die ein oder andere Nacht um die Ohren.
Eine Band, die im vergangenen Jahr sicher eine ganze Menge durchgemacht hat, sind Bad Wolves definitiv. Mit neuem Sänger und zwölf frischen Songs will die Kombo aus den Staaten mit ihrem Album „Dear Monsters“ wieder angreifen. Nach eigenen Angaben ist das Album, das am Freitag via Better Noise Music erscheint, etwas ganz Neues, was die Band bisher noch nie gemacht habe. Wie das klingt? Das erfahrt ihr in unserer Review.
Mit dem neuen Sänger Daniel „DL“ Laskiewicz rekrutierten Bad Wolves keineswegs ein unbeschriebenes Blatt. „DL“ war vorher bei The Acacia Strain aktiv und außerdem bereits auf dem Bad Wolves-Song „The Consumerist“ vom Album N.A.T.I.O.N zu hören. Trotz aller Härte und Rohheit beginnt „Dear Monsters“ eher ruhig.
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„Sacred Kiss“ gibt einen entspannten Einstieg, ruhigen Sounds und Claps, die in Summe einen Country Rock-Charme besitzen. Dieser Eindruck verfliegt aber schlagartig und Bad Wolves zeigen, was sie können.
Das wirbelnde Riff versprüht den Drang nach Circle Pits und auch wenn die teilweise geflüsterten Vocals durch die zahlreichen Wiederholungen und das Gefühl, man würde einen neuen Beartooth-Song hören, etwas geschmälert wird, so ist der Vibe eingängig und zieht alle Hörenden sofort in den Bann.
Bad Wolves schlagen die großen Töne an
„Never Be The Same“ stellt einen gelungenen Kontrast zur vorherigen Geschwindigkeit dar. Das Stück wirkt durch das langsame Riff schwer wie Blei und ist dabei von musikalischer Seite so schwer, dass der Kontrast zu den Vocals beinahe etwas zu weit differiert. Insgesamt bringen Bad Wolves bereits zu Beginn des neuen Albums ihre rockige Seite klar zur Geltung und das klingt vielversprechend. Wenn man dann über modernen Rocksound spricht, dann ist die Steigerung davon wohl ein Touch von hymnenartigem Stadion-Rock.
Auch davon gibt es auf „Dear Monsters“ den ein oder anderen Vertreter. „Lifeline“, eine vorab veröffentlichte Auskopplung des Albums, trifft mit seiner emotionalen Art und den vielstimmigen Refrains den Nerv der breiten Masse und auch „Wildfire“, oder „If Tomorrow Never Comes“ gehen in eine ähnliche Richtung. Wem das nach einer zu großen Arie klingt, und wer keine Lust auf Slo-Mo-Tour-Videoschnipsel in Schwarz-Weiß hat (ein Gedanke, der sich beim Hören der Songs schnell einpflanzt), dem helfen Bad Wolves hier weiter.
Darf es etwas härter sein?
Freund*innen der derberen Sounds dürfte auf „Dear Monsters“ ebenfalls geholfen werden. „Comatose“ ist eines der Stücke, das sehr schwerfällig und hart klingt, einziges Manko des Songs ist der verzerrte Gitarrensound, der stark komprimiert klingt und dadurch einen recht dichten Sound erschafft, dem es an Dimensionalität fehlt.
„On The Chase“ setzt dem Ganzen dann den Hut auf. Während der zuvor gespielte Track „Gone“ eher ein atmosphärischer, moderner Song im Stile von Bands wie Polaris ist, wird im Anschluss eine andere Richtung eingeschlagen.
Der Track ist deutlich härter und schafft es sich in einer solchen Art zu seinen Vorgängern abzugrenzen, dass man meint, man höre zwei unterschiedliche Bands.
Und was kommt zum Schluss?
Wie beendet man im besten Fall ein Album, das den Anspruch hat eine besondere Vielfältigkeit aufzuweisen?
„In The Middle“ ist ein ruhiger, emotionsgeladener Song im Stile eines poppigem Country-Tracks. Bereits beim ersten Hören hat man den Geruch des Funkenregens auf dem Konzert in der Nase.
Es ist absolut verständlich, wenn der Song vielen Hörer*innen zu verschnulzt klingt – aber wisst ihr, wofür das Stück allerdings perfekt ist? Schlüsselszenen in sogenannten RomComs, ein etwas überzogener Hochzeitstanz, oder vielleicht herzzerreißendes Weinen unter der Dusche. Hört doch bei Release selbst einmal rein und macht euch ein Bild davon.
Foto: Jim Louvau / Offizielles Pressebild
Fazit
Mit ihrem neuen Album „Dear Monsters“ beschreiten Bad Wolves, gemeinsam mit ihrem neuem Sänger „DL“, einen neuen Weg. In welche Richtung dieser Weg geht halten sich die US-Amerikaner offen. Die neue Platte strotzt vor Vielseitigkeit, lässt an der ein oder anderen Stelle allerdings die Innovation vermissen. Der Anspruch, sich einem größeren Publikum zu präsentieren wird die Band definitiv gerecht, ob das breit aufgestellte Album in Gänze allerdings ein genauso breit aufgestelltes Publikum anspricht, wird sich herausstellen - aber muss es das überhaupt? Oder reicht es, wenn sich jede Hörergruppe ihre Rosinen aus „Dear Monsters“ herauspickt? Wir sind gespannt.

▶Tracklist 12 Songs
- 1Sacred Kiss
- 2Never Be The Same
- 3Lifeline
- 4Wildfire
- 5Comatose
- 6Gone
- 7On The Case
- 8If Tomorrow Never Comes
- 9Springfield Summer
- 10House Of Cards
- 11Classical
- 12In The Middle


